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Sport

Klitschko und Joshua vom Sieg überzeugt

Vor dem "Kampf der Generationen" im mit 90.000 Zuschauern ausverkauften Wembley-Stadion sind Herausforderer Klitschko und Weltmeister Joshua siegessicher. Bei dem Duell Alt gegen Jung liegt ein K.o. in der Luft.

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Wladimir Klitschko will's noch einmal wissen!

Noch immer nagt die klare Niederlage aus dem Kampf gegen den Briten Tyson Fury im November 2015 an Wladimir Klitschko. Im Londoner Wembley Stadion will der Ukrainer nun zurück auf den WM-Thron und ist noch lange nicht fertig, nachdem er von 2006 bis 2015 das Schwergewichtsboxen als ungeschlagener Champion dominiert hatte. "Ich habe noch nicht die Spitze erreicht. Die Spitze ist Wembley mit 90.000 Zuschauern und einem Herausforderer, der absolut extravagant, interessant und stark ist", sagte der Altmeister.

Dass Klitschko fast 14 Jahre älter als der amtierende Weltmeister Anthony Joshua ist, stört den Olympiasieger von 1996 nicht. "Herausforderer mit 41 Jahren zu sein, ist eher ein Geschenk und wirklich etwas ganz Besonderes für mich", erklärte der promovierte Sport-Wissenschaftler vor seinem 69. Profikampf. "Ich glaube, die Tendenz geht dahin, dass Sportler auch in einem höheren Alter noch gut performen können." Und wie es sich gehört, trug Klitschko seinen Optimismus offen zur Schau: "Ich fühle mich schon jetzt als Sieger. Das ist mein Event, auch, wenn es sein Zuhause ist."

Wladimir Klitschko (l.) steht gezeichnet im Ring, Tyson Fury (r.) jubelt über seinen Sieg (Foto: Getty Images/Bongarts/L. Baron)

Bittere Stunde: Am 28.11.2015 verliert Wladimir Klitschko in Düsseldorf seine WM-Gürtel an Tyson Fury (r.)

In seinen bisherigen 68 Kämpfen musste Klitschko vier Niederlagen einstecken, 54 gewann er durch Knock-outs. Joshuas Bilanz ist noch makellos, er gewann alle seine 18 Profikämpfe durch K.o. Und am Samstag (ab 22.00 Uhr MESZ im DW-Liveticker) bei seinem "Heimspiel" darf er sich auf lautstarke Unterstützung in der vollbesetzten Arena freuen. Der Sohn nigerianischer Einwanderer aus Watford nördlich von London genießt vor allem bei den jungen Briten Kult-Status. "Das wird ein großartiges Spektakel", versprach der Olympiasieger seinen Fans. Der wie Klitschko 1,98 Meter große Modell-Athlet gab sich siegessicher: "Ich werde gewinnen. Es geht darum, im Ring eine weltmeisterliche Leistung zu zeigen."

Respekt statt Randale

Beide Kontrahenten vermieden vor dem Showdown konsequent jegliche Verbal-Attacken. Da der Titelträger die Sympathien seiner Landsleute klar auf seiner Seite hat, hätte er sich die ein oder andere PR-trächtige Stichelei durchaus erlauben können. "Ich weiß genau, dass manche Menschen sehen wollen, wie Klitschko und ich uns gegenseitig in der Pressekonferenz schlagen oder Tische umwerfen", sagte der IBF-Weltmeister beim TV-Sender RTL. Allerdings lehnt der Olympiasieger von 2012 die offene Konfrontation mit Nachdruck ab. "Ich finde es großartig, wie respektvoll wir miteinander umgehen."

Anthony Joshua (l.) und Wladimir Klitschko (r.) stehen sich lachend gegenüber (Foto: picture-alliance/SOLO Syndication/Daily mail/K. Quigley)

Sympathie: Joshua (l.) und Klitschko verstehen sich

Beide Boxer gaben öffentlich zu, dass sie sich schätzen. Auch Klitschko wollte das Klischee vom pöbelnden Hass-Boxer nicht erfüllen und wiederholte seine Anerkennung für seinen Gegner bei jeder Gelegenheit: "Er ist jung, schlagkräftig, Olympiasieger und aktueller Weltmeister - eine wahre Herausforderung. Ich habe mir den Besten und den Richtigen aus der Boxszene ausgesucht."

