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Sport

Knapper geht´s nicht

Am 21. Oktober 1984 wurde Niki Lauda zum dritten und letzten Mal Formel-1-Weltmeister. Es war ein denkwürdiger Erfolg. Am Ende reichte dem Österreicher ein halber Punkt Vorsprung zum Titel.

Niki Lauda in seinem WM-McLaren 1984 (AP)

Niki Lauda in seinem WM-McLaren 1984

Wer wird Weltmeister? Zum 15. Mal in der Geschichte der Formel 1 sollte die Frage der Fragen im Motorsport an diesem 21. Oktober 1984 erst im letzten WM-Lauf beantwortet werden. Wer macht das Rennen: Der Franzose Alain Prost oder doch der Österreicher Niki Lauda?

Die gesamte Saison über lieferten sich die beiden Fahrer von McLaren ein spannendes Stallduell. Zusammen gewannen sie 12 der insgesamt 16 Rennen. Vor dem letzten Lauf der Saison, dem Großen Preis von Portugal in Estoril, tippten fast alle auf Prost als neuen Weltmeister. Der Franzose hatte die eindeutig besseren Karten. Er startete von Platz zwei ins Rennen, Lauda nur von Position elf.

Alain Prost und Niki Lauda bei der Siegerehurng 1984 (AP)

Alain Prost gewann 1984 in Hockenheim (mi.). Den WM-Titel holte sich am Ende aber Niki Lauda (li.)

Schlechte Ausgangslage, tolle Aufholjagd

"Es wird sehr sehr schwer werden für Niki Lauda. Er darf einen Platz schlechter liegen, als Alain Prost, dann ist er Weltmeister. Wird Prost Vierter, kann Lauda sogar ausfallen, dass ist hier die Situation", rechnete der Radioreporter seinen Zuhörern vor.

Und dann ging es los. Die Ampeln sprangen auf Grün, die Motoren jaulten, die Reifen quietschten. Das große Rechnen begann. Andreas Nikolaus "Niki" Lauda fuhr gut, behielt die Nerven und kämpfte sich Rang um Rang nach vorn. Er wollte sich nach seinen beiden Weltmeistertiteln mit Ferrari 1975 und 1977 ein drittes Mal die Formel-1-Krone aufsetzen. Es sollte die Krönung seines Comebacks werden. Er wollte einmal mehr allen zeigen, was er drauf hat.

Lauda verunglückt 1976 auf dem Nürburgring. Helfer räumen auf der Strecke auf (AP)

Unvergessen: Lauda verunglückt 1976 auf dem Nürburgring

Nach seinem schweren Unfall am Nürburgring 1976, bei dem Lauda schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten hatte und zeitweise im Koma lag, hatten ihn schon einige Formel-1-Experten abgeschrieben, doch Lauda wurde schon in der folgenden Saison Weltmeister. Dann trat er 1979 zurück, baute eine Fluglinie, die "Lauda Air" auf.

Nie auf der Pole - aber Weltmeister

1982 stieg der immer authentisch wirkende Österreicher dann wieder in der Formel 1 ein – nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen. In seinem McLaren war er sofort wieder konkurrenzfähig. Zwei Jahre nach seinem Comeback wollte er nun den Titel - und er holte ihn. Alain Prost gewann das Rennen, aber Lauda hatte sich von Rang elf auf Platz zwei vorgearbeitet und konnte somit seine Führung im Gesamtklassement mit einem halben Punkt Vorsprung verteidigen.

Es war die knappste Entscheidung in der Geschichte der Formel 1. Eine weitere Besonderheit: Der Österreicher war erst der zweite Formel-1-Fahrer, der den Titel holte, ohne auch nur ein einziges Mal die Pole Position erreicht zu haben. Das schaffte vor ihm nur der Neuseeländer Denis Hulme 1967.

Ungewollte Popularität

Portraitbild: Niki Lauda trägt seine rote Mütze (AP)

Gewohntes Bild: Lauda und sein Markenzeichen - die rote Mütze

"Die einzige Motivation, die ich habe, ist die Sensation in diesen Autos zu fahren, sie zu entwickeln. Solange diese Freude da ist, werde ich weiter fahren. Wenn die nicht mehr da ist, wird mir das Risiko zu groß und dann werde ich aufhören", sagte Lauda. 1985, ein Jahr nach seinem WM-Titel, war es dann soweit – Lauda hörte endgültig auf. Die Freude war offenbar verflogen, auch weil der Stress immer größer geworden war. "Ich hasse die Popularität. Man büßt die persönliche Freiheit komplett ein. Man kann sich im Grunde nicht mehr so bewegen und geben, wie man es am liebsten tun würde. Immer wird man irgendwie beobachtet. Das stört mich persönlich wahnsinnig." Jetzt beobachtet er selbst. Lauda kommentiert die Rennen der Formel 1 im Fernsehen.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion:Wolfgang van Kann

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