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Wissen & Umwelt

Klimaziele in weiter Ferne?

Die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad beschränken: Das ist das Ziel der Weltgemeinschaft. Aber zwei neue Studien sagen, dass Industrienationen bei weitem nicht genug tun, um dieses Ziel zu erreichen.

Beim UN-Klimagipfel im Dezember in Paris wollen Politiker aus aller Welt ein neues Klimaprotokoll unterzeichnen. Ihr Ziel ist es zu verhindern, dass die Erderwärmung bis 2050 um mehr als zwei Grad voranschreitet. Um das zu erreichen haben sich Regierungen verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und mehr Geld in die Erforschung erneuerbarer Energien zu stecken. Aber Experten kritisieren, dass die Schritte, zu denen sich die Länder bislang verpflichtet haben, nicht ausreichen.

In ihrem aktuellen Energie-Technologie-Bericht fordert die Internationale Energieagentur (IEA), dass Regierungen wesentlich mehr in die Entwicklung von erneuerbaren Energiequellen investieren müssen. Und Forscher der London School of Economics haben errechnet, dass die Redukionsziele einiger Länder nicht genug ist, um die globale Erwärmung tatsächlich auf zwei Grad zu beschränken.

Die Energiewende muss schneller gehen

"Ein ganz wichtiger Faktor, um dieses Ziel zu erreichen ist, dass es genügend politische Unterstützung für den Einsatz neuer Energien gibt", sagte Daniele Poponi, Energieforscher bei der IEA, gegenüber der DW.

Kohlekraftwerk China. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Industrienationen sollten mehr in die Entwicklung sauberer Energien wie Wind investieren

Poponi ist einer der Autoren der IEA-Energiestudie. In dem Bericht heißt es, dass die Welt ihre Klimaziele nur erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen und sich für mehr Innovationen im Bereich erneuerbarer Energien einsetzen. Das heißt für die Forscher einerseits, dass Länder ihre Investitionen in die Energieforschung verdreifachen sollten, aber auch, dass private Investoren gefordert sind. Die Entwicklung erneuerbaren Energien ginge einfach nicht schnell genug voran, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, sagen Poponi und seine Kollegen.

Keine Zeit für Bequemlichkeit

Einfach so weitermachen wie bisher sei keine Option, sagt Poponi, wenn man bedenke, welche Auswirkungen eine globale Erwärmung von mehr als zwei Grad auf die Welt haben könnte: "Wenn wir jetzt nichts unternehmen, stehen wir alle als Verlierer da". Der Energieforscher stellt außerdem klar, dass Kritiker, die vor zu hohen Kosten des Energiewandels warnen, kurzsichtig seien.

Nach seinen Angaben würde es Länder nur 0,2 oder 0,3 Prozent ihres Bruttosozialprodukts kosten, sich von fossilen Brennstoffen abzuwenden. Die Folgen des Klimawandels, sollte sich nichts ändern, wären viel einschneidender: "Indem wir jetzt nicht handeln nehmen wir für die paar Prozentpunkte des Bruttosozialprodukts, die wir jetzt sparen, viel größere negative Effekte auf längere Zeit in Kauf", sagt Poponi. "Nichts zu tun hätte tiefgreifende Folgen für die menschliche Entwicklung, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. So wie es jetzt gerade aussieht sind wir bereit, das Wohlergehen der nächsten zwei, drei oder vier Generationen aufzugeben, damit wir es kurzfristig gut haben."

Die größten Klimasünder reduzieren nicht genug

Auch Forscher der London School of Economics (LSE) kamen zu dem Schluss, dass die Umstellungen, die viele Länder planen, um den Klimawandel auf unter zwei Grad zu beschränken, bei weitem nicht ausreichend sind.

Sie untersuchten die Verpflichtungen, auf die sich die Länder vor dem Klimagipfel in Paris im Dezember festgelegt haben. In diesen "national festgelegten Beiträgen" (INDCs) geben die Länder beispielsweise an, um wie viel sie ihre Emissionen reduzieren wollen. Anhand dieser Zahlen errechneten die LSE-Forscher haben ausgerechnet, wie hoch der Treibhausgas-Ausstoß im Jahr 2030 sein könnte, wenn sich einige der größten Klimasünder wie die EU, die USA und China an ihre aktuellen INDCs halten.

Eisberge in Grönland.(Foto: DW/ Irene Quaile).

Wenn die weltweiten CO2-Emissionen nicht schneller sinken, könnten Grönlands Eisberge wegschmelzen

Die Ergebnisse: "Alleine die Europäische Union, China und die Vereinigten Staaten würden 2030 mit ihren aktuellen Verpflichtungen schon auf 20 bis 22 Milliarden Tonnen kommen", sagte Bob Ward, einer der Autoren der LSE-Studie. Doch nach UN-Angaben dürften 2030 die Treibhausgas-Emissionen weltweit bei nicht mehr als 36 Milliarden Tonnen liegen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. "

"Sache der reichen Industrienationen"

Mit den derzeitigen Verpflichtungen steht die Welt in diesem Jahrhundert vor einer Klimaerwärmung von drei Grad, schätzen die Forscher der LSE. Solch einen Temperaturanstieg habe es seit Millionen von Jahren nicht gegeben - die Menschheit habe so etwas noch nie erlebt, meint Ward. Durch die Erwärmung könnten Eismassen an Land, wie zum Beispiel in Grönland, schmelzen, was wiederum zu einem Anstieg der Meeresspiegel von bis zu einem Meter vor dem Ende des Jahrhunderts führen könnte.

Das zu verhindern sei weitestgehend Sache der reichen Industrienationen: Sie tragen eine größere Verantwortung, so Ward, weil ihre Pro-Kopf-Emissionen sehr viel größer seien als die von Entwicklungsländern - und weil sie das Geld und die Technologien hätten, um voran zu gehen: "Sie sollten ein gutes Beispiel sein, aber das sind leider nicht alle".

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