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Amerika

Kolumbien braucht internationale Hilfe

Das Land erlebt zurzeit die heftigsten Regenfälle seit vierzig Jahren. Fast die Hälfte des Landes ist von den Folgen der Niederschläge betroffen. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen.

Männer schieben ein Auto durch die überfluteten Straßen von Yumbo in der Nähe von Cali (Foto: AP)

Land unter nach monatelangen Regenfällen in Kolumbien

Außenministerin María Angela Holguín hat sich in einer diplomatischen Note an alle ausländischen Botschaften in Bogotá gewandt und um humanitäre Hilfe gebeten. Nach Angaben der Ministerin sind 575 Gemeinden von den Folgen der Niederschläge schwer getroffen worden. Dies entspreche fast der Hälfte des Landes und übersteige die Kräfte Kolumbiens.

Das Land will bei der Weltbank einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Dollar beantragen, teilte Innenminister Germán Vargas Lleras mit. Das Geld solle in einen Hilfsfonds im angestrebten Gesamtumfang von 2,5 Milliarden Dollar für die mehr als 1,3 Millionen Flutopfer eingezahlt werden.

Opfer und Zestörungen

Nach Angaben des nationalen Amtes für Katastrophenschutz kamen bisher über 160 Menschen ums Leben. Mehr als 220 wurden verletzt und zwanzig Personen werden noch vermisst. Knapp 1800 Wohnhäuser seien zerstört, sowie etwa 230 000 Häuser und Wohnungen beschädigt worden. Diese Woche hatten bereits die Europäische Union 400 000 Dollar und Südkorea 200 000 Dollar Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Chiles Präsident Sebastián Piñera, der am Mittwoch (24.11.2010) zu einem Staatsbesuch kam, hatte 28 Tonnen Hilfsgüter im Gepäck.

Die kolumbianische Außenministerin María Angela Holguín (Foto: DW/E. Usi)

Aussenministerin María Angela Holguín - hier im Gespräch mit Präsident Santos - hat um internationale Hilfe gebeten

Die seit Monaten andauernden Regenfälle in Kolumbien sind die Folge des Wetterphänomens "La Niña" (das Mädchen), das alle paar Jahre auftritt. Vor der Pazifikküste Südamerikas strömt dabei kaltes Wasser aus der Tiefe nach oben. Dies führt in einigen Bereichen des Subkontinents zu Dürren, in anderen zu überdurchschnittlich hohen Regenmengen.

Noch monetalang Regen

Die Niederschläge werden nach Angaben von Meteorologen des kolumbianischen Instituts für Hydrologie, Meteorologie und Umweltstudien (IDEAM) noch bis März kommenden Jahres andauern. "Diese Regenzeit ist die bislang heftigste seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen in Kolumbien", so der Direktor des IDEAM, Ricardo Lozano.

Die Kaffeeindustrie und der Kohlebergbau zählen zu den am stärksten von den Unwettern betroffenen Wirtschaftszweigen Kolumbiens. In der wichtigsten Kaffeeanbauregion des Landes, der sogenannten Kaffee-Achse, werden die Niederschläge bis März 2011 zwischen dreißig und fünfzig Prozent über dem Durchschnitt liegen, so die Meteorologen.

Kaffeeexport eingestellt

Überflutete Fabrikhalle in Yumbo in der Nähe von Cali (Foto: AP)

In der Region um Cali haben die Überschwemmungen enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet

Auf den Kaffeeplantagen haben die monatelangen Niederschläge zu Pilzbefall, dem sogenannten Kaffeerost, geführt. Rund 300.000 Hektar, ein Drittel der gesamten Kaffeeanbaufläche Kolumbiens, ist von der Krankheit befallen. Hinzu kommen Transportschwierigkeiten aufgrund von Erdrutschen und zerstörten Straßen, die zu Lieferengpässen führen. Teilweise mussten die Bauern ihre Ernte auf Mauleseln über die zerstörten Straßen transportieren. Die Exporte aus der Region Antioquia nach China sind vorübergehend ganz ausgesetzt worden, nachdem eine Vertragskooperative ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllen konnte. In Antioquia werden knapp 17 Prozent des kolumbianischen Kaffees erzeugt.

Kolumbien ist der größte Produzent von hochwertigem Arabica-Kaffee. Aufgrund der Regenfälle hat das Land sein Produktionsziel für 2010 auf ungefähr neun Millionen Sack (à 60 Kilo) herunterschrauben müssen. Damit liegt der Ertrag aber immer noch über der Ernte von 2009, die mit 7,8 Millionen Sack Kaffee die schlechteste seit über dreißig Jahren war.

Der Klimawandel macht den kolumbianischen Kaffeebauern schon seit Jahren zu schaffen: extreme Dürreperioden und Starkregenphasen wie jetzt wechseln sich immer schneller ab, so dass Pilzbefall und andere Erkrankungen zunehmend häufiger auftreten und die Kosten für die Kaffeeproduktion in die Höhe treiben. Vor allem Kleinbauern und ökologisch wirtschaftende Kooperativen fürchten um ihre Existenz.

Autorin: Mirjam Gehrke (dpa/rtr)
Redaktion: Thomas Kohlmann