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Eurovision Song Contest

Klitschko: Wer Gesetze bricht, kann nicht kommen

Am 13. Mai findet das Finale des Eurovision Song Contests (ESC) in Kiew statt. Über den Ärger im Vorfeld und das Ereignis selbst äußert sich Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko im DW-Interview.

DW: Herr Klitschko, was bedeutet der ESC für Kiew ?

Vitali Klitschko: Als ich gehört habe, dass die ukrainische Sängerin Jamala letztes Jahr den ESC gewonnen hat, bin ich vor Freude hoch gesprungen, weil ich weiß, wie wichtig das für unsere Stadt ist. Wir können sie jetzt promoten, alle Gäste nach Kiew einladen und uns der ganzen Welt präsentieren. Mehr als 200 Millionen Zuschauer werden Musik aus unserer Stadt hören. Kiew ist die Musikhauptstadt Europas geworden - für eine Woche. Wir freuen uns sehr, alle Gäste in Kiew zu haben und präsentieren eine der schönsten Städte Europas.

Was macht denn Kiew und die Menschen dort aus?

Wissen Sie was? Es gibt viele verschiedene Sportarten: Basketball, Fußball, Boxen. Es kommt auf die Menschen an. Nicht jedem liegt das. Musik aber mag jeder und Musik verbreitet in jedem Fall eine sehr positive Emotion. Ich glaube, dass es sehr gut zu uns passt. Eine bessere Werbung kann man sich nicht wünschen. Deshalb habe ich Jamal sehr lange nach dem Sieg beim ESC 2016 geküsst. Sie hat den großen Songcontest nach Kiew gebracht und jetzt mehr als 20.000 Gäste aus dem Ausland. Es gibt keine Tickets mehr für das Halbfinale oder das Finale. Es ist ausverkauft. Immerhin haben wir viel zu bieten. Wir können historische Gebäude präsentieren, viele Museen, sehr gute Restaurants. Unsere Stadt ist sehr grün und sauber. Hier wohnen sehr gastfreundliche Menschen und deswegen sind alle in Kiew herzlich willkommen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und alle nach Kiew einladen! Herzlich Willkommen!

Der Wettbewerb läuft vom 9. bis zum 13. Mai mit dem Finale. Viele Gäste sind sogar schon seit ein, zwei Wochen da. Worin lagen die größten Herausforderungen, um alles reibungslos zu gestalten?

Es ist ein großer Feiertag und diesen Feiertag muss man gut vorbereiten. Das hat uns sehr viel Kraft gekostet. Das war die größte Anstrengung. Immerhin muss jeder Gast, der nach Kiew kommt, sicher sein. Die Sicherheit hat für uns höchste Priorität, weil die Welt leider verrückt geworden ist. Man sah das zuletzt bei Fußballspielen in Frankreich oder in Deutschland. Es gibt sehr viele Leute, die versuchen, Unruhe zu stiften und den großen Feiertag kaputt zu machen. Deswegen muss jeder, der kommt, sich in unserer Stadt sicher fühlen. Darüberhinaus bieten wir sehr viele positive Emotionen und Orte zum Feiern am Abend. Man wird sehr viel unternehmen können. Ich habe aktuell mit Deutschland telefoniert. Bei höchstens 15 Grad in Deutschland ist es ja nicht so warm. Bei uns herrschen momentan 28 Grad. Es ist richtig Sommer!

Wie haben die Bürger den finanziellen Aufwand für den ESC aufgenommen? Gibt es auch kritische Stimmen von den Bürgern?

Nein, auf keinen Fall. Wenn jemand sagt, es wäre schlecht, dann sage ich, dass wir Geld in unsere Infrastruktur investieren. Die Eurovision kommt und geht, aber die ganze Infrastruktur bleibt. Tausende Gäste werden unsere Hotels und Restaurants nutzen. Darum beschwert sich keiner über den ESC. Die Eurovision ist zusätzlicher Ansporn für die Entwicklung unserer Stadt.

Sie haben sehr viel über die Gastfreundschaft gesprochen, aber eine Teilnehmerin durfte nicht nach Kiew kommen. Was halten Sie von diesem Verbot?

An erster Stelle steht das Gesetz. In der Ostukraine gibt es immerhin auch den anderen Kampf (Ukrainische Regierungstruppen kämpfen gegen Separatisten, die von Moskau unterstützt werden sollen, Anm. der Redaktion). Russland hat sich eine Sängerin ausgesucht, die Gesetze der Ukraine gebrochen hat. Ihr ist es leider nicht erlaubt hierher zu kommen. Wir sind bereit, alle Gäste in Kiew herzlich willkommen zu heißen, aber es gibt Gesetze und man muss Gesetze - egal ob in Deutschland oder in Österreich oder einem anderen Land - anerkennen. Wenn Menschen sie in der Ukraine gebrochen haben, es tut mir leid, dann darf man nicht hierher kommen.

Politisch ist der ESC immer wieder. Wo bleibt in Kiew der europäische Gedanke ?

Ich habe heute schon in meinem Vorwort gesagt, wir sind Europäer. Mit unserer Mentalität, mit unserer Geschichte. Geografisch sind wir Europäer. Deshalb wird jeder, der nach Kiew kommt und mit offenem Auge schaut sehen, dass Kiew eine europäische Stadt ist. Wir freuen uns, die Eurovision in unserer Stadt zu haben. Das ist ein gutes Zeichen. Vor vier Jahren sind viele Leute auf die Straße gegangen, weil wir ein Teil der europäischen Familie sein wollen. Der europäische Standard muss auf ein bestimmtes Niveau gebracht werden und damit werden wir automatisch Europäer. Die Musik hilft uns dabei sehr.

Mit welchem Gefühl wollen Sie am 14. Mai aufwachen, nachdem der ESC vorbei ist?

(lacht) Leider wird der große Feiertag dann vorbei sein. Aber bald kommt dann der "Kiewtag" und wir haben noch sehr viel vor für den Mai und die Sommermonate. Meine Aufgabe als Bürgermeister wird es sein, mehrere verschiedene Events möglich zu machen: Kultur, Musik und Sport nach Kiew zu holen. Ich freue mich riesig, wieder etwas zu machen. Dazu möchte ich noch etwas sagen: Nächstes Jahr wird Kiew zur Finalstadt der Champions League. Deshalb machen wir jetzt in Kiew alles auf hohem Niveau, damit jeder den Wunsch hat, wiederzukommen.

Vitali Klitschko ist als ehemaliger Boxer und engagiert sich politisch in der Ukraine. Im Mai 2014 wurde er zum Bürgermeister von Kiew gewählt, seit 2015 ist Klitschko Vorsitzender der Regierungspartei Block Petro Poroschenko.

Das Gespräch führten Andreas Brenner und Hendrik Welling.

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