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Der Papst in Kolumbien

Kolumbiens Armut, Franziskus' Worte

Die soziale Frage entscheidet über den Erfolg des Friedens in Kolumbien. Schafft es Papst Franziskus, bei seinem Besuch in Kolumbien, nicht nur Versöhnung, sondern auch soziale Gerechtigkeit voranzutreiben?

Papstbesuch in Kolumbien (picture-alliance/dpa/F. Vergara/AP)

Papst Franziskus wird in Bogota von Kindern umarmt

Die Hoffnung ist groß: Nach dem Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen könnte Kolumbien Geld, das bisher für die militärische Bekämpfung der Rebellen ausgegeben wurde, endlich in die soziale Entwicklung des Landes investieren.

"Genau darauf hoffen wir", sagt Pater Jesús Albeiro Parra Solís, Mitglied der Kommission "Leben, Gerechtigkeit und Frieden" der Diözese Quibdó. "Die Regierung kann sich jetzt nicht mehr damit rausreden, dass sie in einigen Regionen nicht investieren kann, weil dort bewaffnete Konflikte ausgetragen werden."

Frieden und Gerechtigkeit - das geht nur ohne Armut

Der Papst ließ keinen Zweifel daran, dass für ihn "die ungleiche Verteilung der Einkünfte die Wurzel sozialen Übels" ist. Bei seinem Treffen mit Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und anderen hochrangigen Politikern in Bogotá sprach er sich für Gesetze aus, die auch die Ursachen struktureller Armut beseitigen würden. Nur so sei ein Aufbau in Frieden und Gerechtigkeit möglich.

Doch ausgerechnet in dem Moment, in dem Kolumbien Geld für die Umsetzung des historischen Friedensabkommens braucht, stockt die Konjunktur. Fallende Rohstoffpreise und eine sinkende Nachfrage aus China haben das kleine Wirtschaftswunder abgebremst: Nach traumhaften Wachstumsraten um die sechs Prozent im Durchschnitt zwischen 2004 und 2007, wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr laut Weltbank gerade einmal um 2,3 Prozent.

Angst vor Rückschritten

Schlimmer noch: Die Wirtschaftskrise bedroht die bereits erreichten Fortschritte bei den gestiegenen Pro-Kopf-Einkommen. Seit 2014 gehen sie wieder zurück. Und auch die erfolgreiche Bekämpfung der Armut ist durch die aktuelle Entwicklung gefährdet (siehe Grafiken). Der Aufholbedarf in Kolumbien ist sogar noch größer als im Nachbarland Brasilien.

Die Kehrseite des Friedens

Zudem kommt der Frieden den Staat zunächst teuer zu stehen. Nach Berechnungen der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos wird die Umsetzung des Friedensvertrages mit den FARC-Rebellen in den kommenden 15 Jahren umgerechnet rund 37 Milliarden Euro kosten, also 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Den größten Anteil, 85 Prozent, wird die im Friedensvertrag festgeschriebene Agrarreform verschlingen. Denn es geht nicht nur um die Umverteilung und Regulierung von Agrarbesitz, sondern auch um landwirtschaftliche Förderprogramme und den Ausbau der Infrastruktur in den seit Jahrzehnten vom Staat vernachlässigten Regionen.

Ebenfalls große Kosten wird weiterhin der Kampf gegen den illegalen Anbau von Drogen verursachen. In den vergangenen drei Jahren ist die Koka-Produktion in Kolumbien um 200 Prozent gestiegen. Dafür gibt es zwei Gründe: Seit 2015 werden die Kokafelder nicht mehr großflächig mit dem Pflanzenvernichter Glyphosat bekämpft, um die Gesundheit der Bauern zu schonen. Außerdem haben sich seit der FARC-Entwaffnung Milizen und Kartelle die Territorien und damit auch das Geschäft der Rebellen angeeignet.

Kolumbien FARC Guerilla (Getty Images/AFP/L. Robayo)

Antreten ohne Waffen: Unter UN-Aufsicht wurden FARC-Kämpfer in über das Land verteilten Camps entwaffnet

"Hört auf die Armen

Der lukrative Anbau und Handel mit Drogen ist angesichts der Wirtschaftskrise und der mangelnden Zukunftsperspektiven für die kolumbianische Landbevölkerung oft die einzige Überlebensstrategie. "Die Kleinbauern produzieren, doch ihre Produkte sind nichts wert", bilanziert Juana Zambrano von der Sozialpastorale im östlichen kolumbianischen Department Arauca.

Obwohl die Landbevölkerung die Menschen mit Nahrungsmitteln versorge, habe sie keinen Zugang zu Bildung oder Gesundheitsversorgung, und ihre Einnahmen seien gegenüber den Kosten geradezu erbärmlich. "Genau hier zeigt sich die soziale Ungleichheit", sagt Zambrano.

Die Worte des Papstes sind für sie, wie für so viele Kolumbianer, Balsam für die Seele. "Hören Sie auf die Armen und die Leidenden", ermahnte der Pontifex die Politiker des Landes. "Durch sie lernt man wirklich Lektionen des Lebens, der Menschlichkeit und der Würde."