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Deutschland

Koizumi und Schröder sprechen über Oliver Kahn

Der japanische Premier Junichiro Koizumi ist seit Montag (18.8.) auf Europa-Reise. Erste Station war Berlin. Dort sprach er mit Kanzler Schröder nicht nur über den Irak und Nordkorea – auch Oliver Kahn war Thema.

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Fußball-Fans unter sich: Schröder und Koizumi

Männerfreundschaften entstehen oft beim Thema Fußball. Das ist auch beim japanischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Bundeskanzler nicht anders: Junichiro Koizumi betonte während seines Staatsbesuch in Berlin am Montag (18.8.2003), zwischen ihm und Gerhard Schröder gebe es seit vergangenem Jahr eine "feste Vertrauensbasis" – und bezog sich dabei auf den gemeinsamen Flug im japanischen Regierungsjet vom G-8-Gipfel aus Kanada zum Finale der Fußball-WM nach Tokio. Damit nicht genug: Koizumi outete sich auch noch als Fan des deutschen Nationaltorwarts. "Die Menschen in Japan waren während der Fußball-WM im letzten Jahr vor allem von Oliver Kahn sehr beeindruckt", sagte der 62-Jährige vor seinem Staatsbesuch der "Welt am Sonntag". "Und dabei bin ich keine Ausnahme."

Harmonie bei unterschiedlichen Meinungen

Koizumi begann in Berlin eine einwöchige Europareise, die ihn auch nach Polen und Tschechien führen wird. Schwerpunkte im Gespräch mit Schröder waren die Lage im Irak und in Nordkorea. Und dabei dürfen Schröder und Koizumi durchaus anderer Meinung sein, ohne dass die harmonische Privat-Atmosphäre des Besuches wesentlich gestört wird: Schröder sagte, was den Militäreinsatz angehe, hätten Deutschland und Japan weiter unterschiedliche Einschätzungen. Für den Bundeskanzler steht ein militärisches Engagement Deutschlands im Irak "nicht zur Debatte". Koizumi sagte dagegen, er werde in der nächsten Zeit erkunden, wo und unter welchen Bedingungen japanische Streitkräfte im Irak eingesetzt werden können. Einig waren sich aber beide, dass Wiederaufbau und humanitäre Hilfe vorangetrieben werden müssten.

Breiten Raum nahm bei den Gesprächen auch die Lage in Nordkorea ein. Schröder sagte, Deutschland unterstütze die japanischen Bemühungen, entführte japanische Bürger freizubekommen. Einig seien sich beide Seiten auch, dass das nordkoreanische Atomprogramm beendet werden müsse.

Zunehmendes Desinteresse an Deutschland

Doch nicht Weltpolitik, sondern auch das deutsch-japanische Verhältnis ist ein Hauptthema des zweiten Staatsbesuches in diesem Jahr. Das traditionell freundliche Verhältnis leidet an einem Generationenproblem. Das gegenseitige Interesse, so beklagen Diplomaten und Wirtschaftsleute beider Seiten, nimmt ab. "Eine weitgehend auf die USA orientierte junge Generation löst die sehr deutschfreundliche ältere ab", konstatiert der Berliner Botschafter in Tokio, Henrik Schmiegelow. Nachdem die Japaner Deutschland über Jahrzehnte Respekt und Bewunderung entgegengebracht haben, gerät es nun immer mehr aus der Mode. Jüngst zeigte eine Studie der größten japanischen Werbeagentur Dentsu, dass gleich mehrere Länder in der Gunst der Japaner weit höher liegen. Bei der Attraktivität europäischer Staaten landet Deutschland nur auf Rang vier hinter Italien, Frankreich und Großbritannien.


Koizumi und Schröder vereinbarten nun, den Austausch von jungen Wissenschaftlern stärker zu fördern. Zudem wollen die deutsche Regierung und die Wirtschaft den Trend zum Desinteresse mit einer Image-Kampagne stoppen. Für die Trendwende soll - eine Weltpremiere - ein Deutschland-Jahr in Japan 2005 sorgen. Bundespräsident Johannes Rau hat zusammen mit dem japanischen Kronprinzen die Schirmherrschaft für das Deutschland-Jahr in Japan übernommen. Dabei soll es eine große, landesweite Kultur- und Wirtschaftspräsentation geben, auf der Deutschland seine traditionellen Stärken zeigt. Aber auch das "andere", jüngere Deutschland soll präsentiert werden – angeblich wird über den Export der Berliner Loveparade nach Tokio nachgedacht.

Koizumi: Kahn-Bewunderer und Wagner-Liebhaber

Doch trotz Loveparade und Oliver Kahn stand am Abend das klassische Deutschland auf dem Programm: Ein gemeinsamer Besuch von Koizumi und Schröder bei den Bayreuther Festspielen mit einer Inszenierung von Wagners "Tannhäuser". Schröder erklärte, Koizumi sei ein großer Liebhaber von Wagner. Der Besuch bei den Festspielen zeige, dass die bilateralen Beziehungen über Politik und Wirtschaft hinausgingen. "Ich freue mich jedenfalls darauf", sagte der Kanzler. (sams)