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Amerika

Kolumbien wendet sich an UN-Sicherheitsrat

Nach den Kriegsdrohungen des venezolanischen Präsidenten Chávez hat Kolumbien jetzt den UN-Sicherheitsrat angerufen. Weltweit hagelt es Kritik an Chávez. Der beteuert, er habe keinen Konflikt heraufbeschwören wollen.

Soldat durchsucht einen Motorfahrer (Foto: dpa)

An der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela kommt es zu Spannungen

Die kolumbianische Regierung hat sich Hilfe suchend an die UN gewandt. Man habe dem UN-Sicherheitsrat ein diplomatisches Schreiben zukommen lassen, erklärte das kolumbianische Außenministerium. Das Land fühlt sich von seinem Nachbarn Venezuela bedroht: Staatschef Hugo Chávez hatte Kolumbien vor einigen Tagen mit Krieg gedroht. Jetzt erklärte er allerdings, er habe keinen Konflikt heraufbeschwören wollen.

Streitpunkt Militärabkommen

Soldat vor einem Großbrand im Dschungel (Foto: dpa)

In Caliche, an der Grenze zu Venezuela, zerstört die kolumbianische Armee die Kokainproduktion (2006)

Anlass der Kritik Venezuelas an Kolumbien war ein Militärabkommen, dass die Regierung in Bogota mit den USA unterzeichnet hatte. Es räumt der Regierung in Washington das Recht ein, in den kommenden zehn Jahren bis zu 800 Soldaten und 600 Söldner auf sieben kolumbianischen Militärstützpunkten zu stationieren. Beide Seiten begründeten den Ausbau der Kooperation mit dem notwendigen Kampf gegen die Drogenkriminalität und die FARC. Kolumbien ist der wichtigste militärische Partner der USA in Lateinamerika und empfängt seit Jahren Militärhilfe in Milliardenhöhe.

Selbst in den USA ist die enge militärische Partnerschaft mit Kolumbien umstritten. Wiederholt hat der US-Kongress die Ausschüttung von Geldern verhindert, da Teilen der kolumbianischen Armee Menschenrechtsverletzungen nachgewiesen wurden.

Säbelrasseln aus Caracas

Chavez (Foto: dpa)

Neigt zu dramatischen Gesten: Hugo Chávez

Venezuela reagierte auf das Abkommen mit scharfer Kritik: Chávez fürchtet, dass die USA ihren Einfluss in Lateinamerika ausweiten wollen. Der beste Weg einen Krieg zu vermeiden sei, "sich darauf vorzubereiten" hatte daraufhin Chávez in seiner wöchentlichen Fernsehsendung "Aló Presidente" erklärt. Die Venezolaner seien bereit, so Chávez, ihr "heiliges Heimatland zu verteidigen". Er rief die Streitkräfte seines Landes dazu auf, sich für eine mögliche Konfrontation mit Kolumbien bereit zu halten.

"Nicht überschätzen"

Die Kriegsdrohungen von Chávez werden jedoch in der diplomatischen Welt nicht allzu ernst genommen: "Die Streitkräfte in Venezuela haben gar nicht die Kapazitäten für einen Militärschlag", sagte Markus Schultze-Kraft, Direktor des Lateinamerika-Programmes der International Crisis Group, im Interview mit DW-WORLD.DE. "Das ist zwar starker Tobak, aber man sollte die Kriegsdrohungen nicht überschätzen. Chávez will von seinen Problemen im Inland ablenken." Ähnlich äußerten sich die Kommentatoren diversen Tageszeitungen.

"Teil der Rhetorik unseres Kontinents"

Der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim betonte, die Drohungen nicht zu überschätzen: "Das ist Teil der Rhetorik unseres Kontinents", sagte er. "Wir sind überzeugt, dass alles im Dialog gelöst werden kann."

Die USA riefen Venezuela und Kolumbien zum Dialog auf. Außenamtssprecher Philip Crowley bezweifelte, dass es im Grenzkonflikt zwischen Kolumbien und Venezuela um US-Politik gehe. Die Spannungen würden aber aufmerksam beobachtet. "Wir ermutigen jeden Dialog und eine friedliche Lösung der Situation", sagte er. Ähnlich äußerte sich die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Auch die venezolanische Kirche rief im Grenzkonflikt zur Besonnenheit und Diplomatie auf: Es müsse einen anderen Weg aus der diplomatischen Krise geben, als die Kriegstrommeln zu schlagen, sagte der Vizepräsident der venezolanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Baltazar Porras Cardozo.

Ideologien treffen aufeinander

Die Präsidenten Hugo Chavez von Venezuela und Alvaro Uribe von Kolumbien umarmen sich (Foto: AP)

Chavez und Uribe zu besseren Zeiten (2007)

Die aktuelle diplomatische Krise ist nur die letzte Eskalation in einer langen Kette von Spannungen zwischen Venezuela und Kolumbien. Ein wichtiger Grund für die schlechten Beziehungen sind die starken ideologischen Unterschiede zwischen den beiden Regierungen.

Hugo Chávez regiert in Venezuela seit 1998 und gilt als Wortführer der lateinamerikanischen Linken. Gleichzeitig rüstet er sein Land auf und kaufte zuletzt russische Waffen für 1,5 Milliarden Euro.

Hugo Chávez sieht in der früheren engen Bindung seines Landes an die USA die Ursachen für viele soziale Fehlentwicklungen. Er ist ein notorischer Gegner jeglicher militärischer Präsenz der USA in Lateinamerika.

Die rechte Regierung in Kolumbien unter Präsident Álvaro Uribe setzt seit 2002 auf einen knallharten Wirtschaftsliberalismus und umstrittene militärische Lösungen im Kampf gegen die marxistische Guerilla und den Drogenhandel.

Lange Kette von Spannungen

Die Gegensätze äußerten sich in den letzten Jahren immer wieder in einer Reihe von Zwischenfällen und diplomatischen Zerwürfnissen. Chávez hat wiederholt die Vermutung geäußert, dass kolumbianische Spezialeinheiten und Paramilitärs auch auf venezolanischem Boden operieren. Uribe dagegen beschuldigt Venezuela, die marxistische Guerillaarmee FARC in Kolumbien zu unterstützen. Nach einem solchen Vorwurf hatte Chávez zuletzt Ende Juli seinen Botschafter aus Kolumbien vorübergehend abgezogen.

Schon seit der vergangenen Woche ist die 2000 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Staaten geschlossen, nachdem es zu mehreren Zwischenfällen kam, bei denen sowohl venezolanische als auch kolumbianische Staatsbürger getötet wurden. Der Konflikt legte den lebhaften Handel in den Grenzregionen weitgehend lahm. Im Jahre 2008 wurden dort fast fünf Milliarden Euro umgesetzt.

Autor: Anna Kuhn-Osius / Martin Heidelberger (mit dpa, afp, ap)
Redaktion: Oliver Pieper

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