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Kultur

Kniefall vor dem Osmanischen Reich

Jahrhunderte hatten Sachsens Könige im Osmanischen Reich Prunkwaffen und Kunstwerke eingekauft. Doch kriegsbedingt verschwand ihre Sammlung. Glanzvoll ist Dresdens "Weltkültürerbe" nun wieder auferstanden.

Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/David Brandt

Noch ist alles ruhig im Dresdner Schloss. An der Pforte zum Taschenbergpalais lärmen die ersten Besucher des "Grünen Gewölbes", Dresdens berühmter Schatzkammer. Doch die erhält nun Konkurrenz von Schätzen, die bisher in den Depots schlummerten. Mehr als 70 Jahre nach ihrem Verschwinden aus der Öffentlichkeit wird die einstige "Türckische Cammer" der sächsischen Kurfürsten wieder auferstehen. "Die Räume sind sehr dunkel. Aber gerade das kommt den Stücken sehr zu Gute, die ja viele Edelsteine und versilberte, vergoldete Oberflächen haben." Noch einmal begutachtet Chefrestaurator Andreas Frauendorfer die Gruppe lebensgroßer Pferde mit ihrem prächtigen Zaumzeug, die die Besucher empfangen werden, sobald sich am 07. März die Türen für die Öffentlichkeit öffnen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gezeigt

Eine mit prunkvollem Zaumzeug geschmückte Pferdeplastik ist in der Türckischen Cammer Foto: Ralf Hirschberger

Eine mit prunkvollem Zaumzeug geschmückte Pferdeplastik in der "Türckischen Cammer"

"Die Türkische Cammer war die exotische Sammlung der Kurfürsten von Sachsen", erklärt Oberkonservator Holger Schuckelt. "Viele Stücke beschafften sich Sachsens Herrscher in Istanbul direkt vom Sultan. Und schließlich folgte unter August dem Starken auch die Blütezeit der Türkenmode hier in Sachsen. Somit gelangten auch zahlreiche Textilien und Kaftane in die Sammlung." Zahlreiche Stücke verbrannten 1945 in den Bombenangriffen der Alliierten und den verheerenden Feuern. Doch zahlreiche haben die Wirren der Zeit überstanden. 600 der prächtigsten werden nun auf 750 Quadratmetern erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Welche Wunder die Restauratoren vollbringen mussten, kann nur erahnen, wer das Herz der Ausstellung betritt – ein fast 6 Meter hohes und über 20 Meter langes osmanisches Prunk-Zelt. "Als ich das Zelt das erste Mal sah, wusste ich vor Schreck nicht, was ich mir zuerst ansehen sollte, so desolat war der Zustand. Sechs Jahre haben wir an seiner Restaurierung gearbeitet", erklärt Restauratorin Friederike Ebner von Eschenbach.

Neun Millionen Euro für die Restaurierung

Das 20 Meter lange osmanisches Staatszelt aus dem 17.Jahrhundert Foto: Ralf Hirschberger

Das 20 Meter lange osmanische Staatszelt aus dem 17.Jahrhundert

In Spitzenzeiten arbeiteten allein 35 Restauratorinnen daran, dem Zelt seinen alten Glanz zurückzugeben. "Als es noch in voller Pracht war, kam man in ein Paradies. Auf dunkelrotem über und über mit leuchtenden Stickereien verzierten Grund blitzten kleine goldene Lederpailletten", begeistert sich Friederike Ebner von Eschenbach. Die Besucher werden nicht glauben, dass sie in einem Zelt stehen, das älter als 300 Jahre ist. Mit diesem Zelt besitzt die "Türckische Cammer" als weltweit einzige Sammlung ein Objekt, das den Höhepunkt der türkischen Textilkunst des 17. Jahrhunderts darstellt. Die Ausstellungsmacher wollen den Blick aber auch auf die frühen kulturellen Verbindungen zwischen Europa und der Türkei lenken, erklärt Direktor Dirk Syndram: "Die Türckische Cammer verleiht dem Dresdner Schloss eine neue Qualität.

Kunsthandel mit den Türken

Die Ausstellung zeigt höfische Repräsentation auf eine Weise, wie sie es nirgendwo in Europa erleben können. Sie zeigt, dass die Begegnung der Kulturen damals eben nicht nur auf Schlachtfeldern stattfand. Dass die Verbindung zwischen osmanischer und europäischer Kultur viel tiefer und enger waren, als bisher angenommen." Tatsächlich sind viele Objekte keine Beutestücke, sondern Ergebnis gezielter Ankäufe der sächsischen Kurfürsten und ihrer hohen Wertschätzung türkischen Kultur und Handwerkskunst im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts. So schlägt die "Türckische Cammer" mit dem deutsch-türkischen Werbeslogan des "Weltkültürerbes" zugleich eine Brücke bis zum Bosporus.

Autor: Mirko Schwanitz
Redaktion: Sabine Oelze

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