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Wissen & Umwelt

Kolumne: Mogelpackung "GreenIT"

Das Thema "GreenIT" war auf der CeBIT ein Renner. Aber ist das echt ein neuer Trend? Hat sich wirklich jemand ein grünes Herz gefasst? Jörg Brunsmann traut dem Kuschelkurs der sonst knallharten Computerbranche nicht.

Ein animiertes Model einer Weltkugel steht am Stand von IBM auf dem Messegelände der CeBIT in Hannover.

"GreenIT" - eine ernst gemeinte Ansage der Computerindustrie?

Liebe Computerindustrie,

Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft – auf dieser CeBit haben euch fast alle abgenommen, dass "GreenIT" der neue Trend des Jahres sein soll. Dabei weiß erstens keiner so genau, was dahintersteckt und zweitens habt ihr schon vor einigen Jahren versucht, das Thema als neuen Trend zu etablieren – damals allerdings ohne Erfolg. Doch in Zeiten steigender Energiepreise und drohender Klimakatastrophe macht es sich gut, wenn auch eine Harte-Männer-Domäne wie die Computertechnik auf kuschelig macht und sich der Umwelt annimmt.

Nur: Dann sagt mir doch mal, was genau ihr machen wollt? Wenn der PC, der inzwischen fast rund um die Uhr läuft, ein bisschen weniger Strom verbraucht, dann ist das nett, keine Frage. Der Weisheit letzter Schluss aber ist es nicht. Denn die meiste Energie und den größten Dreck machen Computer nicht im Betrieb, sondern bei Herstellung und Entsorgung. Gut, zumindest in den westlichen Industriestaaten werden Computer inzwischen zum größten Teil fachgerecht entsorgt (oder per Schiff Richtung Afrika abgeschoben), doch das, liebe Computerindustrie, fandet ihr am Anfang gar nicht so toll; die Politiker mussten euch dafür erst ein bisschen auf die Sprünge helfen. Und was die Konstruktion und den Bau neuer Computer angeht – da lasst ihr euch nach wie vor ungern in die Karten schauen. Dabei könnte man gerade an dieser Stelle sehr viel für die Umwelt tun.

Jörg Brunsmann DW Redakteur

DW-Computerexperte Jörg Brunsmann

Mein Vorschlag: Baut doch mal einen PC, der länger als zwei oder drei Jahre hält. Wenn ich alleine bei mir mal nachzähle – in den knapp 20 Jahren, in denen ich jetzt PCs nutze, habe ich bestimmt schon an die 20 Geräte verschlissen. Wirklich kaputt waren davon nur ein oder zwei – aussortiert wurden die Computer in der Regel nur deshalb, weil eine neue Generation mehr Leistung und Geschwindigkeit versprach – oder ganz einfach, weil eine neue Windows-Version nach eben dieser Leistung verlangte.

Ja, ich versteh schon: Die Entwicklung in der Computerindustrie ist rasant; Rechner zu bauen, die wirklich mal längere Zeit durchhalten, das ist gar nicht so einfach. Außerdem werden euch die neusten Sachen ja immer mit Kusshand von den Computer-Freaks und Spiele-Enthusiasten aus der Hand gerissen. Trotzdem: Dass ihr es mit der "GreenIT" ernst meint, glaube ich euch erst, wenn auch im Supermarkt-Prospekt steht, wie viel Strom der neue PC oder das tolle Notebook im Betrieb und im Standby verbrauchen. Die Autoindustrie gibt seit Jahrzehnten an, wie viel Benzin ihre Karossen verbrauchen; da müsstet ihr doch wenigstens das auch hinbekommen, oder? Vielleicht lasst ihr es euch einfach mal von euren neuesten PCs ausrechnen – oder fragt Google; die wissen doch sonst alles.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Brunsmann