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Ostmitteleuropa

"Klingt nicht gut in den Ohren"

- In Deutschland wird über ein Bundesland Preußen debattiert, in Tschechien zeigt man sich amüsiert bis besorgt

Prag, 10.4.2002, PRAGER ZEITUNG, deutsch, Jaroslav Sonka

Die Deutschen sind ein kreatives Volk. Als sie Brennabor eroberten, haben sie aus der Stadt Brandenburg gemacht. "Burg" klingt gut. Jahrhunderte später klang in Propagandaminister Goebbels Ohren Nowawes zu slawisch und es entstand die Stadt Babelsberg. Auch Dobrilugk (gute Wiese) klang den selben Ohren nicht gut und es entstand Doberlug. Das Heilige Römische Reich war plötzlich "deutscher Nation", obwohl die mittelalterlichen Kaiser diese Beschränkung der Macht wohl nicht akzeptiert hatten. Wo blieben die Langobarden und Burgunder? Doch dem kreativen Deutschen im 19. Jahrhundert gefiel es. Ein Hohenzoller schleppte sich 1701 aus diesem Reich mühevoll heraus, damit er sich eine Königskrone aufsetzen konnte. Wie erniedrigend, dass er dabei den Namen eines undeutschen Stammes der Balten benutzen musste - Pruzzen. Aber er wusste, dass seine Machtbasis in Brandenburg war. Die Macht jedoch entsteht aus kleinen Entscheidungen.

Sein Sohn und sein Enkel haben den Aufstieg des Landes fortgesetzt und dachten darüber nach, wie sie die erforderliche Militärmacht ernähren sollen. Seither steht überall in Brandenburg ein Walnussbaum hinter dem Haus - und so kamen auch die amerikanischen Kartoffeln ins Land. Die etwas zurückgebliebenen (damals noch römischen, aber in Österreich ansässigen) Kaiser haben nicht begriffen, dass ein mit Kartoffeln gefüllter Bauch besser kämpft, und haben die folgenden Kriege verloren.

Mühevoll haben sie - zu spät für Schlesien - die Kartoffeln eingeführt und bis heute ist jedem klar, dass diese Frucht aus Brandenburg kam. Dieses Land heißt in der Sprache der Lausitzer Sorben "Brambory." Und so fiel der Name auch der Frucht zu. Zumindest auf Tschechisch. Brambory (auf tschechisch Kartoffel) ist ein schöner Name. Dagegen wirken die österreichischen "Erdäpfel" schon ein bisschen gekünstelt - und woher kommen sie eigentlich?

Nun werden jedoch die Deutschen wieder kreativ. Manche wollen dem Kartoffelland nach der Wiedervereinigung mit Berlin den Namen eines baltischen Stammes, eines weit entfernten Landes geben - wegen der Tradition der Krone, die außerhalb des Heiligen Römischen Reiches gesucht werden musste. Werden wir dann auch die Kartoffeln umbenennen müssen? Sie könnten dann wohl "Prajzule" heißen. Wie schön!

Zum gleichen Thema meint Tschechiens Senatspräsident Pithart: "Sollen Staaten oder Länder einen neuen Namen erhalten - oder gar einen traditionsreichen wieder übernehmen, handelt es sich um eine äußerst sensible Angelegenheit. Letzteres ruft immer wieder Assoziationen hervor, positive und negative. Wobei diese Reflexion für das betroffene Land eine andere sein kann als die bei den Nachbarn. Wobei diese Assoziationen "verdient", aber auch völlig unverdient sein können. Also guter Rat ist hier teuer. Ausschlaggebend ist wohl vor allem, wie die unmittelbar Betroffenen die Übernahme des traditionsbehafteten Namens Preußen beurteilen. Nicht unbeachtet sollte dabei bleiben, was die Menschen in den Nachbarländern von dieser Benennung halten. In Tschechien - soweit ich das beurteilen kann - klingen der Name "Preußen" oder das Adjektiv "preußisch" nicht gut in den Ohren. Das Tschechische kennt sogar das pejorativ besetzte Adjektiv "prusacky". Nicht auszuschließen ist, dass eine solche Umbenennung in Tschechien sogar Befürchtungen auslösen könnte." (ykk)

  • Datum 11.04.2002
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