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Politik

Kofi Annan: Vom Wunschkandidaten zur Zielscheibe

In New York übergibt der UNO-Generalsekretär Kofi Annan die Amtsgeschäfte an Ban Ki Moon. Annan kann insgesamt auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken. Klaus Dahmann zieht Bilanz.

Porträt Kofi Annan (Quelle: AP)

Er war der erste schwarze Afrikaner auf diesem Posten

Der Wunschkandidat der USA - das war er einmal. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Kofi Annan hat der amerikanischen Regierung die Stirn geboten. Und hat dafür heftige Hiebe aus Washington einstecken müssen.

Diese Erfahrung hatte schon sein Vorgänger Boutros Boutros-Ghali gemacht: Der Ägypter war der damaligen US-Regierung so unbequem geworden, dass man in Washington nach einem Pflegeleichteren suchte. Nach einem, der sich mehr auf die eigentlichen Aufgaben eines Generalsekretärs beschränken würde. Kofi Annan schien der passende Kandidat zu sein: ein Afrikaner, weil Afrika nach UN-Logik weiter an der Reihe war, den Generalsekretär zu stellen, und kein profilierter Politiker, sondern ein Bürokrat. Und die USA setzten sich tatsächlich durch: Annan bekam den Posten.

Großer Wandel

Bei seinen Untergebenen hatte der neue Generalsekretär von Anfang an einen Bonus: Annan hatte sich von der untersten Ebene der Weltorganisation hochgearbeitet - erstmals war also einer der ihren in den 38. Stock des UN-Hauptquartiers am East River eingezogen. Und auch ansonsten machte der Ghanaer in den ersten Jahren eine gute - sprich: repräsentative und zugleich ungefährliche - Figur.

In diese Rolle fügte sich Annan jedoch bald nicht mehr. Im Vorfeld

des Irak-Kriegs widersprach er vehement der These der US-Regierung, dass Saddam Hussein nachweislich über Massenvernichtungswaffen verfüge. Ein Affront - und auch ein Grund dafür, dass die Kritiker der Weltorganisation in Washington die Oberhand gewannen: Nicht nur, dass die US-Regierung die UNO wieder als überflüssig schalt und erneut drohte, den Geldhahn zuzudrehen.

Kleine Reformen

Man fand auch – passenderweise - mit den Veruntreuungen beim

Öl-für-Lebensmittel-Programm für den Irak einen Skandal, der die

Organisation bis zum Büro des Generalsekretärs erschütterte. Dass selbst sein Sohn Kojo vermutlich in die Machenschaften verwickelt war, traf Annan besonders hart. Auch wenn man dem Generalsekretär kein persönliches Verschulden nachweisen konnte, fiel doch ein dunkler Schatten auf ihn.

Seine Verdienste: Annan hat die Weltgemeinschaft auf Millenniumsziele eingeschworen, mit denen Armut und Krankheiten wie AIDS bekämpft und für mehr Bildung gesorgt werden soll. Und er hat großen Anteil daran gehabt, dass zumindest eine kleine Reform der Organisation durchgesetzt wurde: Vor allem der neue Menschenrechtsrat als Nachfolger der ineffizienten Menschenrechtskommission und die Peacebuilding-Kommission, die vor allem langfristige Stabilisierungsprozesses begleiten soll, waren wichtige Schritte.

Seinem Nachfolger Ban Ki Moon hat Annan mit auf den Weg gegeben, ein Generalsekretär müsse ein dickes Fell haben. Das wird der frühere südkoreanische Außenminister brauchen - es sei denn, er geht jedem möglichen Konflikt mit Washington prinzipiell aus dem Weg. Dann aber wäre er nicht der Richtige für diesen Job.

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