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Kultur

"Klimt war ein Dekorationskünstler"

Vor 150 Jahren wurde Gustav Klimt geboren, erfolgreich als Maler wie als Frauenheld. Seine Bilder sind in der ganzen Welt berühmt und werden hoch gehandelt. Manche finden das häufige Gold darin kitschig.

Sein wohl bekanntestes Gemälde, der "Kuss" ist tausendfach verewigt, nicht nur auf Reproduktionen, sondern auch auf Kaffeetassen, Brillenetuis, Krawatten, Einkaufstaschen und zahlreichen anderen Alltagsgegenständen. Sie alle huldigen ihm, Gustav Klimt, dem Publikumsliebling. Er ist zum Fahnenträger des Jugendstils geworden, war aber eher jemand, der mit der Kunst seiner Zeit aufräumen wollte, sagt Alfred Weidinger, Kunsthistoriker und Kurator des Schlossmuseums Belvedere in Wien und Klimt-Spezialist.

Rascher Aufstieg

Klimt-Kenner Alfred Weidinger

Klimt-Kenner Alfred Weidinger

Geboren wird Gustav Klimt am 14. Juli 1862 in einfachen Verhältnissen. Ein Stipendium ermöglicht ihm das Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt, der die gleiche Schule besucht, und dem Kollegen Franz Matsch arbeitet er emsig und steigt rasch auf. Neben Aufträgen für Decken- und Theaterdekorationen wird er zum Porträt-Maler des jüdischen Großbürgertums. Er schafft nicht nur Gemälde, sondern in Zusammenarbeit mit Architekten Häuser und Villen als Gesamtkunstwerke. 1894 erhält Gustav Klimt den Auftrag für drei monumentale Deckenbilder in der Aula Magna der Universität Wien. Die allegorischen Darstellungen der drei Fakultäten "Jurisprudenz", "Philosophie" und "Medizin" werden zum Skandal.

Zu echt, zu nackt

Eine Montage: die Fakultätsbilder 'Jurisprudenz', 'Medizin' und 'Philosophie' von Gustav Klimt

Klimts Deckengemälde schockierten die Wiener

Klimt zeigte zu viel nacktes Fleisch für das prüde Wien, meint Alfred Weidinger: "Er hat den Wienern vorgeführt, wie sie selbst aussehen, das war das Problem." Er habe die Nackten nicht mehr als Göttinnen gezeigt, sondern als die Nachbarin von nebenan, so der Klimt-Kenner. "Und so stellte er sie dar, in ihrer Schönheit, aber genauso in ihrer Hässlichkeit." Und das auf riesigen Gemälden an der Decke der konservativen Universität. "Da ist den Wienern einfach die Galle übergelaufen."

Das sei keine geplante Provokation gewesen, sagt Kunsthistoriker Weidinger, und betont: "Klimt war sehr authentisch. Er wollte einfach das malen, was ihm Spaß machte." Und dem blieb der Maler treu, trotz großer finanzieller Verluste. Die Universitätsbilder kauft er später mit Hilfe seiner Mäzene zurück. Sie kosteten schon damals ein Vermögen. Heutige Kunstliebhaber können die Werke nur auf Fotografien betrachten. Die Originale sind im niederösterreichischen Schloss Immendorf zerstört worden, als die Nationalsozialisten das Schloss am Ende des Zweiten Weltkrieges in Brand steckten.

Gemaltes Kunstgewerbe

Das einst teuerste Bild der Welt: Adele Bloch-Bauer I. Foto: dpa

Das einst teuerste Bild der Welt: Adele Bloch-Bauer I.

1907 entsteht eines von Klimts berühmtesten Werken, das Porträt von Adele Bloch-Bauer I., der Tochter eines Wiener Bankiers. Als es 2006 für 135 Millionen Dollar an einen US-amerikanischen Unternehmer verkauft wird, ist es das teuerste Bild der Welt. Ein Porträt mit einem sehr realistischen Gesicht und reichlich Goldtönen drumherum. Dass manche das häufige Gold in Klimts Bildern kitschig finden, hätte den Maler sicher nicht gestört, meint Alfred Weidinger: "Klimt war kein akademischer Maler." Er hatte nicht die Akademie der bildenden Künste besucht, sondern die Kunstgewerbeschule. "Klimts Arbeit hatte mit klassischer Malerei nichts zu tun. Er hat die Vielfalt der Materialien angewendet, mit der er sich seit seiner Schulzeit beschäftigt hat. Das war gemaltes Kunstgewerbe", weiß Weidinger.

Diese "Materialbilder" seien es gerade, die das Besondere an Klimt ausmachten, eine Nische, in die ihm niemand gefolgt sei. Das Dekorative und sein "authentischer" Charakter hätten es auch verhindert, dass Klimt jemals eine Professur angeboten wurde. "Klimt war ein Dekorationskünstler", spitzt Kunsthistoriker Weidinger es bewusst zu. Aber die Art, wie er Material malte, löse bei Menschen Andächtigkeit aus. Das habe er immer wieder beobachtet.

"Ein fescher Kerl"

Porträt von Gustav Klimt.

Ein Mensch, der tat, was ihm Spaß machte

Gustav Klimt und die Frauen sind ein eigenes Kapitel der Kunstgeschichte. Nicht nur, weil er das andere Geschlecht immer wieder in Farben und Formen verewigt hat. Wie viele Kinder Klimt tatsächlich hat, weiß niemand. 14 allerdings haben nach seinem Tod etwas vom Goldkuchen abhaben wollen und Ansprüche auf das Erbe angemeldet. Vier sollen offiziell anerkannt sein. Verheiratet war der Maler nie. Er lebte seine Leidenschaft, ohne Einschnitte, meint Alfred Weidinger. Auch darin sei Klimt ohne Affektiertheit authentisch gewesen: "Sonst kann man sich nicht erklären, dass er noch im Mai 1899, als er mit seiner Schwägerin Helene Klimt ein Verhältnis hatte, zeitgleich bei Alma Mahler-Werfel begann anzubandeln. Zeitgleich waren Marie Ucicky und Marie Zimmermann von ihm schwanger, und er fuhr zu Emilie Flöge." Ohne Ärger und Stress ließ sich solche Polygamie wohl nicht leben. Das geht aus den zahlreichen Liebesbriefen hervor, die von Klimt erhalten sind. "Er war eben ein fescher Kerl, wenn man sich die Fotos anschaut", sagt Klimt-Kenner Weidinger. Am 6. Februar 1918 ist Gustav Klimt im Alter von 55 Jahren nach einem Schlaganfall in Wien gestorben.

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