Großzügig bot der Ukrainer dem Kontrahenten für den Fall einer Niederlage Unterstützung an: "Wenn du verlierst, helfe ich dir bei deinem Comeback." Das ist ganz nach dem Geschmack von Joshua, der sich wie Klitschko als Botschafter seines Sports versteht: "Ich freue mich, dass wir beide so viele Menschen weltweit zusammenbringen können, ohne uns verrückt verhalten zu müssen."

Man kennt sich

Vor der Auseinandersetzung zwischen dem erfahrenen Herausforderer und dem dynamisch-jungen Titelverteidiger staunte Klitschko über seinen 27-Jährige Gegner: "Unglaublich, dass er so viele Jahre alt ist, wie ich im Boxen bin." Dabei hat der Newcomer dem Altmeister einiges zu verdanken. 2014 erhielt der Brite eine Einladung für das Trainingscamp von "Dr. Steelhammer" in Tirol und bekam wichtige Einblicke ins Profigeschäft. "Wir waren Sparringspartner, so ändern sich die Zeiten. Heute besitzt er den Titel, den ich hatte. Heute ist er Weltmeister und ich Herausforderer", bemerkte Klitschko.

Wladimir Klitschko (r.) boxt beim öffentlichen Training mit einem Sparringspartner (l.) Foto: picture alliance/AP Photo/T. Ireland)

Gut in Form: Wladimir Klitschko (r.) will es noch einmal wissen - nicht nur gegen einen Sparringspartner

Klitschko und Joshua setzen sich nicht nur gleichermaßen für das Ansehen ihres Sports ein, sie haben auch boxerisch erstaunlich viele Parallelen. Klitschko nannte Joshua sogar eine Kopie seiner selbst. Beide sind exakt gleich groß, haben eine ähnliche Reichweite und verfügen über die gleiche Schlaghärte. "Es gibt jede Menge Ähnlichkeiten vom Trainingscamp bis zur Ernährung", verriet Klitschko. Der gegenseitige Respekt ist groß, schenken wollen sich beide im Ring aber nichts. "Ich will mich und die vielen Millionen Menschen, die hinter mir stehen, repräsentieren", sagte Joshua.

Und danach?

Unterdessen wich Klitschko allen Fragen nach einem möglichen Rücktritt im Falle einer Niederlage gekonnt aus: "Ich genieße den Moment. Was morgen oder in fünf Jahren sein wird, kann ich nicht sagen", meinte "Dr. Steelhammer" bei RTL. Der Ex-Champ gab sich hoch motiviert. "Ich möchte den Ring als Sieger verlassen - egal, was es mich kostet. Es kann auch wehtun, an Schmerzen kann man sich irgendwie schon gewöhnen."

Wladimir Klitschko schaut auf den WBA Gürtel (Foto: picture alliance / Matt Dunham/A)

Klitschko und das Objekt der Begierde: der WBA-Gürtel

Zumindest wird der frühere Mehrfach-Weltmeister noch einmal richtig abkassieren. Die Gage soll genauso wie bei Joshua zwischen 15 und 20 Millionen Euro liegen. Insgesamt spielt der "Kampf der Generationen" um den WM-Gürtel der IBF, den des kleineren IBO-Verbandes und den Titel des Super-Champions der WBA rund 50 Millionen Euro ein.

Das Gros des Geldes - etwa 30 Millionen Euro - wird über das Pay-TV in England eingenommen. Hinzu kommen Erträge aus Ticketing, Marketing und Sponsorengeldern. Das ist für Klitschko ein Big Deal, im Vergleich zum Jahrhundert-Fight zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao im Mai 2015 allerdings wenig. Der spülte 465 Millionen Euro in die Kassen.

ck/og (dpa, sid)

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