Kolumne: Kulturjahr 2018 - Berlin könnte mehr | Berlin 24-7 | DW | 07.01.2018
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Berlin 24-7

Kolumne: Kulturjahr 2018 - Berlin könnte mehr

Der Berliner Kulturkalender ist 2018 wieder randvoll. Doch vieles ist vorhersehbar und nicht gerade innovativ. Von Berlin kann man mehr erwarten, meint DW-Kolumnist Gero Schließ.

Immerhin, am Anfang des Jahres hat es so richtig Rums gemacht. Was für gewöhnliche Menschen wie ein tosender Hexenkessel klingt, ist für den Berliner Himmelsmusik: Der Sound von Deutschlands größter Silvesterparty am Brandenburger Tor. 

Superlative und Superpleiten

Mit Superlativen – dem Größten, Schnellesten, Längsten – sollte es 2018 dann gefälligst auch weitergehen. Zumindest nach dem Selbstverständnis der Berliner, denen die Tugend der Bescheidenheit ja eher lästig ist.

Portratfoto des Regisseurs Tom Tykwer Foto: Caroline Seidel/dpa

Auf ihm ruhen viele Hoffnungen: Der Regissesur Tom Tykwer ist in diesem Jahr Präsident der Berlinale-Jury

Aber der Blick in den Jahres-Kultur-Kalender ist ernüchternd. Da kündigt sich keine endlose Reihe aufregender Megaevents oder innovativer Neuerungen an.

Die üblichen Verdächtigen sind auch dieses Jahr wieder Stützen der Hauptstadt-Kultur. Ganz oben auf der Skala der Vorhersehbarkeit die Berlinale, deren Jury diesmal der Regisseur und Filmproduzent Tom Tykwer vorsitzt. Was Tykwer mit dem vielgelobten und in mehr als 60 Ländern verkauften Serienmeisterwerk Babylon Berlin jüngst gelang, dem hechelt die Berlinale seit Jahren in ihrem Film-Wettbewerb hinterher: einen internationalen Coup zu landen mit einem preisgekrönten Werk, von dem man auch morgen noch spricht. Auch die Fashion-Week und die Berlin Art-Week leiden chronisch unter internationalem Aufmerksamkeitsentzug. Für die selbsternannten Berliner Weltkulturkönige ist es das Schlimmste, was ihnen passieren kann.

Vier Frauen oder Modemodels posieren in silbrig-goldenden Kleidern auf Podesten auf einer Bühne Foto: Luca Bruno/AP

Eine der wenigen Überraschungen: Eine Retrospektive des italienischen Modegenies Gianni Versace

Mir geht es nicht um pubertäres Renommiergehabe, sondern um das ungeheure kreative Potential dieser Stadt, das noch nicht gehoben ist. Berlin kann mehr. Und von Berlin kann man mehr erwarten. Auch angesichts der Rekord-Kulturetats in Bund und Land Berlin. Ob es allerdings die Leichtathletik-EM 2018 oder die alljährlich sprießende Grüne Woche sind, die jetzt von den städtischen Berlin-Vermarktern so treuherzig in ihrem Kulturkalender angepriesen werden? Irgendwie klingt das nach Ersatzbefriedigung. In einem haben die Kompensationskünstler allerdings recht: EssKULTUR und LaufKULTUR  würden ohne das Wort "Kultur" nicht funktionieren. Auch nicht das Oktoberfest (richtig: Stichwort SaufKULTUR), das sich Berlin auch in diesem Jahr wieder aus München – nun ja - ausleiht.

Versace, Lady Gaga, Barenboim 

Klassische Musiker auf der Bühne mit Dirigent im T-Shirt, (c) picture Aliance/Eventpress Hoensch

Eine sichere Bank im Kulturleben: Die Berliner Philharmoniker, hier zu Gast in der Waldbühne

Aber allein auf hochprozentige Selbstbelustigung setzen?  Nun, ganz so trostlos wird es 2018 denn doch nicht. Gleich im Januar ist im Kronprinzenpalais eine einzigartige Retrospektive der Mode-Ikone Gianni Versace zu sehen. Außerdem kommen Pop-Heroen wie Lana Del Rey, Lady Gaga (siehe Artikelbild ganz oben), Noel Gallagher oder A-ha an die Spree. Und bewährte Berliner Fun-Festivals wie die Fête de la Musique und der Karneval der Kulturen können in diesem Jahr erstmals aufspielen, ohne dass sie um ihre Existenz zittern müssen. Der neue Festivalfond von Kultursenator Klaus Lederer macht es möglich.

Außerdem sind da ja noch die Berliner Philharmoniker und die fünf anderen Berliner Sinfonieorchester als verlässliche Stützen. Nicht zu vergessen die drei Opernhäuser Staatsoper, Deutsche Oper und Komische Oper.

Porträtfoto von Kolumnist Gero Schließ

Unser Kolumnist Gero Schließ wünscht sich mehr Überraschungen und Innovationen in Berlins Kulturleben

Barrie Koskys gerade 70 Jahre jung gewordene Komische Oper segelt mit steifer Musical- und Operettenbrise ins neue Jahr. Daniel Barenboims wiedereröffnete Staatsoper kann mit mondänem Ambiente und modernster Bühnentechnik brillieren. Nur bei der Deutschen Oper hieß es zum Jahreswechsel erstmal "Land unter". Das Opernhaus im Berliner Westen hatte sich gerade selbst versenkt. Oder genauer gesagt, ihre Bühnentechnik mit Hilfe einer übermotivierten Sprinkleranlage.

Superlative und Superpleiten liegen eben nah beieinander.

Aber auch das ist keine Überraschung. Gerade nicht in Berlin.

 

                                                             

 

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