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Wissen & Umwelt

Kohler: "Effizienz-Standards für China"

Die Energiewirtschaft ist ein zentrales Thema der China-Reise von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Eine besondere Rolle spielt da die Deutsche Energie Agentur. Mit deren Chef Stephan Kohler sprach Matthias von Hein.

Deutsche Welle: China ist die Wachstumslokomotive der Welt. Das freut die deutsche Exportwirtschaft. Gleichzeitig ist China aber auch der größte CO2-Emittent. Und China braucht enorm viele Ressourcen für das Wirtschaftswachstum – auch Energieressourcen. Welche Rolle kann die DENA da spielen?

Stephan Kohler: Wir als Deutsche Energieagentur haben seit über zehn Jahren eine Kooperation mit China, insbesondere im Gebäudebereich. Alle zwei Jahre wird die Wohnfläche, die in Deutschland vorhanden ist, in China neu gebaut. Deshalb haben wir eine Kooperation im Bereich energieeffizientes Bauen. Jetzt haben wir unsere Kooperation auf das Thema Entwicklung von sogenannten "Eco-Cities" erweitert. Denn man sieht ja in China ein rasantes Wachstum von Millionenstädten, die innerhalb kürzester Zeit entstanden sind.

Drittens arbeiten wir mit der chinesischen Netzgesellschaft zusammen. In China wird stark in Photovoltaik und Windenergie investiert. Deshalb haben wir jetzt eine Kooperation, um Strom aus Photovoltaik und Windenergie intelligent ins Netz zu integrieren, weil wir da sehr viel Erfahrung aus Deutschland haben. Das Thema Energieeffizienz, regenerative Energiequellen spielt für uns und für China eine sehr wichtige Rolle. China hat erkannt: Wenn es den Weg weiter geht wie bisher, wird die Umweltverschmutzung Dimensionen annehmen, die für die Bevölkerung nicht mehr tragbar sind.

Gibt es schon Früchte der Zusammenarbeit beim energieeffizienten Bauen?

Wir haben für ganz China Effizienz-Standards für Neubauten entwickelt, und zwar auf Grund deutscher Erfahrungen. Diese Effizienz-Standards haben wir dem chinesischen Bauminister vorgestellt. Wir entwickeln jetzt für die drei Klimazonen in China im Norden, in der Mitte und im Süden konkrete Bauprojekte mit dem Hocheffizienz-Standard, der in etwa dem in Deutschland entspricht. Das erste Projekt weihen wir im Oktober 2014 ein. Die chinesische Regierung, insbesondere das Bauministerium, hat großes Interesse daran, dass dieser Standard jetzt landesweit gesetzt und bei Neubauten umgesetzt wird.

In Deutschland befinden wir uns mitten in der Umsetzung der Energiewende, einem Prozess, der im Inland sehr kritisch betrachtet wird. Wie sehen denn die Chinesen die Umsetzung der Energiewende in Deutschland?

Die Chinesen interessiert natürlich sehr stark, wie Deutschland die Energiewende organisiert, wie die Umstrukturierung unserer Energiewirtschaft vonstatten geht und wie wir die intelligente Integration von Photovoltaik und Windenergie vorantreiben.

In China werden mehr Photovoltaikanlagen hergestellt werden als irgendwo sonst auf der Welt. Aber bei der Installation hinkt China deutlich hinter dem kleinen Deutschland hinterher. Was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe?

Bisher war Photovoltaik nicht im Fokus bei der chinesischen Energiepolitik. Das hat sich geändert. Nachdem die Europäische Kommission Importzölle für chinesische Solarmodule erhoben hatte, hat die chinesische Politik reagiert und die staatlichen Rahmenbedingungen, also auch die Förderbedingungen in China verbessert. Damit erhalten die chinesischen Unternehmen, die bisher sehr erfolgreich in Europa waren, einen Heimatmarkt, um den Absatzrückgang in Europa auszugleichen.

Deshalb rechnen wir damit, dass neben der Windenergie – China ist der weltgrößte Windenergiemarkt – jetzt sehr schnell auch die Photovoltaik größere Bedeutung bekommen wird. Deshalb interessiert sich China natürlich dafür, wie es diesen Strom intelligent ins Netz integrieren kann. Momentan können ungefähr 30 Prozent der Windstromproduktion in China nicht genutzt werden, weil die Netze nicht zur Verfügung stehen, weil die entsprechende Infrastruktur fehlt.

Wenn in China das Interesse an erneuerbaren Energien und Energieeffizienz so groß ist: Welche Chancen ergeben sich daraus für die deutsche Wirtschaft?

Die deutsche Wirtschaft hat hier einen hochinteressanten Markt vor sich, sie hat es mit Partnern zu tun, die interessiert sind. Und ich betone noch mal: Natürlich ist auch in China Klimaschutz ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vorrangig ist aber in China die örtliche Umweltverschmutzung. Allein im Jahr 2012 gab es ungefähr 80.000 Protestbewegungen in Ortschaften und Regionen gegen die Umweltverschmutzung. Hier findet die deutsche Wirtschaft ein Betätigungsfeld. China steht wahnsinnig unter Druck. Deutsche Unternehmen haben die Technologien, um diese Umweltbelastungen durch Energieeffizienz und regenerative Energiequellen zu vermeiden.

Das Gespräch mit Stephan Kohler fand im September 2013 statt.