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Politik & Gesellschaft

Kluge Köpfe aus dem Kongo

Was verbindet die deutsche Stadt Würzburg mit der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa? Sehr viel! Denn die Universität Würzburg pflegt enge Kontakte nach Afrika. Ein neues Band haben nun die Juristen geknüpft.

Tor zum im Innenhof der Juristischen Fakultät Würzburg (Foto: DW)

Juristische Fakultät der Uni Würzburg

Aktenordner, Unterlagen und Gesetzestexte liegen neben dem PC, an der Wand hängen Lehrpläne. Auf dem kleinen Sitzungstisch stehen Kaffeetassen, eine Tüte Milch und eine Tüte Croissants. Es sieht nach Arbeit aus in der kleinen Denkerzelle.

Koordinieren für den Kongo

Yves Manzanza an seinem Arbeitsplatz in Würzburg (Foto: DW)

Yves Manzanza, Juristische Fakultät Würzburg

Hier, im dritten Stock des mächtigen Renaissance-Baus aus dem 16. Jahrhundert, der die juristische Fakultät an der Universität Würzburg beherbergt, arbeitet Yves Manzanza seit einigen Monaten. Derzeit ist er vor allem damit beschäftigt, das Projekt zu koordinieren, in dessen Rahmen er als erster von – so hofft er - vielen Studenten aus dem Kongo nach Deutschland gekommen ist. Der Arbeitsrechtler möchte in Würzburg promovieren, um dann als Professor in den Kongo zurückzugehen.

Gute Gesetze, schlechte Umsetzung

Yves Manzanza im Innenhof der juristischen Fakultät Würzburg (Foto: DW)

Im Innenhof der Fakultät

Der Kongo habe eigentlich ein tolles Rechtssystem, so Manzanza. Das Problem liege eher bei der mangelnden Umsetzung der Gesetze. Daher brauche man Leute, die bereit sind, Dinge zu verändern und helfen, einen Rechtsstaat aufzubauen. Dann könne man die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Lage verbessern, davon ist Manzanza überzeugt. Sehr konzentriert und ernsthaft formuliert Manzanza auf Deutsch, einer Sprache, die er erst vor einem Jahr angefangen hat zu lernen. Der 28-jährige Jurist möchte an den Reformen in seinem Land mitwirken, als Professor an der Universität Kikwit Studenten ausbilden. Schon jetzt, sagt er, gebe es sehr motivierte Studenten im Kongo.

Allerdings seien die Studienbedingungen schwierig. Die Gebäude in Kinshasa seien alt, kaputt und schlecht ausgestattet. Ein anderes großes Problem, so Yves Manzanza, sei das Internet: sehr langsam und nicht stabil.

Mehr als akademische Kooperation

Karin Linhart am Arbeitsplatz (Foto: DW)

Engagierte Projektleiterin: Karin Linhart

Das Ziel dieses Projekts ist zum einen der Austausch unter Akademikern, erklärt Karin Linhart. Die 38-jährige Juristin vergleicht seit Jahren Rechtsordnungen verschiedener Länder, sie forscht und lehrt in dem Bereich. Die hochgewachsene Wissenschaftlerin strahlt Temperament aus und zugleich Pragmatismus, Bürokratie und Theorie scheinen für sie ein notwendiges Übel zu sein. Karin Linhart leitet das Projekt und geht in dessen Rahmen auch vor Ort auf die Suche nach jungen Talenten, die sie in Deutschland fördern will, wie Yves Manzanza.

Nachwuchsförderung in Kinshasa und in Würzburg

Würzburg im Morgenlicht (Foto: picture-alliance/dpa)

Würzburg

Manchmal finde man solche Talente unter den Assistenten der kongolesischen Professoren, manchmal beim Gespräch nach einer Lehrveranstaltung, beschreibt Karin Linhart. Dann sehe man auch, dass jemand förderungswürdig ist, weil er zum Beispiel richtig gut englisch könne und auch ansonsten interessiert und motiviert sei.

In der kongolesischen Hauptstadt leitete auch die promovierte Juristin Susanne Beck eine der Lehrveranstaltungen zur Einführung in das deutsche Recht. Dabei habe sie eine große Neugierde und Wissbegier unter den Studenten dort erlebt, sagt die zierliche Rechtswissenschaftlerin.

Es sei erstaunlich, wie interessiert und engagiert die Studenten trotz der schwierigen Lernbedingungen dort seien. Sie diskutierten auf hohem Niveau und seien oftmals diskussionsfreudiger als die Studenten in Würzburg, sagt Susanne Beck augenzwinkernd.

Sie erinnert sich an ihre ersten überwältigenden Eindrücke aus dem Kongo: Die Leute seien unglaublich nett und hilfsbereit, die Landschaft sei wunderschön. An Dinge wie Stromausfall und Unterbrechungen in der Wasserversorgung müsse man sich als Europäer erst gewöhnen. Dabei sei allerdings wichtig, dass man auf die kongolesischen Kollegen wie Yves Manzanza vertrauen könne: Sie würden einem auch in wirklich unbekannten Situationen wie der unvermeidlichen massiven Polizeipräsenz auf den Straßen helfen.

Trotz großer Ressourcen ein bitterarmes Land

Straßenszene in Kinshasa (Foto: Alexander Göbel)

Kinshasa

Daneben erforschen Wissenschaftler der Unis Würzburg und Kinshasa fächerübergreifend aber auch, warum der Kongo trotz seines großen Ressourcen-Reichtums wirtschaftlich nicht auf die Füße kommt. Wirtschaftswissenschaftler tragen dazu derzeit Daten zusammen: Wo gibt es welche Rohstoffe? Sind dafür schon Lizenzen vergeben worden? Untersucht werde dann, so Karin Linhart, wie ein durchschnittliches Investitionsprojekt im Kongo abläuft, wenn ein ausländischer Investor kommt. Welche Hindernisse muss er überwinden? Welche Regelungen gibt es? Dabei gebe es zwischen den Regeln auf dem Papier und den tatsächlichen Anforderungen aber große Unterschiede, hat Karin Linhart festgestellt.

Finanziert wird diese Evaluation bislang vom deutschen Forschungsministerium. Von den Ergebnissen möchte auch Yves Manzanza profitieren und sie weiterführen. Er wolle dann dank der Partnerschaft mit Deutschland sowohl den Investoren helfen als auch mit deutschen Unternehmen oder Stiftungen arbeiten, hofft er.

Harter Kontrast zwischen Würzburg und Kinshasa

Marienfestung Würzburg (Foto: Daphne Grathwohl)

Die Marienfestung hoch über dem Main

Hilfreich ist dann sicher auch, dass er in den Jahren in Deutschland auch viel über die Deutschen gelernt haben wird. Und das nicht nur im imposanten Bau der juristischen Fakultät, von der aus der Blick auf die Marienfestung fällt. Die Burganlage oberhalb des Mains, deren Anfänge in das zehnte Jahrhundert zurückreichen, überschaut die Stadt Würzburg. Im Alltag der scheinbar so typisch deutschen Stadt mit ihrer sehr beschaulichen Altstadt, ihren alten Kirchen und ihren malerischen Gassen begegnen Yves Manzanza und seine Kollegen aus dem Kongo den Menschen.

Autorin: Daphne Grathwohl
Redaktion: Hartmut Lüning