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Berlin 24-7

Kolumne Berlin 24/7: Trump in Berlin?

Kommt Donald Trump noch vor den US-Wahlen nach Berlin? Undenkbar! Oder doch nicht? Eine kleine Meldung im Internet hat unserem Kolumnisten Gero Schließ zu denken gegeben und seine Phantasie beflügelt.

Der Tsunami, der sich Berlin unaufhaltsam nähert, trägt einen bekannten Namen: Donald Trump. Im schlimmsten Fall rollt die US-Wahlkampfmonsterwelle geradewegs über Europa hinweg und kommt gewaltig krachend in Berlin hernieder.

Donald Trump vor dem Tor

Amerikanische Medienberichte lassen jedenfalls kaum Zweifel zu: "Trump verlegt sein Hauptquartier nach Berlin", steht da schwarz auf weiß. Trump "ante Portas". Oder für den, der es nicht wahrhaben will, die brutale Wahrheit in unmissverständlichem Deutsch: Trump vor dem Tor!

08.2016 Kolumne Gero Schließ

Korrespondent Gero Schließ war drei Jahre lang in Washington und weiß, wo die Amerikaner der Schuh drückt

Und höchstwahrscheinlich ist es das Brandenburgische. Denn hier, am Brandenburger Tor, am geschichtsträchtigen Ort, wo Ronald Reagan einst Gorbatschow frontal anging, könnte auch für den wahlkämpfenden Präsidentschaftskandidaten der Republikaner das größte PR-Potenzial liegen.

"Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" hatte Reagan einst gerufen und die Spätwirkung der Worte war vergleichbar mit denen der Trompeten von Jericho.

Liebesgrüße an Putin

Und Trump? Er könnte ein zuckersüßes Kontrastprogramm liefern. Nicht auszuschließen, dass er Gorbatschows Nach-Nachfolger, seinem Männerfreund Putin, Liebesgrüße nach Moskau sendet. Etwa: "Sweet Vladimir, please tear down the walls around your heart". Und dem würde sich dann eine exklusive Lesung besonders fieser Clinton-E-Mails anschließen, für die ihm der KGB das perfekte Manuskript geschrieben hat.

Litauen Graffiti von Putin und Trump (Getty Images/AFP/P. Malukas)

Liebesgrüße nach Moskau: Zwei, die sich verstehen.

Geben wir es zu: Trump in letzter Minute in Berlin, die Vorstellung hat etwas Erschreckendes. So gern wir Berliner unseren amerikanischen Freunden eine große Last von den Schultern nehmen würden, sozusagen in ewiger Dankbarkeit für Luftbrücke und Rosinenbomber: Wir wollen doch, dass dieser Mann noch nicht einmal einen Koffer in Berlin zurück lässt, oder?

Unwillkürlich kommt mir der alte Berliner Schlager in den Sinn: "Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin". Es hat den Anschein, als ob der leibhaftige Donald diese Aufforderung dankbar aufgegriffen hat. Die bedenkenlose Berliner Leichtsinnigkeit, die selten die Folgen des Handelns im Blick hat, wird uns nun allen zum Verhängnis. Dabei passt Trump gar nicht ins Beuteraster der harmlosen Berliner Verrücktheiten, verkörpert etwa durch Comedians wie Mario Barth. Denn Trump ist keiner dieser üblichen Ulknudeln. Hinter der großen Schnauze lauert Gefahr.

"Berlin bin ich" statt "Ich bin ein Berliner"

Berlin hat viele Gefahren überstanden, denke ich im Stillen. Pest und Cholera, den Siebenjährigen Krieg, Napoleon, Hitler, Stalin und Honecker. Aber jetzt Trump? Sollte der Präsidentschaftskandidat in letzter Minute ein riskantes Wahlkampfmanöver machen, um das Ruder doch noch herumzureißen und Hillary am Ende zu überholen? Will er etwa an die vielbejubelte Berliner Obama-Rede anknüpfen, die dem damals unbekannten Kandidaten staatsmännische Statur und seiner Kampagne einen raketenartigen Schub gab?

Oder will er gar nach den Sternen greifen und den Kennedy machen, wobei - Gott sei Dank - der Trumpsche Narzissmus ein einfaches Abkupfern des legendären Kennedysatzes nicht zulassen würde. Das großherzige "Ich bin ein Berliner" käme ihm nie über die Lippen, eher schon "Berlin bin ich". Oder in kapitalistischer Verdichtung: "Berlin ist mir."

USA Michigan Präsidentschaftskandidat Donald Trump (Reuters/C. Allegri)

Donald Trump, demnächst in Berlin?

Möglich, dass sich die chronisch klammen Berliner davon neue sprudelnde Finanzquellen versprechen. Doch Achtung Trump: Es könnte auch anders kommen. Nicht nur du bist besessen von Mauern und Grenzzäunen, wie die Mexikaner gerade leidvoll erfahren. Auch in Berlin gibt es eine verhängnisvolle Vorliebe für alles, was abgrenzt und nach oben wächst, wie Zäune, Wälle und Mauern. Das könnte sich dann zur Abwechslung auch einmal ins Positive - und gegen dich wenden. Es wäre dann so etwas wie der „Anti-Trump-Schutzwall". Die Blaupause dafür liefern wir Berliner dann gerne frei Haus in die USA.

Übrigens habe ich mir am Ende die Meldung über die Verlagerung der Wahlkampfzentrale von Donald Trump noch einmal genau angesehen. Nach der Ortsmarke Berlin findet sich da noch ein winziges Kürzel: CT. Und CT ist die Abkürzung für Connecticut, einen der 50 Bundesstaaten der USA.

Berlin, du hast nochmal Glück gehabt.

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