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Wissen & Umwelt

Klimaschutz von unten

Städte zerstören Naturraum, verbrauchen 75 Prozent der Energie weltweit und stoßen 80 Prozent der CO2-Emissionen aus. Dadurch beschleunigen sie den Klimawandel. Diesem Trend will das Klima-Bündnis entgegenwirken.

Die Städte stehen vor gewaltigen Herausforderungen: Einerseits müssen sie die nach Deutschland strömenden Flüchtlinge unterbringen und in die Gesellschaft integrieren; andererseits sind die Stadtplaner gefordert, sich neuer Wohn- und Lebensformen der zunehmend alternden Gesellschaft anzunehmen. Das alles unter den Aspekten: Energiewende und Klimaschutz.

"Wie wollen wir in Zukunft leben?" hieß die Frage, mit der sich die Städtevertreter bei der Kommunalen Klimaschutzkonferenz in Bonn konfrontiert sahen. Sie waren angehalten, gemeinsam Visionen für kommunale Nachhaltigkeitsziele für das Jahr 2030 zu entwickeln. Dazu aufgefordert hatte das Klima-Bündnis, ein Verbund von Städten, Gemeinden und Landkreisen. Gegründet im Jahr 1990 und damit noch vor der Initiierung der Weltklimarahmenkonvention (UNFCCC), verpflichteten sich die Bündnispartner, das Weltklima zu schützen und für die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen einzutreten.

Während internationale Staatenbündnisse und nationale Regierungen den Klimaschutzprozess von oben zu steuern versuchen, wollen die Kommunen an der Bürgerbasis den CO2-Ausstoß vermindern sowie die Ressourcenverschwendung und Müllproduktion einschränken.

Zustrom in die Städte hält an

2050 werden 75 Prozent, umgerechnet 6,3 Milliarden Menschen im urbanen Raum leben. Schon jetzt gibt es zu wenige Wohnungen. Noch fehlen aber klare Zukunftsbilder für eine nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam und in Workshops entwickelten die Teilnehmer gemeinsame Visionen. Sharing, also Teilen, hat Zukunft. Kooperationen von Organisationen, die in der "schmuddeligen Peripherie" der Gewerbegebiete angesiedelt seien, sollten ins Zentrum rücken. Das wünschen sich die Stadtplaner und Mitarbeiter der Kommunen.

Deutschland Boris Palmer Oberbürgermeister der Stadt Tübingen

Mit dem Radl da: Tübingens OB Boris Palmer

Es sei an der Zeit, das Ende der Wegwerfgesellschaft einzuläuten, merkte Angelika Gunkel von der Stadt Hanau an. Kleidertauschpartys, Kooperationen gegen Lebensmittelverschwendung wie Foodsharing, Repaircafés sowie "offene Regale", in denen Bürger Ware anbieten und mitnehmen können, sollten kommunal gefördert werden. Der Ausbau von Radschnellwegen und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sollten vorangetrieben werden.

Shared Spaces

Die Zeit, in denen innerstädtische Straßen verbreitert wurden, um den Autos Vorrang zu gewähren, ist offensichtlich überholt. Um Wohnstandorte aufzuwerten und gegen die Verödung der Innenstädte nach Ladenschluss anzugehen, brachten Teilnehmer das Shared-Space-Konzept ins Gespräch.

Der Umbau der Straßen in verkehrsberuhigte Zonen soll das Fahrzeugaufkommen und die Geschwindigkeit reduzieren, Fuß- und Radverkehr fördern und die Aufenthaltsdauer von Menschen dort erhöhen. Angestrebt ist eine friedliche Koexistenz unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel.

Bewusstsein schärfen

Bernd Schott, der die Stadt Tübingen vertritt, entwickelt Strategien und Maßnahmen für den städtischen Umwelt-, Klima- und Naturschutz. "Wir leben vor, was wir von unseren Bürgern und Unternehmen erwarten", sagt er. "Unser Oberbürgermeister fährt keinen Dienstwagen, sondern Pedelec. Wir stellen unsere Beleuchtung auf stromsparende LED um." Wichtig sei, die Maßnahmen glaubwürdig zu gestalten, so dass die Bevölkerung bereit sei, diese mitzutragen und nachzumachen.

Gerade in diesem Sommer seien die Folgen des Klimawandels am "unerträglichen" Hitzestress spürbar geworden, sagt Schott. "Aber wir haben viele öffentliche Brunnen und Spielplätze am Wasser und pflanzen angepasste Bäume, wie den aus Nordamerika stammenden Amberbaum und andere Schattenspender. Wir fördern auch begrünte Dächer."

Bohmte Verkehrsschilder

"Shared Spaces" in Bohmte/ Osnabrück. - gemeinsam genutzter Raum ohne Verkehrsschilder

Die Nachbarstadt Esslingen versucht ebenfalls "zu motivieren statt zu moralisieren", sagt Katja Walther. Trotz schmaler Straßen in der Altstadt habe man Fahrradwege eingerichtet. Mit der "Aktion Kühlschrank" bietet die Verwaltung gemeinsam mit den kirchlichen Organisationen Caritas und Diakonie einkommensschwachen Haushalten Energieanalysen an. Gegen relativ geringes Geld können Bürger stromfressende Altgeräte gegen neue eintauschen. Vom Velo-Carrier sollen besonders Senioren und Bürger ohne Auto profitieren: Sie können ihren Einkauf mit einem Spezial-E-Bike nach Hause liefern lassen - noch am gleichen Tag. Im Energieberatungszentrum können sich Interessierte in Vorträgen über klimarelevante Themen informieren. Andere Kommunalvertreter kündigten an, in Schulen und Volkshochschulen Kinder und Erwachsene für Klimaschutzziele und Sparpotentiale sensibilisieren zu wollen.

Konsens herrschte darüber, dass der Klimaschutz eine kommunale Pflichtaufgabe sei. Und dass es Volkswirtschaften günstiger komme, den Klimawandel zu bekämpfen als langfristig Anpassungsstrategien zu finanzieren. Allerdings sind die Städte und Gemeinden dabei auf staatliche Mittel angewiesen. Bei Finanzierungsfragen dürften Klimaschutz und Flüchtlinge allerdings nicht gegeneinander ausgespielt werden, so die Forderung.

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