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Politik

Koizumi sorgt für außenpolitische Spannungen

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat sich zum wiederholten Mal Ärger mit China und Südkorea eingehandelt. Der Grund: Sein Besuch des umstrittenen Yasukuni-Kriegsschreins, wo auch Kriegsverbrecher geehrt werden.

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Proteste gegen Koizumis Besuch

Der Besuch sei eine deutliche Provokation des chinesischen Volkes, sagte der chinesische Botschafter in Japan, Wang Yi. Koizumi untergrabe die bilateralen Beziehungen, sagte der Botschafter. Dafür müsse der japanische Regierungschef die historische Verantwortung tragen.

Kriegsverbrecher

Im Gegensatz zu früheren Besuchen betrat Koizumi nicht das Innere des Schreins. Beobachter werteten dies als Versuch, Kritiker zum Verstummen zu bringen. Der japanische Ministerpräsident hatte stets betont, die Besuche seien rein privat. Er bete in dem Schrein nur für Frieden und die Ehre der im Krieg Gefallenen. Außerhalb Japans gilt der Schrein, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden, als ein Symbol für die militaristische Vergangenheit Japans. Hier werden nicht nur 2,5 Millionen japanische Kriegstote, sondern auch 14 nach dem Zweiten Weltkrieg von einem internationalen Militärgericht als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilte Militärs verehrt.

Japaner in Cina sollen sich vorsehen

Koizumi verbeugte sich am Montag vor dem Schrein. Die Hände zum Gebet zusammengefaltet, stand er einen Augenblick lang schweigend da. Im Gegensatz zu früheren Besuchen trug er nicht traditionelle japanische Kleidung, sondern einen dunklen Mantel. Auch einen inneren Teil des Schreins betrat er dieses Mal nicht. Ohne Worte zu der wartenden Menge stieg er nach kurze Zeit später wieder in seinen Wagen.

Die japanische Botschaft in Peking wies Japaner angesichts der Spannungen inzwischen an, sich von Orten fern zu halten, an denen es möglicherweise zu anti-japanischen Demonstrationen kommen könnte.

Sorge um Handelsbeziehungen

Japan Premierminister Junichiro Koizumi am Yasukuni Schrein

Koizumi: Besuch sei rein privat

Investoren äußerten sich besorgt über mögliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen der zwei Länder. Japans Exporte nach China machen etwa 13 Prozent der gesamten Exporte aus. Das Handelsvolumen mit China beträgt etwa 212 Milliarden Dollar pro Jahr. Nach anti-japanischen Demonstrationen in China im April war der Nikkei-Index an der Tokioter Börse deutlich gesunken.

Symbol der imperialistischen Vergangenheit

Auch Südkorea protestierte gegen die Visite Koizumis am Schrein und berief den japanischen Botschafter in Seoul ein. Außenminister Ban Ki Moon äußerte sich enttäuscht. "Wir protestieren heftig gegen Koizumis Besuch im Yasukuni-Schrein, obwohl wir gebeten und stark darauf gedrängt haben, dass sich dies nicht wiederholt", sagte Ban dem Botschafter in Anwesenheit von Journalisten.

China und Südkorea protestieren regelmäßig gegen Koizumis Besuche am Schrein. Beide Länder waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Japan besetzt. Sie sehen in dem Heiligtum ein Symbol der imperialistischen Vergangenheit Japans und in den Besuchen des Regierungschefs eine Provokation.

Trotz seines deutlichen Siegs bei der Parlamentswahl im September ist auch die japanische Öffentlichkeit gespalten über Koizumis wiederkehrende Besuche des Schreins. Gerichte haben unterschiedlich beurteilt, ob diese gegen die verfassungsgemäße Trennung von Staat und Religion verstoßen. (chr)

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