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Sport

Klinsmann hört auf

Jürgen Klinsmann wird seinen Vertrag als Bundestrainer mit dem Deutschen Fußball-Bund nicht verlängern. Private Gründe oder auch die scharfe Kritik an seiner Person vor der WM könnten ihn zu diesem Schritt bewogen haben.

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Brauchte nur kurze Bedenkzeit: Jürgen Klinsmann

Trotz einer berauschenden Heim-Weltmeisterschaft mit Platz drei und Hoffnungen von ganz Fußball-Deutschland werde der 41-Jährige seine Arbeit als Bundestrainer nicht fortsetzen, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Davon habe Klinsmann ihn am Dienstagnachmittag in Kenntnis gesetzt, sagte Mayer-Vorfelder der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht zum Mittwoch (12.7.).

Zu einem möglichen Nachfolger wollte sich Mayer-Vorfelder nicht äußern. "Wer auch immer Jürgen Klinsmann im Amt nachfolgen wird, muss die begonnene Arbeit fortsetzen", sagte er. Offenbar will der DFB am Mittwochmittag auf einer Pressekonferenz bereits weitere Einzelheiten mitteilen. Nach übereinstimmenden Berichten der "Bild"-Zeitung und der "Süddeutschen Zeitung", die zuvor bereits vom Entschluss Klinsmanns berichtet hatten, wird aller Voraussicht nach der bisherige Assistenztrainer Joachim Löw die Nachfolge antreten.

Entscheidung für die Familie in Kalifornien?

Laut "Bild" hatte sich Klinsmann am Dienstagabend mit DFB-Präsident Theo Zwanziger im Schwarzwald zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Der DFB-Chef wollte demnach Deutschlands beliebtesten Trainer unbedingt bis zur EURO 2008 oder sogar bis zur nächsten WM 2010 in Südafrika behalten. "Er kämpfte, doch er konnte das Ja-Wort des Bundestrainers nicht gewinnen", berichtet das Blatt. Offensichtlich war es auch eine Entscheidung für die in Kalifornien lebende Familie, denn ein Umzug in seine deutsche Heimat kam für Klinsmann nie in Frage. Und die Belastung des ständigen Hin-und-Her-Fliegens über zwei oder gar vier Jahre wollte er nicht auf sich nehmen.

Doch auch die scharfe öffentliche Kritik, der Klinsmann in der Zeit vor der Weltmeisterschaft ausgesetzt war, könnte ihn dazu bewogen haben, das Handtuch zu werfen. Klinsmann habe die Kritik an seiner Person in den vergangenen zwei Jahren nicht vergessen, sagte der frühere Bundestrainer Berti Vogts in der "Stuttgarter Zeitung". Vogts war maßgeblich an Klinsmanns Verpflichtung nach der EM 2004 beteiligt. Klinsmann habe noch im Kopf, "dass nach der 1:4-Niederlage Anfang März in Italien 60 Prozent aller Deutschen einen neuen Bundestrainer wollten". Auch dass Klinsmann nach dem Fehlen beim Trainersymposium in Düsseldorf vorgeworfen worden sei, er habe keine Kinderstube, "hat ihm richtig wehgetan". Vogts betonte demnach, dass für Klinsmanns Entscheidung private Aspekte weniger

entscheidend seien.

Erfolg nicht zu toppen

Klinsmann und Löw waren am Sonntag aus Berlin zusammen nach Stuttgart geflogen, dort trennten sich ihre Wege. Die "paar Tage Zeit", die sich der Bundestrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seine Entscheidung ausbedungen hatte, könnten durchaus spontan enden, hatte Roland Eitel, der engste Berater von Klinsmann und Löw, bereits vorausgesagt. "Vor zwei Jahren ist Jürgen auch innerhalb weniger Stunden von Los Angeles nach New York geflogen", erinnerte Eitel an die damalige Blitz-Verpflichtung Klinsmanns als Nachfolger von Völler.

Nach 34 Länderspielen und einer berauschenden Weltmeisterschaft soll nun Schluss sein. "Das ist nicht mehr zu toppen", hatte Klinsmann auf der großen Jubel-Party am Sonntag auf der Berliner Fanmeile bereits angedeutet, dass er sich nur noch schwer eine Steigerung der sportlichen Erfolgsgeschichte vorstellen kann. (stl)