Kolumbien setzt nach Anschlag Friedensgespräche mit ELN-Rebellen aus | Aktuell Amerika | DW | 29.01.2018
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Politik

Kolumbien setzt nach Anschlag Friedensgespräche mit ELN-Rebellen aus

Nach einem Bombenanschlag der Guerillaorganisation ELN auf eine Polizeiwache hat die kolumbianische Regierung die Friedensgespräche mit den linken Rebellen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. 

Gedenken an die getöteten Polizisten in Barranquilla (picture-alliance/dpa/colprensa/J. Manuel Cantillo)

Gedenken an die getöteten Polizisten in Barranquilla

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos lässt die Friedensgespräche mit der marxistischen Guerilla-Organisation ELN nach den jüngsten Anschlägen weiter ruhen. "Ich habe die Entscheidung getroffen, die fünfte Verhandlungsrunde auszusetzen, bis die Taten der ELN auch ihren Worten entsprechen", sagte Santos nach Beratungen mit dem Chefunterhändler der Regierung, Gustavo Bell. 

Die Verhandlungen waren Mitte Januar bereits vorübergehend gestoppt worden, nachdem die ELN noch vor dem Auslaufen der Waffenruhe einen Sprengstoffanschlag auf eine Ölpipeline verübt hatte. Die Wiederaufnahme der Gespräche war für die kommenden Tage geplant gewesen. 

Präsident Santos 2013 mit einer ELN-Kämpferin nach deren Waffenabgabe (picture-alliance/dpa/C.Escobar Mora)

Präsident Santos 2013 mit einer ELN-Kämpferin nach deren Waffenabgabe

Am Samstag waren bei einem Bombenanschlag in der nordkolumbianischen Hafenstadt Barranquilla, zu dem sich eine Stadtguerillagruppe der ELN bekannte, fünf Polizisten ums Leben gekommen und weitere 41 Menschen verletzt worden. Zudem gab es zwei weitere Attentate auf Polizeistationen in anderen Teilen des Landes, bei denen mindestens zwei weitere Menschen starben.

Der ELN-Vetreter Pablo Beltran vor Aussetzung der Gespräche am Verhandlungsort in Ecuador (picture-alliance/dpa/AP Photo/D. Ochoa)

Der ELN-Vetreter Pablo Beltran vor Aussetzung der Gespräche am Verhandlungsort in Ecuador

Politiker der rechtsgerichteten Opposition forderten derweil einen Abbruch der Gespräche und forderten Präsident Santos auf, "Entschlossenheit und Autorität" zu zeigen. Der rechtskonservative Ex-Präsident Alvaro Uribe, ein Kritiker der Friedensgespräche, schrieb auf Twitter: "Kolumbien braucht einen Präsidenten, der der erste Soldat ist und die Moral der Streitkräfte und das Vertrauen der Bevölkerung wieder herstellt."

Die Verhandlungen in Ecuador folgen dem Beispiel der Gespräche mit der größten Guerilla-Bewegung, der FARC, in denen sich die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos nach vierjährigen Verhandlungen Ende 2016 auf ein Friedensabkommen verständigen konnte. Bislang sind vier Gesprächsrunden absolviert.

Ermittler sichern nach dem Anschlag in Barranquilla Spuren(Getty Images/AFP/J. Torres)

Ermittler sichern nach dem Anschlag in Barranquilla Spuren

In dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Staat und Guerilla starben rund 300.000 Menschen; mehr als sieben Millionen wurden zu Binnenflüchtlingen. Die ELN ist die letzte aktive Guerillaorganisation in dem Land. 

Nach Schätzungen der kolumbianischen Behörden verfügt die ELN über eine Truppenstärke von 2500 Männern und Frauen und ist überwiegend im Osten des Landes aktiv. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen fast 7000 Morde, ebenso viele Entführungen, 3000 Fälle von Landvertreibung und etwa 1000 Zwangsrekrutierungen auf das Konto der marxistischen Gruppe. Sie wird zugleich für schwere Umweltzerstörungen durch mehr als 1300 Anschläge auf Öl-Pipelines verantwortlich gemacht. 

stu/uh (dpa, kna)

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