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Aktuell Europa

Knappes Wahl-Rennen in Serbien

In Serbien haben die Wähler in großer Zahl ihre Stimmen für Parlament und Präsident abgegeben. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Tadic und Herausforderer Nikolic ab.

Zahlreich sind die Serben am Sonntag in die Wahllokale geströmt, um ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Beteiligung war mit 32 Prozent nach Angaben von Wahlbeobachtern so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Damals hatten demokratische Kräfte den inzwischen verstorbenen Staatschef Slobodan Milosevic entmachtet.

Die Serben hatten die Wahl zwischen dem nationalistischen Kandidaten Tomislav Nikolic und dem proeuropäischen Amtsinhaber Boris Tadic (Artikelbild). Beide lieferten sich bis Wahlschluss um 20.00 Uhr ein Kopf-an-Kopf-Rennen und zeigten sich siegesgewiss. Nach Umfragen wird das bisherige Parteienbündnis unter Führung der Demokraten (DS) des langjährigen Staatschefs Boris Tadic auch wieder die neue Regierung bilden.

Wegen des vermutlich knappen Endergebnisses bei der Präsidentschaftswahl wird erwartet, dass es eine Stichwahl am 20. Mai geben wird.

Nikolic wählt mit seiner Frau in einem Wahllokal (Foto: dapd)

Tomislav Nikolic ist guter Dinge bei der Wahl

Serbien voranbringen wollen alle

"Serbien wartet ungeduldig auf die Veränderungen, die notwendig sind", sagte der 60-jährige Nikolic, der Vorsitzende der Serbischen Fortschrittspartei (SNS). Er rechne damit, dass spätestens nach der Stichwahl in zwei Wochen offen über den künftigen Kurs des Landes diskutiert werden könne.

Sein Rivale, der 54-jährige Tadic, kündigte an, dass er sich im Falle eines Sieges seiner Demokratischen Partei rasch um die Bildung einer neuen Regierung kümmern wolle. "Ich rechne damit, dass Serbien seinen Weg der Reformen fortsetzen wird."

Europakurs wichtiges Thema

Bei den Wahlen in Serbien geht es insbesondere um den Europakurs des Landes. Tadic hat sich für eine rasche Aufnahme Serbiens in die Europäische Union ausgesprochen. Nikolic sagte, er wolle das Land sowohl "im Westen als auch im Osten" verankert sehen. Allerdings solle Serbien kein EU-Mitglied werden, wenn die Union verlange, dass das Land seinen Anspruch auf Kosovo aufgebe.

Nikolic beschreibt sich selbst als proeuropäisch. Beobachter in Serbien und im westlichen Ausland haben jedoch daran Zweifel geäußert. Noch vor wenigen Jahren erklärte der Politiker, er wolle Serbien lieber als russische Provinz sehen denn als EU-Mitglied. Die schwierige Wirtschaftslage im Euroraum hat den Wunsch der Serben nach einem baldigen Beitritt zur Union zudem abkühlen lassen.

Versprechen über Arbeitsplätze und Investitionen

Auch die Sozialpolitik und die darbende Wirtschaft spielten eine große Rolle im Wahlkampf. Die serbische Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 24 Prozent. Nikolic versprach daher Arbeitsplätze, finanzielle Sicherheit und Auslandsinvestitionen in Milliardenhöhe.

In letzten Umfragen lagen die Nationalisten knapp vorn. Tadic verlor wegen der schlechten Wirtschaftslage und grassierender Korruption an Zuspruch. Allerdings haben die Demokraten bessere Chancen, kleinere Parteien für eine Koalitionsregierung für sich zu gewinnen - genau wie bei der letzten Wahl vor vier Jahren.

nis/pg (dpa, dapd)