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Wirtschaft

Klimkin: "Russland braucht den ukrainischen Markt"

Die Ukraine will die Bedingungen für internationale Hilfsgelder erfüllen. Aber auch mit Russland will das Land wirtschaftlich nicht brechen, sagt der Botschafter der Ukraine in Berlin, Pavlo Klimkin, im DW-Interview.

Ihr Land steht vor dem Bankrott. Was erhoffen Sie sich von Hilfen der Europäischen Union und den USA?

Der Ukraine geht es im Moment wirtschaftlich schlecht, das ist wahr. Wir bemühen uns, ein Hilfspaket zusammenzustellen. Das ukrainische Parlament hat gerade entschieden, den Bedingungen für die makroökonomische Hilfe aus der Europäischen Union zuzustimmen. Wir sprechen selbstverständlich mit den USA und der Europäischen Union über weitere Hilfen. Wir brauchen ein Hilfspaket, das nicht nur die Lage stabilisiert, sondern das ermöglicht, dass die Reformen in der Ukraine weiterlaufen. Deswegen hat der ukrainische Ministerpräsident gesagt, dass wir alle Bedingungen erfüllen werden. Wir verhandeln im Moment noch, in welcher Weise dies geschehen wird, etwa den Zeitrahmen. Diese Reformen braucht die Ukraine - und braucht die ukrainische Wirtschaft.

Um welche Reformen geht es konkret?

Es geht um eine Reihe von Reformen, von Steuerfragen bis zu Energiesparmaßnahmen. Wir müssen mehr Energie sparen. Noch sind wir eine Art Energie-Junkie. Obwohl in den vergangenen Jahren viel auf diesem Feld getan wurde. Es geht um faire und richtige Preise, beispielsweise für Gas, für Elektrizität. Der russische Präsident Putin hat gerade erklärt, dass es keinen Gas-Discount mehr geben wird. Wir haben immer gesagt, dass wir einen fairen Preis für Gas wollen. Gemäß diesem russisch-ukrainischen Gasvertrag zahlen wir für das russische Gas mehr als Deutschland. Das finden wir wirtschaftlich nicht fair und politisch nicht fair. Aber wir sind bereit, und wir sind im Stande, mit diesen internationalen Hilfen die Reformen weiter effektiv zu implementieren. Das werden wir auch beweisen.

Das deutsche Energieunternehmen RWE hat angekündigt, dass es die Ukraine mit Gas versorgen könnte. Was halten Sie von der Idee, sich von russischen Gaslieferungen loszusagen und das Gas von woanders zu beziehen?

Wir haben 2012 und 2013 bereits Gas von RWE gekauft. Wir haben alle Bedingungen für den Transit dieses Gases durch Polen und Ungarn und in letzter Zeit auch durch die Slowakei erfüllt. Das ist der entscheidende Punkt: Wir können die Ukraine maßgeblich mit dem Gas aus Deutschland versorgen, zu welchem Anteil kann ich aber nicht genau sagen. Und das Interessante dabei ist: Dieses Gas kostet weniger als russisches Gas. Insbesondere im Sommer können wir das Gas in den ukrainischen Gasspeichern bunkern und damit im Winter den gemeinsamen europäischen Markt stabilisieren. Damit werden wir direkt und indirekt zu der europäischen Energiesicherheit beitragen.

Es gibt sehr viele russische Unternehmen, die in der Ukraine aktiv sind. Ist das aufgrund der aktuellen Entwicklungen bald vorbei?

Nein, überhaupt nicht. Die Russen sind in der Ukraine immer willkommen, genau wie die russischen Unternehmen. Wir brauchen Investitionen, und Russland braucht den ukrainischen Markt. Russland braucht unser Potenzial. Ich habe immer gesagt: Wir wollen nicht weg von Russland! Wir wollen in die Europäische Union, und ich glaube, wenn der politische Wille da ist, können alle maßgeblich davon profitieren.

Pavlo Klimkin ist Botschafter der Ukraine in Berlin.

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