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Sport

Klose auch in seiner Geburtsstadt beliebt

Was denken die Menschen in Opole, der Geburtsstadt von Miroslav Klose, über den Stürmer? Interview mit Jörg Ciszewski, derzeit Redakteur beim Schlesischen Wochenblatt.

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Blick über die Oder auf die Stadt Opole

DW-WORLD.DE: Am Mittwoch spielt Deutschland gegen Polen: Wie fiebert die deutsche Minderheit denn bei diesem Spiel mit?

Jörg Ciszewski: Die WM ist seit Tagen ein großes Ereignis. In unserer aktuellen Ausgabe ist das Spiel des Jahres auf dem Titelblatt. Es ist Klose zu sehen auf dem Titelfoto. Klose ist hier geboren und als 8-Jähriger weggegangen. Für die Deutschen hier hat er immer noch eine Vorbildfunktion, er ist eine große Identifikationsfigur im Gegensatz zu den polnischen Spielern.

Wie populär ist er bei den Polen?

Klose schiesst das 3:1 Stadion WM 2006 Eröffnungsspiel Deutschland - Costa Rica 09.06.06 München

Immer gut für ein Tor: Miroslav Klose

Unter den Polen wird er immer noch ein wenig als Pole gesehen. Es wird ihm noch ein wenig nachgetragen, dass er sich letztlich für die deutsche und nicht für die polnische Nationalmannschaft entschieden hat. Er hat ja zwei Pässe, einen deutschen und einen polnischen. Das wird noch ein wenig ironisch hier kommentiert nach dem Motto: "Wenn wir den deutschen Sturm mit Podolski und Klose hätten, dann sähe es bei uns besser aus, dann hätten wir das erste Spiel gewonnen." Die Menschen mögen Klose, weil er auch keine großen Töne spuckt.

Wie präsent ist er selbst in Opole? Er hat ja noch Verwandtschaft in dem Ort.

Er macht sich eigentlich recht rar in den polnischen Medien. Was man über ihn erfährt, hört man hauptsächlich aus den deutschen Medien. Die Familie, die hier noch lebt, hat kein großes Interesse an die Öffentlichkeit zu treten. Wenn Klose kommt, besteht er auf Diskretion.

Wie werden die Menschen in Opole das Spiel verfolgen?

Auf dem Marktplatz und in den Cafes gibt es große Bildschirme. Die Polen-Spiele kann man außerdem auch im Stadion der Lokalmannschaft, die in der dritten Liga spielt, auf einer Großleinwand mit verfolgen. Eintritt ist frei. Da sind am vergangenen Freitag - beim ersten Spiel - zahlreiche Leute hingepilgert, mit ihren Schals, Fahnen und Gashupen. Das wird auch am Mittwoch so sein.

Wie patriotisch sind die Polen im Vergleich zu den Deutschen?

Ich denke, dass es in Polen einen etwas anders gelagerter Patriotismus als in Deutschland gibt, vielleicht ist er etwas "unkritischer". Die polnischen Flaggen sind schon ein ziemlich wichtiges Symbol, manchmal stecken die noch in den alten Fahnenhalterungen noch aus Zeiten des Kommunismus. Das ist oft ganz witzig anzusehen.

Haben die Polen noch Hoffnung, dass sie weiter kommen?

Die Zeitungen sind verhalten optimistisch bis sehr pessimistisch. Es wird überall von einem Endspiel gesprochen. Der polnischen Mannschaft wird in dem Spiel aber nicht so sehr viel zugetraut. Was für Verwirrung gesorgt hat, ist, dass der Trainer Pawel Janas sich so abgeschottet und nicht zu dem Spiel geäußert hat. Man weiß nicht so richtig, woran man ist.

Auch Podolski hat ja polnische Wurzeln. Wer ist denn populärer von den beiden?

Klose ist der populärere aufgrund der Tatsache, dass er bei der Bundesliga Torschützenkönig geworden ist und auch schon etwas länger im Geschäft ist. Er war ja auch bei der letzten WM dabei und hat damals fünf Tore geschossen. Podolski ist noch relativ jung, ist aber auch schon ein Begriff. Er kommt ja nicht weit von hier, aus Gleiwitz.

Wie schlimm wäre es denn für die Polen, wenn ausgerechnet Klose oder Poldi das Team aus dem Turnier schießen würden?

Dann wird man wohl wieder Sätze finden wie "Hätten sie doch nur für uns gespielt" oder "Polen besiegt Polen". Es ist auf jeden Fall interessant zu sehen, ob die Niederlage dann besonders schmerzhaft auffallen würde.

Ihr Tipp?

3 : 1 für Deutschland. Ich glaube, Klose wird sicher ein Tor schießen und Ballack noch einen Elfmeter gegen Ende der Partie verwandeln.

Aber Klose dürfte dann schon noch nach Opole kommen?

(lacht) Aber dann nur mit Perücke und Sonnenbrille.

Jörg Ciszewski, Redakteur des Schlesischen Wochenblatts in Opole (Polen)

Jörg Ciszewski arbeitet derzeit als entsandter Redakteur des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) beim Schlesischen Wochenblatt - einer Zeitung für die deutsche Minderheit in Polen. Es hat eine Auflage 6000 Stück.