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Politik & Gesellschaft

Kliniken behandeln immer mehr Depressive

Depressionen, Burn-out-Syndrom, Angststörungen - immer mehr Menschen in Deutschland kommen ins Krankenhaus wegen psychischer Leiden, wie eine Studie bestätigt hat. Viele werden nach der Entlassung erneut krank.

Statue eines Menschen mit verzweifeltem Ausdruck (Foto: BilderBox)

Wegen psychischer Leiden wie Depressionen oder Burnout kommen immer mehr Menschen in Deutschland ins Krankenhaus. Das hat eine am Dienstag (26.07.2011) vorgestellte Untersuchung der Krankenkasse Barmer GEK ergeben. Die Barmer GEK ist Deutschlands größter Träger der gesetzlichen Krankenversicherung. Ihr "Krankenhausreport 2011" wird auf Basis der Daten von stationär behandelten Patienten erstellt. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Untersuchung bei psychischen Störungen. Dafür wurden mehr als 2000 betroffene Versicherte zusätzlich befragt.

Im vergangenen Jahr wurden demnach 8,5 von 1000 Versicherten wegen psychischer Erkrankungen im Krankenhaus behandelt. Vor 20 Jahren waren es noch 3,7 von 1000 gewesen. Der stationäre Aufenthalt wurde zugleich immer kürzer und verringerte sich binnen 20 Jahren von 45 auf inzwischen 31 Tage. Allerdings bleiben Patienten mit psychischen Störungen damit erheblich länger in den Kliniken als der Durchschnitt aller Patienten, die dort nur gut acht Tage behandelt werden.

Zahl der Depressionen verdoppelt

Frau in depressiver Haltung in einer Zimmerecke (Foto: picture alliance/dpa)

Depression: Jeder Fünfte betroffen

Gedrückte Stimmung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen – diese Symptome sind vielen Menschen in Deutschland bekannt, denn fast jeder fünfte Bundesbürger erleidet in seinem Leben mindestens einmal eine Depression. Experten schätzen, dass derzeit vier Millionen Deutsche an dieser Krankheit leiden. Laut der Analyse der Barmer GEK verdoppelte sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Patienten, die wegen Depressionen und anderer affektiver Störungen im Krankenhaus behandelt wurden. Generell gilt, dass die Lebensqualität der von Depressionen betroffenen Menschen mit modernen Methoden erheblich verbessert werden kann.

Die Erfolgsbilanz der Kliniken sei jedoch durchwachsen, resümiert die Studie. Denn viele depressive Patienten werden einige Zeit nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder eingewiesen. So geht aus der Befragung hervor, dass etwa ein Jahr nach der Behandlung mehr als die Hälfte der Patienten ambulante Psychotherapie in Anspruch nehmen. Das zeige, dass "zentrale Behandlungsziele wie das Nachlassen der Symptome und die Vorbeugung von Rückfällen vielfach nicht erreicht werden", sagte Studien-Autorin Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover.

Andere psychische Störungen

Mann mit dem Kopf auf einem Laptop (Foto: Fotolia.com)

Stress bei der Arbeit als Ursache einer psychischen Störung

Nicht nur wegen Depressionen, sondern auch wegen anderer seelischen Krankheiten kommen immer mehr Menschen ins Krankenhaus. Jüngsten Statistik zufolge waren psychische Leiden mit 17 Prozent aller Behandlungstage 2009 der Hauptanlass für Klinikbehandlungen. Bei Männern gehörten die psychischen Störungen nach Alkohol- und Drogenmissbrauch zu den häufigsten Ursachen. Bei Frauen waren das Psychosen. Eine weitere Krankheit, die immer häufiger diagnostiziert wird, ist das Burn-out-Syndrom, wovon bis zu 15 Millionen Menschen betroffen sind. Mit Burn-out-Syndrom waren 2010 knapp 100.000 Menschen krankgeschrieben.

Die Ursachen für den Anstieg der psychischen Störungen seien im "Krankenhausreport 2011" nicht untersucht worden, hieß es. Nach Einschätzungen von Experten haben viele seelische Krankheiten ihre Ursache am Arbeitsplatz. Außerdem wird das Krankheitsbild immer mehr erforscht und dadurch häufiger diagnostiziert.

Autorin: Olga Kapustina (mit dpa, rtr, dapd)

Redaktion: Reinhard Kleber

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