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Globale Zusammenarbeit

Klimawandel bedroht Ernährungssicherheit

Die Jahreszeiten spielen vielerorts verrückt: Auf Dürre folgen Fluten, neue Schädlinge halten Einzug, weil es zunehmend wärmer wird. Die Landwirtschaft ist besonders hart vom Klimawandel betroffen.

"Früher wussten die Farmer, dass der Monsun um den 14. Juni herum kam", erzählt Debjeet von der Nichtregierungsorganisation "Living Farms" im ostindischen Bundesstaat Orissa in Indien, der nur mit seinem Vornamen angesprochen werden will. "Heute ist das Wetter unberechenbar und das traditionelle Wissen nützt nichts".

Debjeet Foto: Helle M. Jeppesen (DW)

"Auf lokaler Ebene helfen" - Debjeet von der Organisation Living Farms

Seine Organisation Living Farms versucht den Bauern in Orissa zu helfen. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) kann zwar auch nicht den Regen und die Regenmengen vorhersagen. Doch sie kann die Bauern über neue Sorten und Anbaumethoden beraten und Erfahrungen sammeln und auswerten. "Wir betreiben Forschung auf lokaler Ebene und versuchen herauszufinden, welche Feldfruchtkombinationen für den Klimawandel taugen", erzählt Debjeet.

Mehr als 13.700 Dörfer im Bundesstaat Orissa sind mittlerweile von Dürre betroffen. Die Landesregierung hat gerade die Zahl wieder nach oben korrigiert.

Dürre und Fluten

Dürre gehöre zum globalen Klimawandel ebenso wie Fluten, betont Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe. Die Welthungerhilfe unterstützt weltweit, auch in Orissa, Projekte zur ländlichen Entwicklung.

Ernährungssicherheit hängt von der Landwirtschaft ab. Letztendlich sind es die Landwirte, die eine Weltbevölkerung von über sieben Milliarden Menschen ernähren müssen. Die meisten Bauernhöfe - laut Weltagrarbericht 85 Prozent - sind Kleinbetriebe unter zwei Hektar. Und auf allen Kontinenten sind sie zunehmend Opfer des Klimawandels, wie Bärbel Dieckmann betont: "Wir haben heute Regionen, die auch früher trocken waren, aber wo die Trockenheit nur alle zehn Jahre auftrat. Jetzt gibt es trockene Perioden alle drei Jahre."

Anpassungsstrategien

Diese Wetterextreme hat der Weltklimarat IPCC (International Panel on Climate Change) bereits vorhergesagt und vor den Folgen für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit gewarnt. Wenn die meist armen Landgebiete auch noch mit den Folgen extremer Wetterereignisse wie Dürre, Fluten, Hurrikans oder Hitzewellen konfrontiert seien, komme es schnell zu Engpässen bei der Ernährung, so ein Ergebnis des IPCC-Berichts, der im März erschienen ist.

Inder auf der Flucht vor Überschwemmungen Foto: dpa

Auf Dürre folgen Fluten: Hilfsorganisationen gehen von 200 Millionen Klimaflüchtlingen im Jahr 2050 aus

Die Empfehlung der Experten: Investitionen in Anpassungsmaßnahmen für die Landwirtschaft, insbesondere für die Kleinbauern der Entwicklungsländer, die am schwersten vom Klimawandel betroffen sind. Solche Anpassungsmaßnahmen könnten unter anderem aus lokalen Frühwarnsystemen, Mikroversicherungen für Landwirte und einer besseren sozialen Absicherung der Landbevölkerung bestehen, so der Experten-Bericht.

Landwirtschaft als Klimakiller

Die Landwirtschaft ist jedoch nicht nur Opfer des Klimawandels sondern auch Mitverursacher. Wenn man alles mitrechnet: Brandrodung in tropischen Regenwäldern für Agrarflächen, Methan-Ausstoß durch Tierhaltung und Reisanbau sowie Transport, Verarbeitung und Entsorgung landwirtschaftlicher Produkte, dann sei die Landwirtschaft für 40 Prozent der weltweiten Klimagase verantwortlich. Und in Zeiten immer knapper werdender Wasserressourcen zählt sie darüber hinaus noch zu den größten Wasserverbrauchern weltweit, so der Weltagrarbericht.

Brandrodung in Indonesien (Foto: Getty Images)

Die Brandrodung des Urwalds trägt zum Klimawandel bei - hier eine Luftaufnahme aus Indonesien

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, empfiehlt der Weltagrarbericht die gezielte Unterstützung der Kleinbauern. Zum einen, weil sie mit den kleinen Flächen am wenigsten zum Klimawandel beitragen, zum anderen, weil sie auch schneller und flexibler ihren Anbau an die veränderten Klimabedingungen anpassen können.

Geld für Anpassung

Das Geld für diese Anpassungsmaßnahmen, so Bärbel Dieckmann von der Welthungerhilfe, müsse vor allem aus den Industrieländern kommen. "Die CO2-Belastung kommt aus den Industrieländern. Die ärmsten Länder produzieren keine Klima verändernden Stoffe", betont Dieckmann.

Mit Unterstützung der Welthungerhilfe arbeitet die NGO Living Farms im indischen Bundesstaat Orissa bereits an Klimaanpassungsmaßnahmen auf lokaler Ebene. "Im vergangenen Jahr haben die Bauern 83 verschiedene Sorten von Feldfrüchten angebaut", erzählt Debjeet von Living Farms, die den Landwirten empfiehlt, gleichzeitig mehrere Sorten nebeneinander anzubauen. "Alle Sorten sind schnell wachsend und Dürre resistent, damit es trotz Ernteverlusten immer noch etwas zu essen gibt."

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