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Sprachbar

Knie

Knie sind verletzungsanfällig: Das Gelenk kann sich entzünden, die Kniescheibe rausspringen, und ein Kreuzbandriss führt zu einer langen Verletzungspause. Als Fußballer kann man da schon mal weiche Knie bekommen.

"Der Körper – ein Spruchbeutel". Unter dieser Überschrift erschien in der Zeitschrift "Praxis der Psychomotorik" im Februar 1997 ein Aufsatz von Rupert Schoch. Untertitel: "Psychomotorisches im Volksmund". In der Tat: Da läuft uns die Laus über die Leber, wir bekommen einen dicken Hals, die Angst sitzt uns im Nacken; es ließen sich noch viel mehr Beispiele anführen, wie der menschliche Körper in unserer Sprache in solchen redensartlichen Ausdrücken gewissermaßen gegenwärtig ist.

Spitze, knochige und runde Knie

Thema des Stichworts dieser Woche ist das Knie. Es gibt sprachlich gesehen wenig zum Thema Psychomotorik her, ist aber weit mehr als nur das Wort für den vorderen Teil des Kniegelenks mit der Kniescheibe. Natürlich ist Knie nicht gleich Knie. Was die Formgebung betrifft, so gibt es spitze, knochige und runde Knie. Das ist aber nur eine grobe Einteilung.

Das Knie hat außer seiner rein anatomischen Funktion ganz offensichtlich noch eine andere. Es befördert offensichtlich Zwischenmenschliches und steht auch im Dienste der – wie wir heute ganz modern sagen – nichtverbalen Kommunikation. "Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?", fragt das Mädchen im Schlager von 1925 seinen Tanzpartner; und wer wüsste nicht, was es heißt, unterm Tisch sein Knie an ein anderes zu drücken und das Herz schneller klopfen zu spüren, wenn der Druck erwidert wird! Weiche Knie kann man da kriegen vor lauter Aufregung!

Weiche Knie

Da haben wir's wieder mit der Psychomotorik: Bei Erregung, großer Aufregung und vor allem bei Angst werden die Knie weich. Sinngemäß. Man droht umzukippen, weil die Knie einknicken, Schwächegefühl stellt sich ein; gar eine Ohnmacht dann. Etwas ganz anderes ist es, wenn man mit durchgedrückten Knien dasteht, fest auf dem Boden, breitbeinig. Das ist eine Körperhaltung, die kombiniert mit verschränkten Armen und in den Nacken geworfenem Kopf nicht nur Stärke und Furchtlosigkeit demonstrieren soll, sondern auch einschüchtern kann, ja mitunter sogar einschüchtern soll.

Militärische Ausbilder geben sich gern so. Das soldatische Knie wird nicht weich und schlottert auch nicht, selbst wenn es knietief im Schlamassel steckt. Genauso verhält es sich mit dem Knie des Feindes. Es dauert deshalb im Allgemeinen ziemlich lange, bis der eine den anderen in die Knie gezwungen hat. Das ist natürlich sinnbildlich gemeint. Der jeweilige Feind geht natürlich nicht in die Knie, beugt nicht das Knie, er wird unterworfen. Sein Widerstand wird gebrochen. Statt jemanden "in die Knie zwingen" kann man auch sagen "auf die Knie zwingen". Es soll schon vorgekommen sein, dass Menschen auf den Knien liegend andere um Gnade und Verschonung bitten, einen Kniefall machen. Man nennt die Entfernung vom Boden bis zum Knie eines stehenden Menschen auch Kniehöhe. Da enden die Kniestrümpfe und beginnen die Kniebundhosen.

Knie nieder!

Sitzen muss der Mensch allerdings dann, wenn er einen meist sehr viel jüngeren, aber vor allem körperlich schwächeren Menschen übers Knie legen will, um ihm mit der Hand oder einem Stock Schläge aufs Gesäß zu geben. Auch wenn es darum geht, etwas übers Knie zu brechen, müssen die Knie oder zumindest eines gebeugt sein. Dünnes Holz, das rasch zerkleinert werden soll, wird übers Knie gebrochen und nicht zersägt.

Gleich lange Teile können so natürlich nicht entstehen. Etwas übers Knie Gebrochene lässt stets den Eindruck von Ungenauigkeit, Flüchtigkeit und unnötiger Hast aufkommen. Im übertragenen Sinn bedeutet "übers Knie brechen" etwas voreilig und unüberlegt tun; statt sich in das Problem reinzuknien, das heißt, sich mit aller Kraft einer Aufgabe und/oder der Lösung eines Problems zu widmen.

Knien: ein Zeichen der Demut

Die Tatsache, dass der Mensch sich auf einem oder beiden Knien niederlassen kann, hat sprachgeschichtlich dazu geführt, dass es ein Verbum gibt, welches diese Fähigkeit bezeichnet: "knien". Menschen knieten und knien als Zeichen der Demut und Ehrerbietung vor Kaisern, Königen und hohen kirchlichen Würdenträgern. Und überall auf der Welt knien die Menschen, ob mit gefalteten Händen, mit gebeugtem Oberkörper oder mit ausgebreiteten Armen, wenn sie ihren Gott anrufen, wenn sie beten.

Fragen zum Text

Wann bekommt man weiche Knie?

1. bei großer Anstrengung

2. bei Trauer

3. bei Erregung, großer Aufregung und bei Angst

Was bedeutet übers Knie brechen im übertragenen Sinn?

1. etwas voreilig und unüberlegt tun

2. etwas nach reiflicher Überlegung tun

3. etwas sehr langsam tun

Warum knien Menschen vor hohen Würdeträgern nieder?

1. als Zeichen der Überheblichkeit

2. als Zeichen der Demut und Ehrerbietung

3. als Zeichen der Selbstherrlichkeit

Arbeitsauftrag

Vor wem würden Sie niederknien, um so Ihre Hochachtung vor der- oder demjenigen zu zeigen? Begründen Sie Ihre Entscheidung.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Hannah Grimm

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