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Wirtschaft

Knoblauch: Gesund aber oft geschmuggelt

Die Einfuhr von Knoblauch ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Kein Wunder: Die weiße Knolle schmeckt und ist gesund. Aber unabhängig davon eignet sich Knoblauch auch als Hauptfigur in einem Krimi.

Knoblauch am Stand von Fermin Montaner am Kölner Großmarkt (Foto: DW / Susanne Schäfer)

Knoblauch am Kölner Großmarkt

Dilaver Keskin (Foto: DW / Susanne Schäfer)

Dilaver Keskin: "Knoblauch geht das ganze Jahr"

Während es draußen erst langsam hell wird, ist im Kölner Großmarkt schon einiges los. Gabelstaplerfahrer transportieren Obst und Gemüsekisten durch die Gänge. Darin auch weiße Knoblauchknollen. Dilaver Keskin ist Verkäufer am Stand der Firma "Fermin Montaner". Bei ihm kaufen Gemüsehändler, Restaurantbesitzer und Marktbeschicker ihre Waren und Zutaten. Anders als Erdbeeren oder Spargel ist Knoblauch keine Saisonware, Keskin bietet ihn das ganze Jahr an.

Wenn die weißen Knollen bei ihm am Stand liegen, haben sie schon eine weite Reise hinter sich. Die Kisten stammen aus Frankreich, Spanien, Italien und Argentinien. Aber die allermeisten Knoblauchknollen werden in China produziert. 18.000 Tonnen Knoblauch! So viel wurde 2009 über die deutsche Grenze eingeführt. Das sind 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

Ausländer verbrauchen doppelt so viel

Knoblauch am Stand von Fermin Montaner am Kölner Großmarkt (Foto: DW / Susanne Schäfer)

Die weiße Knolle wird in der Gastronomie immer beliebter

Diese Zahlen verleiten zur These, Knoblauch sei bei den Deutschen immer beliebter geworden. Michael Koch, Marktanalyst von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft aus Bonn, kann das nicht unbedingt bestätigen: "Die Zahlen, auf die wir zurückgreifen können, deuten nicht darauf hin, dass die privaten Verbraucher mehr Knoblauch eingekauft haben. In den vergangenen Jahren stagniert der private Verbrauch bei etwa 200 Gramm je Haushalt und Jahr."

Seine Datenbasis sind die Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung. Daraus ergibt sich auch, dass in einem Ausländerhaushalt etwa die doppelte Menge Knoblauch verwendet wird. Was ist nun aus der These geworden, Knoblauch sei bei den Deutschen auf der Beliebtheitsskala gestiegen? Die muss nicht falsch sein, sagt Michael Koch, denn "es ist durchaus möglich, dass Knoblauch heute in der Gastronomie mehr verwendet wird als in der Vergangenheit."

Das bestätigt Jürgen Keller. Er ist seit 30 Jahren Koch und Küchenchef im Kaiserhof in Siegburg. Fast alle seiner Salatsoßen würzt er mit Knoblauch. Trotzdem laufen ihm die Gäste nicht davon, denn er hat beobachtet, dass sich der Geschmack der Deutschen verändert hat. "Die Angst, nach Knoblauch zu riechen, ist gewichen. Wir können heute auch im Business-Bereich Lammrücken mit Knoblauch würzen und viel Knoblauch einsetzen, was vor zehn, fünfzehn Jahren kaum möglich war."

Gut für Herz und Kreislauf

Jürgen Keller, Küchenchef im Kaiserhof in Siegburg Foto: DW / Susanne Schäfer)

Küchenchef Jürgen Keller: "Die Angst vor dem Geruch ist weg"

Dass Knoblauch nicht nur schmeckt, sondern zudem auch sehr gesund ist, wussten schon die alten Römer. Den wissenschaftlichen Beweis lieferten Forscher aber erst 2007. Der Biologe David Kraus, Professor an der Universität von Alabama in Birmingham in den USA erklärt: "Wenn man den Knoblauch isst, landen seine Substanzen zunächst im Verdauungstrakt und dann im Blutkreislauf. Hier treffen sie auf rote Blutkörperchen, und im Inneren der Blutkörperchen entsteht Schwefelwasserstoff. Der kommt in Kontakt mit den Innenwänden der Blutgefäße und löst einen Reiz aus, der dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße entspannen."

Der Schwefelwasserstoff macht den Knoblauch also so gesund. Er weitet die Gefäße und wirkt blutdrucksenkend. In der Apotheke, Drogerie oder beim Discounter bieten viele Firmen heute Knoblauchpräparate an. Aber hier ist die Geschichte vom Knoblauch noch nicht zu Ende. Geschmack und gesundheitsfördernde Wirkung hin oder her, der Knoblauchhandel eignet sich auch für einen Krimi. "Wir haben Erkenntnisse, dass gerade Knoblauch geschmuggelt wird", berichtet Axel Hirth vom Zollfahndungsamt Hamburg. "Knoblauch wird oft falsch deklariert. Dadurch sollen die anfallenden Abgaben so gering wie möglich gehalten oder ganz umgangen werden."

Stoff für einen Zoll-Krimi

Knoblauch am Stand von Fermin Montaner am Kölner Großmarkt (Foto: DW / Susanne Schäfer)

Größter Knonblauch- Produzent ist die Volksrepublik China

Knoblauch gedeiht zwar auch in deutschen Gärten, aber die größte Menge wächst in China. Dort wird er sehr günstig produziert. Dieser frische Knoblauch aus China unterliegt in der EU hohen Zöllen. Um die zu umgehen, wird dann auch mal gerne ein anderes Herkunftsland angegeben, "oder er wird einfach als getrocknet angemeldet, was einen anderen Zollsatz zur Folge hat", sagt Zollfahnder Hirth. Das lohnt sich für die Schmuggler, denn pro Container können rund 24.000 Euro an Abgaben illegal eingespart werden. Den Europäischen Steuerzahlern entsteht so ein jährlicher Schaden in Millionenhöhe.

Für die, die dem Knoblauch immer noch skeptisch gegenüber stehen, hat der Siegburger Koch Jürgen Keller übrigens einen Tipp parat: "Immer frischen Knoblauch verwenden, egal ob roh oder gebraten, denn dann ist der Geruch deutlich angenehmer. Wenn Knoblauch in Öl angeschwitzt wird, riecht man danach nicht so stark."

Autor: Susanne Schäfer

Redaktion: Rolf Wenkel

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