1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Klinsmann: Straßenkicker, Profifußballer, Hoffnungsträger

Deutschland wird 2006 Weltmeister. Daran lässt Bundestrainer Jürgen Klinsmann im Gespräch mit DW-WORLD keinen Zweifel. Von einem positiven Bild der Nationalmannschaft könne das ganze Land profitieren.

default

Jürgen Klinsmann im Interview mit DW-WORLD

DW-WORLD:

Herr Klinsmann, Sie sind gelernter Bäcker. Das heißt: Sie haben morgens Brötchen gebacken und nachmittags Fußball gespielt bevor Sie Profifußballer wurden. Sind Sie ein richtiger Straßenkicker?

Jürgen Klinsmann:

Ja, ich glaub' schon, dass meine Generation ohnehin voll war mit Straßenkickern, weil für uns gerade das nichtorganisierte Fußballspiel, also außerhalb des Vereins enorm wichtig war. Wir waren jeden Tag draußen auf dem Bolzplatz oder auf einer Wiese oder egal wo auch immer und haben uns halt unsere Zeit vertrieben - mit Fußball. Wir hatten nicht allzu viele Möglichkeiten, andere Dinge zu tun. Entweder war's Fangen-Spielen oder Fußball. Und ich denke, diesem Straßenfußball habe ich mein Talent zu verdanken, letztendlich dann auch die Profi-Karriere.

Als Präsident der "Stiftung Jugendfußball" setzen Sie sich ein für Straßenfußball. Dabei sollen durch den Fußball Toleranz und Verständnis vermittelt werden. Kann Fußball das?

Natürlich. Fußball kann noch viel mehr, weil Fußball in allen Bereichen in unser Leben eingreift. Ob das in der Erziehung ist oder ob das in der Form ist, sich auszutoben, um Aggressionen abzubauen, ob es in Form ist, sich zu integrieren in die Gemeinschaft. Ob es in der Form ist, eine Blickweise zu bekommen für die Welt, für internationale Dinge. Wenn ich mich mit Brasilien oder Argentinien als Fußball-Land auseinandersetze, setze ich mich automatisch auch mit der Kultur auseinander - also, der Fußball geht überall rein in unsere Gesellschaft und deswegen ist es das optimale Transportmittel letztendlich, um Leute zu erreichen.

Für die Kinder sollen die Fußballer Vorbilder sein. Nun gibt es aber Fußballer, die den Ball auch gern mal mit der Hand ins Tor schlagen oder sich einfach fallen lassen, also eine Schwalbe machen. Ein Nationalkeeper wie Oliver Kahn steckt seinem Nationalmannschaftskollegen Klose schon mal in einem Bundesligaspiel den Finger in die Nase. Taugen deutsche Fußballer als Vorbilder?

Ja, natürlich. Weil der Fußball voller Emotionen ist. Wenn Dinge vorkommen, die jetzt vielleicht mal ein bisschen negativer sind, dann hat das auch mit Emotionen zu tun, weil Emotionen gehen immer in beide Richtungen los, zum einen schön positiv, und zum anderen auch mal ab und zu negativ. Und das ist ja eigentlich das Faszinierende am Fußball, dass man nie vorher weiß, was in einem Spiel passieren kann. Und das gilt ja auch im Alltag, zuhause bei der Familie oder mit Freunden, dass man nicht immer alles perfekt macht und deswegen machen auch Fußballer nicht alles perfekt, wie jeder andere Mensch auch. Fehler sind dafür da, daraus zu lernen. Und ich glaube, mit jeder Aktion, jetzt sagen wir einmal, ein Tor schießen mit der Hand oder es passiert irgend was anderes, dann lernt der Spieler und gesteht auch einen Fehler ein. Dann entwickelt er sich auch weiter.

Sie haben das Image des ewig gutgelaunten, strahlenden Sympathieträgers. Nervt Sie das manchmal - immer der nette "Klinsi" zu sein?

Ich denke, ich bin wie jeder andere auch - ein Mensch mit ein paar Haken und Ösen im Prinzip. Es ist nicht immer alles positiv - man ist nicht immer gut drauf aber in meinem Naturell ist es einfach so, dass ich eigentlich meistens gut drauf bin. Wir machen alle diese Aufs und Abs durch und haben unsere Höhen und Tiefen als Menschen. Es ist wichtig, dass man in einem stabilen Umfeld mit den Problemen umgeht und dafür ist auch die Familie enorm wichtig.

Lesen Sie auf der nächsten Seite warum Jürgen Klinsmann findet, dass Deutsche sich mit Reformen besonders schwer tun.

Die Redaktion empfiehlt