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Aktuell Deutschland

Knapp 2000 Iraker seit Herbst freiwillig heimgekehrt

Unzufrieden mit Deutschland: Fast 2000 Iraker sollen seit vergangenem Herbst wieder ausgereist sein. Unterdessen hat sich die Lage in den Erstaufnahmeeinrichtungen wegen gesunkener Flüchtlingszahlen etwas entspannt.

Check-in-Schalter der Iraqi Airways im Berliner Flughafen Tegel (Foto: dpa)

Check-in-Schalter der Iraqi Airways im Berliner Flughafen Tegel

Seit September haben 1970 nach Deutschland geflohene Iraker die Bundesrepublik freiweillig wieder verlassen. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf einen Bericht des "Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration" deutscher Behörden (GASIM), der vertraulich gestempelt ist und aus diesem Monat stammt. Nach den Gründen für die Ausreise befragt, gaben Iraker demnach an, dass sich die Versprechen von Schleusern nicht erfüllt hätten.

"Häufig wurde die Unzufriedenheit über die Unterbringung, fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die daraus resultierende finanzielle Situation sowie die schleppende Abarbeitung des Asylbegehrens zum Ausdruck gebracht", zitiert die "WamS" aus dem dem Bericht. Aber auch familiäre Gründe, etwa eine bevorstehende Hochzeit in der Heimat, seien angeführt worden.

Positiver Bescheid, negative Erfahrungen

Die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt am Main und München verzeichneten seit Herbst vergangenen Jahres einen deutlichen Anstieg der freiwilligen Ausreisen von Irakern. Sie kehrten meist mit Linienflügen der Iraqi Airways zurück.

"Häufig wurden bei der Ausreise die gestellten Asylbegehren zurückgezogen", heißt es im GASIM-Papier laut der Zeitung weiter. Es schließe mit der Prognose: "Die Unzufriedenheit der Migranten könnte dazu führen, dass weiterhin irakische Staatsangehörige freiwillig die Bundesrepublik Deutschland verlassen."

Derzeit erhielten 88 Prozent der Iraker einen positiven Bescheid als Asylbewerber, berichtet die Zeitung weiter. 2015 seien mehr als 121.000 Iraker in den Bundesländern untergebracht worden. Damit lag der Irak nach Syrien und Afghanistan bundesweit auf dem dritten Platz der Hauptherkunftsländer von Asylantragstellern.

Unterkünfte vielerorts halbleer

Derweil hat sich wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen im Winter die Lage in den Erstaufnahmeeinrichtungen entspannt: In mehreren Bundesländern seien sie nicht einmal zur Hälfte belegt, meldet die "Welt am Sonntag". Dies habe eine Umfrage bei den zuständigen Ministerien ergeben. In Sachsen werden demnach nur 25 Prozent der Plätze genutzt. In Thüringen liegt die Auslastung bei 33 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 40 und in Schleswig-Holstein bei 46 Prozent.

Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg (Archivbild: dpa)

Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg (Archivbild)

Andere Länder meldeten hingegen, dass ihre Kapazitäten weiterhin nahezu komplett ausgelastet seien, berichtet die "WamS". Dazu gehörten Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt.

Anstieg erwartet

Sachsens Innenministerium berichtete der "Welt am Sonntag", die Zahl der Neuankömmlinge in den landeseigenen Einrichtungen sei zuletzt deutlich zurückgegangen, was aber auch an einer Aufteilung der Geflüchteten auf die Kommunen liege. Weil die genaue Entwicklung der Flüchtlingskrise kaum prognostiziert werden könne, sollen die aktuell rund 20.000 Erstaufnahmeplätze in Sachsen zunächst erhalten bleiben.

Niedersachsen registrierte seit Jahresbeginn täglich etwa 390 Asylsuchende, im November waren es noch 1900. Hier sind allerdings die Kapazitäten noch zu 81 Prozent ausgelastet. Auch aus dem Integrationsministerium in Rheinland-Pfalz, wo die Erstaufnahmeeinrichtungen derzeit zu 63 Prozent belegt sind, heißt es, dass die Flüchtlingszahl durch die kalte Jahreszeit "deutlich gesunken" sei.

Die meisten Länder bereiten sich laut "WamS" auf einen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahl im Frühjahr vor, zehn von ihnen wollen sogar mehr Plätze schaffen. Eine Reduzierung sei in keinem Land geplant.

stu/as (afp, dpa, kna)

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