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Politik

Kolumbianische Politikerin entführt

Die Entführung eines Flugzeugs mit 26 Passagieren, unter ihnen Senator Jorge Grechem Turbay, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Armee hat vergangene Woche mit der Rückeroberung von Rebellen-Gebieten begonnen.

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Noch immer in den Händen der Guerrilla: Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt

Der kolumbianische Staatspräsident Andrés Pastrana beendete in der vergangenen Woche die Friedensgespräche mit der kommunistischen Guerrilla, den revolutionären Streitkräften Kolumbiens FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), die er für die Flugzeug-Entführung verantwortlich machte.

FARC entführt Präsidentschaftskandidatin

Am Freitag (22.02.) rückte die Armee in die bisherige Sicherheitszone der Guerrilla im Süden des Landes ein. Weitgehend kampflos eroberten die kolumbianischen Truppen die Hauptstadt der Zone, San Vicente del Gaguán. Die Guerrilleros hatten sich zuvor in die Umgebung der gebirgigen und unwegsamen Sicherheitszone in der Größe Dänemarks zurück gezogen. Dort ist sie weiter aktiv. So hat die FARC am Samstag die Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancurt entführt, die auf dem Landweg San Vicente del Caguán erreichen wollte. Die vor allem in Ecuador und Venezuela befürchtete Flüchtlingswelle ist bisher ausgeblieben.

Parlamentsabgeordnete und Vertreter der Justiz Kolumbiens unterstützten die Entscheidung Pastranas, den Friedensprozess zu beenden. Generalstaatsanwalt Luis Camilo Osorio kündigte an, dass der Staat in der ehemaligen Sicherheitszone wieder für Recht sorgen wolle: "Wir werden dort die Kriminalität bekämpfen und die Verbrechen untersuchen, die in dieser Sicherheitszone begangen wurden."

So warf die unabhängige Anti-Entführungs-Organisation Fundación País Libre der FARC vor, sie hätten etwa 1.000 der fast 2.700 Entführten der letzten drei Jahre in der Sicherheitszone gefangen gehalten.

Rückblick

Mitte der 60er Jahre hatten die FARC ihren Kampf gegen die Regierung begonnen. Die heute ca. 16.000 Mann starke Guerrilla war aus Selbstverteidungs-Gruppen von Bauern entstanden und wurde von Teilen der liberalen und der kommunistischen Partei unterstützt. Noch heute hat die FARC vor allem im ländlichen Raum Rückhalt.

Mit der Sicherheitszone hat sie nun eine wichtige Basis verloren, auf der die Guerrilleros sogar internationale Staatsgäste empfangen haben. Als Zeichen für die Rückkehr der staatlichen Autorität hisste Staatspräsident Andrés Pastrana am Samstag (23.02.) die Landesfahne in San Vicente del Caguán.

Die FARC hat den Spieß umgedreht

Während zu Beginn der Friedensverhandlungen 1999 noch ein Großteil der Kolumbianer die Gespräche Pastranas mit der Guerrilla unterstützten, drehte sich in den vergangenen Monaten die öffentliche Meinung. Die FARC hatte mit Anschlägen auf Gasleitungen, Ölpipelines und Wasserreservoirs den Friedensprozess unbeliebt gemacht.

Davon konnte besonders der unabhängige, liberale Kandidat für die Präsidentschaftswahlen am 29. Mai, Álvaro Uribe, profitieren. Er kritisiert seit langem die Regierung des konservativen Präsidenten Andrés Pastrana als zu nachgiebig. Im Fall eines Wahlsieges werde er härter mit der Guerrilla umgehen, kündigte Uribe Anfang Februar über den kolumbianischen Sender Radionet an: "Sie sollen ihre Gala-Uniformen zu Hause lassen. Denn meine Regierung wird die Zeremonien und die Cocktail-Empfänge beenden."

Präsident Pastrana darf übrigens laut der Verfassung Kolumbiens nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Unterstützung bekommt das kolumbianische Staatsoberhaupt aus den USA. Das Außenministerium will den Andenstaat mit Geheimdienstinformationen für den Kampf gegen die Guerrilla versorgen. Dazu sagte der Botschafter Kolumbiens in den Vereinigten Staaten, Luis Alberto Moreno: "In Zukunft müssen die kolumbianischen Streitkräfte Leben, Sicherheit und Besitz der Kolumbianer verteidigen können. Dazu sind wir auch alleine in der Lage, aber wir bitten die USA darum, dass sie uns dabei unterstützen."

Gespräche mit der Nationalen Befreiungsarmee

Während die Friedens-Verhandlungen zwischen der Regierung und der FARC-Guerrilla damit erst einmal beendet sind, gibt es weiter Gespräche mit der Nationalen Befreiungsarmee ELN (Ejército de Liberación Nacional), der zweitgrößten kommunistischen Guerrilla mit etwa 5.000 Kämpfern. Durch Vermittlung Cubas hatten sich Anfang Februar in La Habana Vertreter der kolumbianischen Regierung und der ELN in einem "Friedensgipfel" getroffen.

Das nächste Treffen sei für den 27. März in Genf geplant, erklärte der ehemalige kolumbianische Außenminister und Mitglied der Regierungsdelegation Augusto Ramírez der Nachrichtenagentur Reuters-ANSA. Eine weitere Verhandlungsrunde mit der ELN solle in Frankreich oder in Deutschland statt finden.

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