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Politik

Klinsmann inkognito

Es begab sich zu einer Zeit, die gar nicht so lange her ist, dass ein ganzes Land vier Wochen lang fröhlich feierte, weil eine Fußballmannschaft voller Leidenschaft und Hingabe von Sieg zu Sieg eilte…

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Und selbst als der ganz große Wurf missglückte und am Ende statt des erhofften Weltmeister-Titels Platz drei übrig blieb, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Eine Million euphorisierte Fans vor dem Brandenburger Tor in Berlin jubelten ihren neuen schwarz-rot-goldenen Helden zu.

"Deutschland, ein Sommermärchen"

Marcel Fürstenau

Das ganze Spektakel ist als "Deutschland, ein Sommermärchen" in die Geschichte eingegangen und lockte unter diesem Namen Scharen von Menschen in die Kinos. Hauptdarsteller sowohl des tatsächlichen Ereignisses als auch des Remakes mit filmischen Mitteln war ein gewisser Jürgen Klinsmann. Der war damals Bundestrainer, legte dieses quasi hoheitliche Amt jedoch auf dem Höhepunkt des Erfolgs und der Begeisterung nieder. Der clevere Schwabe mit Wohnsitz in Kalifornien wusste, dass mehr nicht zu erreichen war.

Falsche Bescheidenheit?

Der Erfolgstrainer zog sich ins Privatleben zurück, die öffentliche Person Jürgen Klinsmann war Vergangenheit. Weder wollte er sich im August von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz umhängen lassen, als die Nationalspieler im Schloss Bellevue das Silberne Lorbeerblatt erhielten, noch wollte er bei der Film-Premiere im Oktober dabei sein.

Begründung: er wolle anderen nicht die Schau stehlen, es gehe nicht um seine Person, sondern um diese großartige Zeit im Sommer. Wenn Klinsmann das ernst meint, dann hätten also seine Spieler, der Betreuerstab und die Millionen Fans das Bundesverdienstkreuz verdient.

In aller Stille

Leider hat er das nicht gesagt, als er sich dieser Tage unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Kanzlerin Angela Merkel traf, um sich mit einem halben Jahr Verspätung das Verdienstkreuz abzuholen. Es habe sich um einen "internen Termin" gehandelt, hieß es auf Nachfrage im Bundespresseamt. Einem Sprecher zufolge habe sich Klinsmann "gerührt" gezeigt angesichts der "außergewöhnlichen Auszeichnung".

Wie schön für ihn. Dass geteilte Freude die schönste Freude sein kann, daran hatte er anscheinend nicht gedacht. Zum Leidwesen seiner und seiner ehemaligen Fußballer Fans, die sich gerne mitgefreut hätten. Zumal sie doch wesentlich zum Gelingen des Sommermärchens beigetragen haben.

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