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Antisemitismus

Knobloch regt Antisemitismusbeauftragten an

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, unterstreicht eine Forderung, die schon mehrfach erhoben worden war. Jüngste antisemitische Vorfälle gäben Anlass zur Sorge.

"Insbesondere ein im Kanzleramt angesiedelter Antisemitismusbeauftragter wäre das ersehnte Signal, dass die jüdischen Menschen mit ihren Sorgen und Warnungen ernst genommen werden und dass der Judenhass nicht allein als Problem der jüdischen Bürger erkannt wird - sondern als Problem der Gesamtgesellschaft", sagte Knobloch (Archivbild) auf der Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau.

Jüdische Organisationen und Gemeinden fordern seit längerem einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Auch eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hatte dies vor wenigen Tagen angeregt.

"Politik - und Zivilgesellschaft sind gefordert"

Knobloch beklagte einen zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. "Es macht mich wütend, dass jüdische Menschen gut 70 Jahre nach dem Holocaust wieder Opfer von Ausgrenzung und Anfeindung werden." Zudem warnte sie in deutlichen Worten vor dem Erstarken rechter Parteien und Gruppierungen - und ihrer Ansicht nach verharmlosenden Formulierungen wie "rechtspopulistisch". "Nationalismus bleibt Nationalismus. Antisemitismus bleibt Antisemitismus. Rassismus bleibt Rassismus - das blaue Deckmäntelchen kann den braunen Kern der AfD nicht verdecken." Blau ist die Grundfarbe im Parteilogo der Alternative für Deutschland (AfD).

Von Politik und Zivilgesellschaft forderte sie mehr Engagement und Ehrlichkeit im Umgang mit dem erstarkenden Antisemitismus. Aus der Geschichte zu lernen, bleibe die Aufgabe der Menschen von heute, so Knobloch weiter, die auch Beauftragte des World Jewish Congress für das Holocaustgedenken ist. In diesen Jahren, in denen es immer weniger Zeitzeugen als "Säulen der Erinnerung" gebe und in denen sich das Schicksal Europas entscheide und auch die Bundesrepublik vor zentralen Weichenstellungen des 21. Jahrhunderts stehe, wünsche sie sich mehr Mut. Nötig sei mehr Leidenschaft für "Einigkeit und Recht und Freiheit".

Das Konzentrationslager Dachau war am 29. April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit worden. In dem ersten großen, dauerhaft angelegten KZ der Nazis waren von März 1933 an insgesamt mehr als 200.000 Menschen inhaftiert.

cgn/jj (dpa, epd, kna)