1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Kolumbien meldet Lebenszeichen von Geiseln

In Kolumbien gibt es zum ersten Mal seit Jahren Lebenszeichen der verschleppten Politikerin Ingrid Betancourt und anderer Geiseln. Das Land steckt seit Jahren in einem verheerenden Bürgerkrieg fest.

Ingrid Betancourt (AP Photo/Colombia's Presidency)

Freigegeben von der kolumbianischen Regierung: ein Foto der früheren Präsidentschaftskandidatin

Die Armee des Landes nahm drei Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) fest, bei denen sie insgesamt fünf Videobänder mit Beweisen fand, dass 16 Geiseln am Leben sind. Das teilte die Regierung am Freitag (30.11.2007) mit. Die Videos zeigten unter anderem Bilder von der früheren Präsidentschaftskandidatin Betancourt und von drei entführten US-Bürgern. Die Videos wurden ohne Ton auf einer Pressekonferenz gezeigt. Betancourt wirkt darauf mager und apathisch, sie ist offenbar gefesselt.

Andere Aufnahmen zeigen demnach gefangen gehaltene kolumbianische Polizisten, Politiker und Soldaten. Kopien der Videobänder sollen an die Regierungen Frankreichs und der USA geschickt werden. Außerdem plant Kolumbiens Regierung, sie zu veröffentlichen und den Familien der Geiseln zu übergeben.

Freude in Frankreich

Die insgesamt fünf Bänder seien bei der Festnahme von drei mutmaßlichen FARC-Mitgliedern am Donnerstag beschlagnahmt worden, sagte der kolumbianische Friedensbeauftragte Luis Carlos Restrepo. Ein Sprecher des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy erklärte, die Aufnahmen bewiesen, dass Betancourt noch am Leben sei. "Das ist der erste Lebensbeweis seit mehr als fünf Jahren", sagte David Martinon und forderte die FARC auf, ihre Geiseln freizulassen.

Ingrid Betancourt, die neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, war am 23. Februar 2002 im Präsidentschaftswahlkampf in einem von der FARC kontrollierten Gebiet 600 Kilometer südlich von Bogotá entführt worden. Es gab in den vergangenen Jahren nur sehr wenige Lebenszeichen von ihr.

Teils alte Aufnahmen

Die Aufnahmen Betancourts datieren nach kolumbianischen Angaben auf den 24. Oktober, die der Amerikaner stammen von Anfang des Jahres. Die Truppen hätten außerdem mehrere Briefe gefunden, die offenbar von den Geiseln geschrieben wurden, sagte Restrepo. Darunter sei einer von Betancourt an ihre Mutter, ebenfalls datiert auf den 24. Oktober.

Eine FARC-Kämpferin bewacht 242 Polizisten und Soldaten, die bei einem Kampf verhaftet und später wieder freigelassen wurden (AP Photo/Ricardo Mazalan)

Eine FARC-Kämpferin bewacht 242 Polizisten und Soldaten, die bei einem Kampf verhaftet und später wieder freigelassen wurden (Archiv-Foto)

Die FARC halten etwa 50 Geiseln zum Teil seit Jahren fest. Im Austausch für die Verschleppten verlangen die Rebellen die Freilassung hunderter inhaftierter Gesinnungsgenossen.

Gescheiterte Vermittlung

Ein Vermittlungsversuch des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez scheiterte, weil der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe Chávez am 21. November sein Mandat entzog. Uribe begründete seine Entscheidung damit, dass Chávez in den Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln seine Kompetenzen überschritten habe. Dabei verwies Uribe auf eine direkte Anfrage von Chávez beim kolumbianischen Armeechef Mario Montoya. Demnach bat Chavez um Informationen über die Geiseln. Dies habe gegen eine Vereinbarung verstoßen, wonach auf kolumbianischer Seite ausschließlich Uribe der Ansprechpartner für Chavez während der Verhandlungen sein sollte.

Chávez bemühte sich mehrere Monate um eine Vermittlung im kolumbianischen Bürgerkrieg. Noch einen Tag vor dem Ende seines Mandats hatte er ein Lebenszeichen von Betancourt in Aussicht gestellt. FARC-Chef Manuel Marulanda habe ihm das Lebenszeichen "bis Ende des Jahres" schriftlich versprochen, sagte Chávez laut Medienberichten nach einem Treffen mit Sarkozy in Paris.

Lesen Sie weiter: Die Hintergründe des Bürgerkriegs und der Entführungen.

Die Redaktion empfiehlt