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Politik

"Koloniale Arroganz"

Der Blick in die arabischen Zeitungen vom Sonntag (6.4.2003) zeigt, dass die meisten Kommentatoren den Sieg der Alliierten bereits als vollendete Tatsache betrachten. Sie lenken den Blick auf die Nachkriegszeit.

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Die unabhängige libanesische Zeitung AN-NAHAR erwartet den Sturz von Saddam Hussein und den Beginn einer neuen Ära:

"Das Regime von Saddam Hussein wird gestürzt werden, ein Präzedenzfall für den Nahen Osten (...) Allerdings hatten wir gehofft, dass die Iraker selber ihn stürzen würden (...) Aber wenn der Sturz Saddams nicht zu einem fundamentalistischen Rückschlag führen soll, dann müssen die USA die israelischen Massaker gegen die Palästinenser stoppen und die Verhandlungen für einen Friedensprozess beschleunigen."

Die konservative saudische Zeitung OKAZ stellt Fragen über die Beziehungen eines Irak unter neuer Führung zu seinen Nachbarn:

"Was wäre, wenn der Krieg schon bald mit dem Sieg der Amerikaner und der Briten endete und wenn diese im Irak einen Staat nach ihren Vorstellungen gründeten? Neben der Frage nach dem Verhältnis der arabischen Länder und der Arabischen Liga zu dieser neuen Regierung stellt sich vor allem diese Frage: Wird die neue Regierung im Irak gezwungen werden, friedliche und besondere Beziehungen zu Israel zu unterhalten? USA und Großbritannien wollen schließlich Frieden für Israel schaffen."

Die regierungsnahe ägyptische Tageszeitung AL-AHRAM bezweifelt, dass eine neue Ordnung im Irak die Opfer rechtfertigen kann:

"Kein Argument für den Krieg kann die Zerstörung der irakischen Infra-Struktur und die Zahl der gefallenen Märtyrer, die duch die Bombardements gestorben sind, rechtfertigen. Irgendwann wird dieser Krieg enden und die Kämpfer werden in ihre Kasernen zurückkehren (...) Wer wird dann die Beziehungen zwischen arabischer und westlicher Welt wieder in Ordnung bringen, wer wird uns davon überzeugen, dass dieser Krieg ein Krieg für Befreiung und Aufbau war?"

Zum Schluß zitieren wir aus der regierungsnahen palästinensischen Zeitung AL-KUDS, die im alliierten Feldzug gegen Saddam Hussein nichts als Verblendung sieht:

"Die jetzige Offensive gegen den Irak ist ein schreiendes Beispiel für die koloniale Arroganz der USA (...) Diejenigen, die den Feldzug gegen das irakische Volk und den Irak führen, haben nichts aus der Geschichte gelernt (...) In erster Linie müssen sie begreifen, dass (...) auch die größte Macht nicht in der Lage ist, ein Volk zu unterwerfen, das schon beschlossen hat, sich zu befreien."

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