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Fokus Osteuropa

Knin: Im Krieg umkämpft – im Frieden vergessen?

Die Stadt Knin war Mitte der 90er Jahre für die Kroaten ein Symbol des Kampfes um die Unabhängigkeit ihres Landes. Heute ist Knin verarmt und von den Hauptverkehrsadern abgeschnitten.

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Knin, die Stadt im Abseits

Kroatien war praktisch geteilt, als die aufständischen Serben vor 14 Jahren Knin, die Hauptstadt der von ihnen ausgerufenen unabhängigen serbischen Republik Krajina, verbarrikadierten. Erst als die kroatischen Truppen den Aufstand niederschlugen und Knin einnahmen, galt Kroatien als vereint. Knin und seine Burg gingen als Symbol des Unabhängigkeitskampfes der Kroaten in die Geschichtsbücher ein.

Böse Zungen behaupten, die Stadt werde noch einmal militärisch abgeriegelt. Dies würde verkehrstechnisch kaum auffallen, weil Knin inzwischen von den Hauptverkehrsadern abgeschnitten ist. Mit dem Bau der Autobahn Zagreb-Split, die Knin umgeht, ist die Stadt in eine Randlage geraten. Sie hat auch längst ihre Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt verloren. Investoren kommen daher kaum noch in die Region. Sie gilt als verarmt.

Kein Interesse an Rückkehr

Das Hauptproblem ist die Arbeitslosigkeit. Zwar verweist die Stadt Knin darauf, dass die Zahl der Arbeitslosen mittlerweile rückläufig sei. Dies bedeutet aber nicht, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die statistischen Daten werden besser, weil viele Menschen abwandern. Gerade junge Leute verlassen Knin auf der Suche nach einer Beschäftigung.

Ihre Eltern waren einst als Kriegsflüchtlinge aus Bosnien nach Kroatien gekommen auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Die viel beschworene und auch von der internationalen Gemeinschaft geforderte Rückkehr dieser Flüchtlinge in ihr Heimatland ist jedoch nicht realistisch. Die junge Generation identifiziert sich mittlerweile mit Kroatien und nicht mit den elterlichen Wurzeln in Bosnien.

Schwindende Zahl der Serben

Die aus Bosnien geflohenen Kroaten besiedeln die Stadt nun praktisch im Ausgleich zu den aus Kroatien geflohenen Serben. Aber auch hier sei nicht damit zu rechnen, dass die Serben noch an einer Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern und Großväter interessiert wären, sagt der Vorsitzende des Serbischen Demokratischen Forums, Jovan Tisma. Er erinnert daran, dass vor dem Krieg in der gesamten Stadt und im Landkreis Knin mehr als 40.000 Serben lebten, heute seien es nur noch 5.000 bis 6.000 – überwiegend ältere Leute. Und die Zukunftsaussichten sind Tisma zufolge nicht rosig: „Ich glaube, dass sich ihre Zahl halbieren wird, wieder und immer wieder.“

Jüngste Stadt Kroatiens

Die politische Beteiligung der Serben in Knin leidet ebenfalls unter den ungünstigen demografischen Bedingungen. Die serbischen Parteien hätten bei den letzten Kommunalwahlen schlecht abgeschnitten, sagt Tisma und erklärt, „die alten Leute sterben und somit gibt es immer weniger Wähler.“

Bei den aus Bosnien geflohenen Kroaten hingegen gibt es keine Probleme beim Nachwuchs. In demografischer Hinsicht ist Knin die jüngste Stadt in Kroatien. Jedes Jahr werden 250 bis 300 Kinder geboren. In der 17.000-Einwohner-Stadt gibt es 6500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Autoren: Goran Vezic / Mirjana Dikic

Redaktion: Bernd Johann

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