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Deutschland

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

In Deutschland wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer: Die Mittelschicht schrumpft und Menschen mit niedrigerem Einkommen haben weniger. Wirtschaftsforscher befürchten nun eine Destabilisierung der Gesellschaft.

Fußgänger, Bettlerin (Foto: AP)

Die Angst vor dem Abstieg wächst: Bettlerin in der Fussgängerzone von Essen

Die Schere zwischen Bedürftigen und Wohlhabenden öffnet sich in Deutschland immer weiter. Nach einer am Dienstag (15.06.2010) veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gibt es zum Einen mehr Arme. Sie haben - und das verschärft die Lage - zugleich immer weniger Geld zur Verfügung. Auf der anderen Seite nehmen die Einkommen der bereits Wohlhabenden zu. Auch deren Anteil an der Gesamtbevölkerung wird größer. Dazwischen schrumpft die Mittelschicht. Angesichts dieser Zahlen kritisieren die Forscher das Sparpaket der Bundesregierung als zu einseitig. Es verschärfe noch die Entwicklung.

Die Armen

Die Studie bildet den Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2009 ab. Demnach stieg der Anteil der Armen in dieser Zeit von 18 auf annähernd 22 Prozent. Ihr durchschnittliches Nettoeinkommen sank inflationsbereinigt von 680 Euro auf 677 Euro. Der Abstand zu den wachsenden Einkommen der Reichen und der Mittelschicht wurde größer. Daraus folgern die Forscher: "Das heißt nichts anderes, als dass die Ärmeren nicht nur immer mehr geworden sind, sondern dass sie im Durchschnitt auch immer ärmer werden."

Ein Mann sucht nach Sperrmüll (Foto: AP)

Wenn das Geld knapp wird: Auf der Suche nach Sperrmüll am Straßenrand

Die Reichen

Am anderen Ende der Skala legte der Durchschnittsverdienst bei den Reichen von 2569 auf 2672 Euro zu. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg leicht von 15,6 auf 16,8 Prozent. Im Jahr 2008 hatte die Quote sogar bei 18,8 Prozent gelegen, erst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sank der Anteil wieder um zwei Prozentpunkte.

Die Mittelschicht

Zu dem Bereich dazwischen - zur Mittelschicht - werden Nettoeinkommen zwischen 860 und 1844 Euro gerechnet. Der Anteil dieser Einkommensbezieher sank von 64 auf 60 Prozent. Der Trend sei langfristig besorgniserregend, befanden die Forscher. Immerhin stieg das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe seit 2000 im Durchschnitt von 1287 auf 1311 Euro.

Geld aus der Kaffeedose (Foto: picture-alliance)

Die Angst der Mittelschicht, auf Rücklagen zugreifen zu müssen

In der Mittelschicht wurden aber starke Ängste festgestellt, im Status abzurutschen. Es gebe eine große Sensibilität für Entwicklungen, die ihre Lage bedrohen könnten, hieß es in der Studie. Damit bestehe die Gefahr, dass sich Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass ausbreiten könnten.

Angesichts dieser Entwicklung beurteilten die Wissenschaftler des Instituts das Sparpaket der schwarz-gelben Bundesregierung sehr kritisch. Die Koalitition in Berlin will ihre Ausgaben in den nächsten vier Jahren um mehr als 80 Milliarden Euro reduzieren. DIW-Ökonom Jan Goebel kritisierte, die bisherigen Vorschläge der Regierung beträfen "eigentlich nur die unteren Einkommensbereiche". Es sei unklar, warum die Menschen mit den hohen Einkommen keinen Sparbeitrag leisten sollten.

Autor: Herbert Peckmann (apn, afp, epd)
Redaktion: Sabine Faber

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