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Deutschland

Kommentar: Ärzte als Gehilfen des Todes?

Soll aktive Sterbehilfe erlaubt sein? Die Gesellschaft ist gespalten. Jetzt diskutiert erstmals der Deutsche Bundestag. Ein Ja zur assistierten Sterbehilfe wäre ein verheerendes Signal, meint Fabian Schmidt.

Niemand kann einen entschlossenen und körperlich dazu fähigen Menschen daran hindern, sich das Leben zu nehmen. Aber es darf niemals die Aufgabe von Ärzten werden, sich daran zu beteiligen. Es ist die Aufgabe der Ärzte, Leben und Gesundheit zu bewahren - und das muss auch so bleiben.

Befürworter der ärztlich assistierten Sterbehilfe führen ins Feld, dass todkranken Menschen, wie etwa Krebspatienten, schweres Leiden erspart bliebe, wenn sie selbst den Zeitpunkt ihres Ablebens "frei" bestimmen könnten. Sie argumentieren mit dem Recht der Patienten auf einen "würdevollen" Tod. Dagegen stellen sie die vermeintlich unpersönliche und kalte Gerätemedizin und das Dahinvegetieren bis zu einem späten und schmerzhaften Tod. Aber wie "frei" kann ein todkranker Mensch wirklich solch eine Entscheidung treffen?

Der angeblich "würdevolle" Tod

Deutsche Welle Fabian Schmidt

DW-Redakteur Fabian Schmidt

Selbst Menschen, die bei klarem Verstand sind, stehen unter gesellschaftlichem Druck - auch wenn dieser so nie offen formuliert wird: Kann ich meinen Angehörigen zumuten, dass sie mich möglicherweise monate- oder jahrelang pflegen müssen? Kann ich ihnen meine Schmerzen und mein Leiden aufbürden? Kann ich selbst es ertragen, von fremden Menschen gepflegt zu werden und dadurch meine Intimität preisgeben zu müssen? Da scheint ein schneller Tod als Lösung zur Wahrung der "Würde" recht und billig.

Aber so ein Selbstmord ist nicht "würdevoll" - weder für den Patienten, noch für die Gesellschaft, die so etwas zulässt. Durch ein gesetzliches Ja zu diesem Weg würde sie ja jeden Todkranken geradezu zwingen, sich genau diese Fragen zu stellen. Ein Suizid, bei dem im Hintergrund vielleicht die unausgesprochene Furcht mitschwingt, als Egoist zu gelten, wenn man weiterlebt, hat mit Würde nichts zu tun!

Unerträgliche Situation für Ärzte

Auch würde eine Legalisierung des begleiteten Suizids die Ärzte in eine unerträgliche Situation bringen: Sie müssten Patienten darüber beraten, ob sich ein Weiterleben für sie überhaupt noch lohnt. Je nach medizinischem Fachbereich könnten sie so im Laufe eines Berufslebens hundert- oder sogar tausendfach zum Erfüllungsgehilfen des Todes werden. Aus gutem Grunde lehnt die Standesorganisation der Ärzte das ab.

Es darf keinen derartig organisierten Tötungsmechanismus geben - weder in Krankenhäusern oder Arztpraxen, noch anderswo. Auch deshalb gehören Organisationen und Vereine wie die Schweizer "Dignitas", deren einziges Vereinsziel der assistierte Suizid ist, verboten.

Sterbende brauchen Zuwendung

Wie ein würdevoller Umgang mit todkranken Menschen aussieht, zeigen Hospize und palliativmedizinische Einrichtungen: Sie geben den Sterbenden ein behütetes Umfeld, in dem sie in den letzten Tage des Lebens menschlich begleitet werden. Moderne hocheffiziente Schmerzmittel gehören genauso dazu, wie das Recht, das eigene Leben nicht durch Apparatemedizin künstlich zu verlängern. Was wir wirklich brauchen, ist keine Debatte über assistierten Suizid, sondern mehr Zuwendung zu den Schwachen und Kranken!