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Asien

Kochen für einen Hungerlohn

Sie stehen hinter dem Herd, brutzeln chinesische Spezialitäten, 90 Stunden die Woche. Über 1000 chinesische Köche haben in den vergangenen zehn Jahren in deutschen China-Restaurants angeheuert - und wurden ausgebeutet.

Chinessinnen vor einem Wok (Foto: dpa)

Chinesische Köche arbeiten oft 90 Stunden pro Woche für 600 Euro

Es war alles legal: Das deutsche Visum, der deutsche Arbeitsvertrag. Eine Vermittlungs-Firma - drei in Deutschland lebende Chinesen - hatte chinesischen Köchen Stellen in deutschen China-Restaurants vermittelt. Allerdings sitzen die drei Geschäftsleute seit März in Untersuchungshaft. Der Grund: Sie hatten den chinesischen Köchen zwar legale Papiere besorgt. Aber was danach passierte, das war alles andere als legal. Bei einer Razzia in der vergangenen Woche durchsuchten deutsche Polizei- und Zollfahnder rund 180 China-Restaurants.

Geheimverträge regeln die Bedingungen

Asiatinnen vor Essens-Stand (Foto: Maria Bakkalopulo)

Chinesische Spezialitäten werden in Deutschland oft unter unmenschlichen Bedingungen zubereitet

Teilweise schufteten die chinesischen Köche dort für unter drei Euro die Stunde, sagt Frank Federau vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Lohn und Arbeitszeit wurden nämlich nicht durch die legalen Verträge geregelt: "Es wurde immer ein Erstvertrag ausgestellt. Der wurde dazu verwendet, dass man das Visum bekommt - also die Einreisegenehmigung. Und dann gab es noch einen Geheimvertrag."

Darin wurden interne Abmachungen festgehalten, die die tatsächlichen Löhne und Arbeitszeiten enthielten. Diese entsprachen nicht den tariflichen Bedingungen. Durch die Geheimverträge verpflichteten sich die Köche auch, hohe Provisionen an die Vermittlungsagenturen zu zahlen, sobald sie eine Stelle als Koch in Deutschland erhalten haben.

Für die Vermittlungsgebühr legen Dörfer zusammen

Mann schleppt Getreide (Foto: dpa)

Viele Chinesen vom Land träumen von einem Job als Koch in Deutschland und zahlen hohe Vermittlungsgebühren

"Zuerst muss man sich bewerben. Nach der Bewerbung muss man etwa 5000 chinesische Yuan, umgerechnet 500 Euro, bezahlen", erzählt ein chinesischer Koch, der seinen Namen nicht nennen möchte. Es sei eben eine Art Kaution. "In Deutschland gibt es dann jemanden, der in den China-Restaurants nachfragt, ob Personal benötigt wird. Wenn ein Restaurantbesitzer einen dann einstellt, muss man wieder eine Zahlung leisten. 20.000 Yuan, also 2000 Euro. Erst wenn Du alles bezahlt hast, kannst Du ins Ausland."

Bis zu 6000 Euro können so zusammenkommen. Teilweise legen die Bewohner kleiner chinesischer Dörfer Geld zusammen, um einen Mann ins Ausland schicken können. Sie hoffen dann natürlich, dass derjenige ihnen dann regelmäßig Geld schickt. "Ich lebe hier in Deutschland sehr bescheiden", erzählt der chinesische Koch. " Das ganze Geld, das ich hier verdiene, geht an meine Familie in der Heimatprovinz."

Von den Vermittlungsagenturen abhängig

Das Geschäft mit den Spezialitätenköchen läuft gut. Insgesamt gibt es in China 25 offizielle Vermittlungsagenturen, die chinesische Köche in die ganze Welt vermitteln. Sie haben ihre Büros nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Japan.

Jin Jianshu besitzt ein China-Restaurant in Bonn. Mittlerweile sei eine Abhängigkeit von den Vermittlungsagenturen entstanden, sagt er. "Vor 1998 konnten sich chinesische Gastronomen noch ihre Köche in China aussuchen. Seit 1998 gibt es in Deutschland eine Bestimmung: Wenn man einen Koch aus China nach Deutschland holen möchte, muss dies über eine Vermittlungsagentur geschehen.“

Gastronomen fürchten Imageverlust

Aus Angst, die Arbeit im Ausland zu verlieren, machen die chinesischen Köche dann alles, arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen. Manche Restaurantbesitzer wissen dies auszunutzen. Jin Jianshu distanziert sich von solchen Praktiken. "So eine große Aktion mit so vielen Beamten wird Auswirkungen haben auf unser Geschäft - auch durch die Berichterstattung in den Medien. Es gab schon Gäste, die gefragt haben, ob die Polizei auch hier gewesen sei." Die Konkurrenz unter den China-Restaurants wird immer größer. Viele Restaurantbesitzer locken ihre Gäste mit Billig-Menüs. Sie versuchen, sich gegenseitig zu unterbieten. Den Preis für das billige Essen müssen dann andere bezahlen.

Autor: Chi Viet Giang

Redaktion: Miriam Klaussner