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Fußball

Klinsis unsterbliche Liebe für Jogis Team

Er trainierte die DFB-Elf vor über acht Jahren, doch seine Liebes-Affäre hat niemals richtig geendet. Vor dem Duell der USA mit Deutschland zeigt US-Coach Jürgen Klinsmann einmal mehr seine Schwäche für sein altes Team.

Bei näherer Betrachtung sieht US-Trainer Jürgen Klinsmann aus wie der perfekte Prototyp eines Kaliforniers: athletisch, braungebrannt, blondes Haar und immer ein Lächeln auf den Lippen - als ob er direkt von Venice Beach eingeflogen wäre.

Doch wenn er den Mund aufmacht, hört man seinen unverkennbaren Akzent. Der frühere DFB-Angreifer ist immer noch Deutscher durch und durch, kein Zweifel. Egal, wie lange er bereits in den USA lebt, Klinsi - wie ihn die Deutschen nennen - wird vermutlich nie seine typisch deutsche Aussprache verlieren.

"Das Endspiel war für mich ein Nervenspiel", erinnert sich Klinsmann an das WM-Finale in Brasilien im vergangenen Jahr. "Ich glaube, der Jogi war am Spielfeldrand gelassener als ich vor meinem riesigen amerikanischen Fernseher in den USA."

Eine Reise in die Vergangenheit

Klinsmann beendete sein Engagement beim DFB 2006 und ist seit 2011 Trainer der USA. Wenn man der lokalen Presse zuhört, könnte der der Eindruck entstehen, dass der 50-Jährige erst vor wenigen Tagen seinen Trainerjob bei der Nationalmannschaft an den Nagel gehängt hat.

Jedes Treffen mit Löw scheint das vorherige noch zu übertreffen, was die Fülle an nostalgischen Erinnerungen angeht. Der Fakt, dass beide zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in Köln eingeladen wurden, sagt alles. Der DFB weiß eben, wie man Aufmerksamkeit bekommt.

Klinsmanns Lob für Joachim Löw war an einem Punkt jedoch so übertrieben, dass ein Journalist seine Augen vor Langeweile rollte. Ob Klinsmann und Löw nun froh seien, dass die gemeinsame Presserunde zu Ende ist, traute sich ein Reporter zum Ende der Presserunde zu fragen - ein leichtes Grinsen war die erste Reaktion beider Trainer.

Jürgen Klinsmann hat keine Scheu neue Wege zu gehen. In den USA hat er Fußball populär gemacht. (Foto: EPA)

Jürgen Klinsmann hat keine Scheu neue Wege zu gehen. In den USA hat er Fußball populär gemacht

In den Augen der Öffentlichkeit ist Klinsmanns Vermächtnis bei der Nationalmannschaft etwas verblasst, während Löw und sein damaliger Chef in Kontakt geblieben sind und die Arbeit des anderen im Auge behalten haben. Mittlerweile aber stellt sich ein Gefühl ein, dass Klinsmann, der oft wegen seiner modernen Trainingsmethoden beim DFB und später auch bei Bayern München, kritisiert wurde, mit allem Recht behalten hat. Seine spezialisierten Fitnesscoaches und seine sonderbaren Teamunternehmungen zahlen sich jetzt aus.

"Also im Grunde genommen hat es 2004 begonnen, was wir 2014 irgendwie rund gemacht haben und vielleicht auch diesen Weg zu Ende gebracht haben", erklärt Löw. "Natürlich hat Jürgen einen großen Anteil an diesem Triumph, an diesem Weg, den wir gegangen sind. Wir im Team wissen das auch sehr genau einzuschätzen. Wir sind Jürgen sehr dankbar."

Kein Zweifel an Loyalität

Jeder, der an Klinsmanns Willen am Mittwoch gegen Deutschland zu gewinnen zweifelt, der liegt falsch. "Ich bin ungemein stolz, Nationaltrainer der USA zu sein. Ich habe viel von dem Land verinnerlicht. Sie haben die schönste Hymne auf der Welt, die ich mitsinge, genauso wie die deutsche", sagt Klinsmann.

"Die Arbeit ist sehr unterschiedlich. Manchmal machen wir einen Schritt nach vorne, manchmal zwei zurück. Aber wir planen und schauen weit in die Zukunft", beschreibt der frühere Stürmer seine Arbeit beim US-Team.

Als Klinsmann entschied, seinen Vertrag beim DFB 2006 nicht zu verlängern, sagte er, dass einer der Hauptgründe seine junge Familie in Kalifornien gewesen sei. Seine Idee Fußball als Sportart in den USA zu etablieren, war aber sicher auch eine große Motivation. Alles in allem lebt er schon fast 20 Jahre in den USA.

Dennoch gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer für alle deutschen Klinsmann-Fans. Die Idee, dass er und Löw in Zukunft noch einmal erfolgreich - wie schon 2006 - zusammen arbeiten könnten, ist - wie es scheint - noch nicht komplett ausgeschlossen.

"Im Leben weiß man nie. Die Hauptsache ist, dass wir miteinander verbunden bleiben, miteinander kommunizieren, dass der eine ungefähr weiß, was der andere macht", sagt Klinsmann.

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