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Wissen & Umwelt

Kohlköpfe auf dem Mond

US-Forscher bauen Gewächshäuser für den Weltraum. Damit die ersten dauerhaften Siedler auf dem Mond frisches Gemüse haben. "Kein Hirngespinst!", versichert Weltraumexperte Rupert Gerzer im Gespräch mit DW-Wissenschaft

Kohlkopf (Foto: picture alliance/Okapia)

Galaktisches Gemüse

DW-WORLD.DE: Herr Gerzer, für wie realistisch halten Sie die Pläne der amerikanischen Forscher, Gemüse auf dem Mond anzubauen?

Rupert Gerzer: Generell ist so etwas durchaus realistisch. Wenn man auf dem Mond eine Mondbasis hat oder auch lange auf einer Raumstation ist, dann wäre es günstig, das Essen selbst produzieren zu können oder wenigstens einen Teil davon. Weil es billiger ist, als es immer mitzubringen. Und wenn man später mal auf den Mars fliegt, dann ist es noch wichtiger, weil man dann bis zu anderthalb, zwei Jahre unterwegs ist. Es ist grundsätzlich so, dass auf der Internationalen Raumstation schon seit Jahren Mini-Gewächshäuser sind. Weil man herausfinden will, ob und welche Pflanzen da am besten wachsen.

Als Pionier-Pflanze wurde schon eine recht ungenießbare Kohlpflanze ausgeguckt, die bisher nur als Futtermittel für Tiere dient. Warum?

Grundsätzlich ist es so, dass man erst einmal auf der Raumstation konservativ guckt, was wächst in der Schwerelosigkeit überhaupt am besten. Nicht alle Pflanzen verhalten sich in Schwerelosigkeit so, wie wir uns das vorstellen. Da geht’s auch darum, welche sind am robustesten, auch wenn sie nicht immer optimal gepflegt werden.

Mit Kohl fängt es an: Vitamin C für Astronauten und Weltraum-Siedler

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Was heißt "wenn sie nicht immer optimal gepflegt werden"? Wer kümmert sich überhaupt um die Pflänzchen im Mondgarten - wer gibt ihnen Wasser?

Das Wasser ist im Augenblick nebensächlich. Das wird einfach zugefügt, gegossen. Das würde von Astronauten betreut werden.

Gehört ein grüner Daumen demnächst auch zu einer Grundvoraussetzung, um ins All geschickt zu werden?

Wir wissen von den Astronauten, dass die kleinen Pflanzen noch einen ganz anderen Effekt haben. Denn Astronauten sind in so einer Raumstation ja in einer hochtechnischen Umgebung und sehen nie natürliches Grün. Selbst Astronauten, die nie etwas mit Garten und Natur zu tun hatten, freuen sich dann wie die Schneekönige, wenn sie eine selbst gezüchtete Tomate essen können. Die lieben ihre Pflanzen! Es hat also auch einen zusätzlichen psychologischen Effekt.

Prof. Rupert Gerzer, Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR), Köln (Foto: DLR)

Prof. Rupert Gerzer, Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR), Köln

Wie ernst treiben die Amerikaner ihre Forschung voran?

Dass es eine Mondstation geben wird, ist selbstverständlich. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Die Amerikaner sagen, sie gehen auf den Mond, aber nicht um wieder eine Fahne hin zu pflanzen (lacht), sondern um auf dem Mond zu bleiben. Das ist das ganz klare Ziel der NASA. Sie wollen am Anfang die Technologie erproben, wie lande ich, wie komme ich sicher hin und zurück und dann wollen sie eine Mondstation bauen. Und da braucht man dann die Möglichkeit, Essen zu kultivieren.

Wenn die NASA dahinter steckt - wieso leitet ein privates Forschungsunternehmen, Paragon, den Bau der Gewächshäuser für den Mond?

Die Raumfahrt geht immer stärker in die Privatisierung, weil die privaten Unternehmer sehen, dass man da Geld verdienen kann. Auch in der bemannten Raumfahrt investieren immer mehr Unternehmer. Beispelsweise gibt es ja mehrere Firmen, die in den nächsten Jahren private Suborbital-Flüge anbieten werden, wo man bis zu 100, 120 Kilometer Höhe fliegt, wo man also noch nicht in die richtige Umlaufbahn fliegt. Das geht in den nächsten ein, zwei Jahren los, die Firma "Virgin Galactic" ist so ein Vorreiter. Und dann gibt es Firmen, die sagen, wir investieren jetzt in das Design einer kleinen Raumstation, da gibt es eine Firma "Bigelow", das ist ein Hotel-Tycoon aus Las Vegas, die will das erste Weltraumhotel bauen. Und das sind keine Hirngespinste, sondern die investieren einen Haufen Geld, ganz einfach weil sie Geld verdienen wollen.

Astronauten auf dem Mond (Foto: NASA)

Die NASA will wieder zum Mond. Astronauten sollen dort dauerhaft leben und arbeiten.

Und wie sieht es in Europa aus, wie in Deutschland?

Es gibt Institutionen in Deutschland, die darüber nachdenken, in diese Thematik einzusteigen. International ist es so, dass die ESA, die Europäische Raumfahrtorganisation, ein großes Projekt betreibt, das nennt sich Melissa-Projekt. Dort wird eben auch versucht, den Abfall, den der Mensch generiert, wieder zu rezirkulieren, damit da essbare Sachen rauskommen. Das Ganze hat ja nicht bloß Auswirkungen auf die Raumfahrt und auf die Astronauten, das kann man auch auf der Erde anwenden.

Wie sieht die Rechtslage aus - darf jeder auf dem Mond einfach Experimente durchführen oder ein Hotel bauen?

Weltraumrecht ist ein ganz wichtiges Thema. Der Mond wird auch immer wichtiger. Sie wissen ja, dass man sich im Internet Mondgrundstücke kaufen kann. Das gilt nach internationalem Recht nicht, weil der Mond nicht verteilt werden darf. Aber dafür gibt’s das Weltraumrecht. Ich denke immer, wenn es mal richtig ernst wird auf dem Mond, Land zu verteilen oder da Eigentum zu akquirieren, dann wird das Weltraumrecht noch einmal überarbeitet werden, weil das die Nationen dann sehr ernsthaft betreiben werden. Heutzutage steht der Mond für die Forschung offen, aber natürlich nicht, damit sich irgendwelche Länder irgendwelche Rechte sicher, das geht nicht im Augenblick.

Das Interview führte Ulrike Wolpers

Redakteurin: Judith Hartl