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Europa

Klimawandel trifft die Ärmsten - Wie die EU helfen will

Die EU-Kommission will Entwicklungsländern stärker bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels helfen. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel plant deshalb eine globale Allianz für den Klimaschutz.

Überschwemmungsopfer in Indonesien, Quelle: AP

Überschwemmungsopfer in Indonesien

In den letzten Jahren gab es auffällig viele Naturkatastrophen mit hohen Opferzahlen in Afrika, Asien und der Karibik: Dürren südlich der Sahara, Überschwemmungen in Indien, Bangladesch und Nordkorea, verheerende Wirbelstürme in der Karibik und Mittelamerika. Tendenz steigend. Das sind für die EU-Kommission deutliche Zeichen dafür, dass der weltweite Klimawandel vor allem die Entwicklungsländer trifft. Diese Staatengruppe verschmutzt die Atmosphäre nur zu einem geringen Teil, bekommt die Folgen der Verschmutzung durch die Industriestaaten und Schwellenländern aber sehr deutlich zu spüren.

Deshalb schlägt EU-Entwicklungskommissar Louis Michel vor, die betroffenen Staaten in eine weltweite Allianz gegen Klimawandel einzubinden und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. "Wir müssen in einem strukturierten Dialog die Folgen des Klimawandels meistern und die Entwicklungsländer auf die bevorstehenden Umweltkatastrophen vorbereiten." Die Allianz soll, so will es der EU-Kommissar, spezifische Hilfe anbieten, die in das Gesamtkonzept für nachhaltige Entwicklung eingebunden wird.

Emmissionsrechte gegen Technologien

Windräder, Quelle: AP

Sauberen Technologien den Vorrang geben

Zentrale Aufgabe sei es, die Abholzung von Tropenwäldern zu verhindern und Wiederaufforstung von ungeschützten Gebieten voran zu treiben. Die EU-Kommission möchte zudem Förderprojekte für Dämme, Pfahlbauten und intelligentere Bewässerungssysteme aufbauen, um die Folgen von Überschwemmungen zu lindern. Frühwarnsysteme vor Stürmen und der Katastrophenschutz sollen ausgebaut werden. Wichtig sei es, die ärmsten Entwicklungsländer in den weltweiten Handel mit Luftverschmutzungsrechten einzubeziehen. Westliche Unternehmen, denen Klimaschutz im eigenen hoch entwickelten Heimatland zu teuer ist, könnten Emissionsrechte in Entwicklungsländern erwerben.

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel (links), Quelle: AP

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel (links)

Mit diesem Geld sollen dann saubere Technologien zum Aufbau einer klimafreundlichen Industrie in die Entwicklungsländer importiert werden, sagt Michel: "Es wäre doch dramatisch, wenn wir in diesen Länder alte schmutzige Industrie hinstellen. All diese Länder könnten die Früchte unseres wissenschaftlichen Vorsprungs in diesen Bereichen genießen." Den Ausbau und Aufbau von Kraftwerken mit konventioneller Energieerzeugung - also Kohle, Gas, Erdöl oder Kernenergie - sollten die Entwicklungsländer möglichst vermeiden, glaubt Michel. Die Länder sollten die erneuerbaren Ressourcen, die sie reichlich haben, voll ausnutzen - also Wasserkraft, Sonnenenergie und Fotovoltaik nutzen.

Ohne Bewerbung, 300 Millionen

Die Entwicklungsländer, die einer globalen Klimawandel-Allianz beitreten wollten, müssten sich nicht um eine Aufnahme bewerben, sondern dieser Schritt würde Teil der regelmäßigen Verhandlungen über Entwicklungspolitik werden. Kein Entwicklungsland sei ausgeschlossen, aber Vorrang hätten zunächst die am wenigsten entwickelten Staaten in Afrika, Asien, dem Pazifischen Raum und der Karibik.

Um das Projekt anzuschieben stellt die EU-Kommission bis zum Jahr 2010 rund 50 Millionen Euro bereit. Zusammen mit bereits laufenden Projekten soll die Summe bei 300 Millionen Euro liegen. Aber auch diese Summe sei noch zu klein, sagt Michel. Er appellierte deshalb an die 27 EU-Mitgliedsstaaten, sich finanziell an der Allianz zu beteiligen.

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