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Asien

Knifflige Beziehungen: Südkorea - China - Nordkorea

Alle Staaten Nordostasiens haben in jüngster Zeit die Regierungen gewechselt. Wenn Südkoreas neue Präsidentin Park jetzt nach Peking reist, wird Pjöngjang als unsichtbarer Dritter mit am Tisch sitzen.

Park Geun-hye bei ihrer Ankunft in Peking (Foto: REUTERS/Kim Kyung-Hoon)

China Besuch Südkorea Präsidentin Park Geun-hye

Dass sich Theorie und Praxis nicht immer unter einen Hut bringen lassen, lässt sich sehr schön an den Beziehungen Pekings zu den beiden Staaten auf der koreanischen Halbinsel ablesen. Zur Theorie: Nordkorea sollte eigentlich der engste Verbündete Chinas sein. Beide Staaten sind seit über 50 Jahren durch ein Freundschaftsabkommen verbunden. Das verpflichtet sie im Konfliktfall  zu gegenseitigem Beistand. Ein derart weitgehendes Abkommen hat Peking bislang mit keinem anderen Staat getroffen. In der Praxis aber hat Peking mit seinem eigenwilligen "Bruderstaat" vor allem eines: Ärger. Zuletzt wurde Chinas Regierung durch den nordkoreanischen Atomwaffentest vom 12. Februar brüskiert. Die Führung in Pjöngjang ignorierte alle Appelle Pekings von den Tests abzusehen.

Ganz anders gestaltet sich das Verhältnis von China zu Südkorea. Erst 1992 haben Seoul und Peking ihre Beziehungen normalisiert. In den gerade mal zwei Jahrzehnten seither ist Südkorea zum drittgrößten Handelspartner Chinas aufgestiegen. Umgekehrt ist der große Nachbar sogar Seouls größter Handelspartner. Ein Viertel der südkoreanischen Exporte geht nach China. Gemeinsam mit Japan wird über die Bildung einer Freihandelszone verhandelt.

Daniel Pinkston, Korea-Experte der International Crisis Group (ICG), sieht die Volkswirtschaften Chinas und Südkoreas eng verzahnt. In Nordost-Asien gebe es mehrere sogenannte "globale Zulieferketten". Viele Produktionsprozesse seien global verteilt, die Hersteller angewiesen auf Zulieferung von Teilen aus anderen Staaten. "Diese Integration macht alle Staaten und Firmen anfällig für Unterbrechungen dieser Produktionsform. Das schafft für alle Seiten starke Anreize, die wirtschaftliche Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten," erläutert Pinkston im Gespräch mit DW.DE. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye wird von einer großen Wirtschaftsdelegation nach Peking begleitet. Die Verzahnung beider Volkswirtschaften wird also noch verteift werden.

Parks "Vertrauenspolitik"

Raketenstarts in Nordkorea (Foto: KCNA)

Nordkorea lässt im Januar die Muskeln spielen

Bezüglich der Sicherheitslage wird bei den Gesprächen zwischen Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Südkoreas Präsidentin Park das wichtigste Thema Nordkorea sein. Park hat eine Neuausrichtung der Politik Seouls gegenüber Pjöngjang eingeleitet. In Peking wird sie Gelegenheit haben, ihre "Vertrauenspolitik" zu erläutern.

Im Kern will die "Vertrauenspolitik" dem Norden aus einer Position militärischer Stärke Dialogangebote unterbreiten. Für den Koreaexperten Pinkston läuft Parks Politik auf eine "wie du mir, so ich dir"-Linie heraus. "Sie hat gegenüber Nordkorea sehr deutliche Signale gegeben: Wenn Nordkorea kooperiert, wird der Süden auch kooperieren. Sollte der Norden aber kriegerisch und unkooperativ auftreten, wird Südkorea entsprechend reagieren", so Pinkston. Angesichts der wachsenden Frustration Pekings über die Alleingänge Pjöngjangs wird Präsidentin Park möglicherweise versuchen, über China Druck auf Nordkorea auszuüben.

Ungenutztes Druckpotential

Chinas Präsident Xi Jinping (Foto: REUTERS/China Daily)

Xi Jinping nennt Südkoreas Präsidentin eine "alte Freundin des chinesischen Volkes"

Schließlich ist Nordkorea wirtschaftlich weitgehend abhängig von China: 70 Prozent seines Außenhandels wickelt Nordkorea über China ab. Aus China stammen bis zu 90 Prozent der Öllieferungen, 80 Prozent der Konsumgüter, 45 Prozent der Nahrungsmittel. Dennoch zeigt sich Cai Jian, Korea-Experte an der Shanghaier Fudan Universität, skeptisch. Im Interview mit DW.DE erkennt Cai das Druckpotential dieser Abhängigkeit durchaus an. "Aber Peking wird sich zurückhalten, dies als Druckmittel einzusetzen", betont Cai. Denn Chinas strategisches Interesse bestehe in der Erhaltung des status quo auf der koreanischen Halbinsel. "China will nicht so viel Druck ausüben, dass der Norden instabil wird oder gar kollabiert", erläutert der Koreaexperte aus Shanghai.

Umgang mit Flüchtlingen

Präsidentin Park wird in Peking ein weiteres heikles Thema ansprechen müssen: Die zwangsweise Rückführung nordkoreanischer Flüchtlinge aus China. Zurück in Nordkorea warten auf sie harte Strafen: Lagerhaft, Folter oder auch die Hinrichtung. Früher habe China die Flüchtlinge aus Nordkorea weiter ziehen lassen - über Südostasien nach Südkorea, erklärt Cai Jian. Das habe Pjöngjang sehr verärgert. Daher habe China der Forderung Pjöngjangs entsprochen und begonnen, die Flüchtlinge zurückzuschicken. Das Problem ist aber, dass diese Menschen in China nicht als politische Flüchtlinge gelten. Daniel Pinkston von der ICG verweist auf ein bilaterales Abkommen Pekings mit Pjöngjang: Demzufolge werden Nordkoreaner, die illegal nach China gelangen, als Wirtschaftflüchtlinge betrachtet und zurückgeschickt. Eine Lösung sieht Pinkston nicht: "Sie werden sich darauf einigen, uneins zu sein."

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