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Aktuell Deutschland

Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

Immer weniger Menschen haben in Deutschland Anteil am Wohlstand. Laut einer neuen Studie leben mittlerweile 15,5 Prozent unter der Armutsgrenze, trotz guter Konjunktur und wachsender Erwerbstätigkeit.

Nur noch radikales politisches Umsteuern könne helfen, heißt es in einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Kinder und Ältere seien besonders betroffen. "Deutschland ist tief gespalten", sagte der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Rolf Rosenbrock, bei der Vorlage des Jahresgutachtens.

"Alle volkswirtschaftlichen Erfolgsmeldungen können nicht über die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft hinwegtäuschen", unterstrich auch der Verfasser der Studie, Joachim Rock. Die Armutsquote sei erneut gestiegen, die Langzeitarbeitslosigkeit verfestige sich oberhalb der Millionengrenze "und das alles trotz guter Konjunktur und wachsender Erwerbstätigkeit insgesamt".

Immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse

Laut der Studie stieg binnen eines Jahres der Anteil der von Armut bedrohten Menschen von 15 auf 15,5 Prozent. Armut sei definiert ab einem Einkommen von 60 Prozent der durchschnittlichen Einkommen, was 892 Euro pro Monat entspreche, erläuterte Rosenbrock.

Insgesamt 7,8 Millionen Menschen waren laut Studie 2014 in so genannter atypischer Beschäftigung - die Zahl der Betroffenen stieg binnen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent. Diese Menschen arbeiten befristet, in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden, Zeitarbeit oder sind geringfügig beschäftigt.

Rund 1,3 Millionen Hartz-IV-Bezieher bekommen seit mehr als zehn Jahren staatliche Leistungen. 15,4 Prozent der Unter-15-Jährigen leben in Armut. Bedrohlich zugenommen hat in den letzten Jahren die Altersarmut, besonders unter den Rentnern, wie der Verband in seinem Gutachten bekräftigt. Deren Armutsquote (15,2 Prozent) sei seit 2006 viermal so stark wie in der Gesamtbevölkerung gestiegen.

Schlechtes Zeugnis für die Politik

Kern des Gutachtens ist dem Paritätischen Gesamtverband zufolge eine ausführliche Analyse und Bewertung der 2014 umgesetzten sozialpolitischen Gesetzesvorhaben - von der Pflegereform über das Rentenpaket bis hin zu Veränderungen im Staatsangehörigkeitsrecht.

Der Bundesregierung bescheinigt die Studie Defizite in der Sozialpolitik. Rosenbrock verwies in diesem Zusammenhang unter anderem darauf, dass es mehr als sieben Billionen Euro Privatvermögen in Deutschland gebe. Gleichzeitig gelte "jeder zehnte Erwachsene mittlerweile als überschuldet und hat im Durchschnitt über 32.600 Euro Schulden". "Deutschland ist das Land mit der höchsten Vermögensungleichheit innerhalb der Euro-Zone", sagte der Verbandschef.

Besonders für Langzeitarbeitslose, Kinder in einkommensschwachen Familien und arme ältere Menschen seien mehr Unterstützung und durchgreifende Reformen unabdingbar - unter anderem der Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung, eine bedarfsgerechte Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze sowie eine durchgreifende Reform der Altersgrundsicherung. Die Bundesregierung müsse das "Tabu von Steuererhöhungen" überdenken, betonte Rosenbrock. "Der Verzicht auf eine angemessene Besteuerung sehr hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften ist und bleibt der Geburtsfehler dieser großen Koalition."

qu/kle (dpa, afp, rtr, epd)