1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Globale Zusammenarbeit

Klimaschutz lässt auf sich warten

Die UN-Mitgliedstaaten haben sich auf das "2-Grad-Ziel" geeinigt. Doch Experten warnen bereits: Bis Ende des 21. Jahrhunderts könnte sich die Erde um mehr als drei Grad Celsius erwärmen.

Die 194 Mitgliedstaaten der UN-Klimarahmenkonvention haben sich im letzten Jahr in Durban auf eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung geeinigt. Aber schon heute gebe es einen globalen Temperaturanstieg von etwa 1,5 Grad Celsius, sagt Greenpeace-Experte Stefan Krug. Wenn man die CO2-Emissionen mitrechne, die bereits entstanden seien, aber ihre Wirkung noch nicht in der Atmosphäre entfaltet hätten, dann bliebe bis Ende des Jahrhunderts nur ein halber Grad Spielraum.

Beschleunigte Erwärmung

Stefan Krug, Greenpeace, Leiter der politischen Vertretung in Berlin. Foto: Helle Jeppesen für DW.

Stefan Krug, Leiter der politischen Vertretung von Greenpeace

Auch nach dem Jahr 2100 werden die Temperaturen weiter ansteigen. Das könne zu einer Erwärmung zwischen acht und 15 Grad führen und damit zu einem Meeresspiegelanstieg von sieben bis zehn Meter. "Das ist eine Welt, auf der man eigentlich als Mensch nicht mehr leben möchte. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern.“

Auch die Wissenschaftler des Weltklimarats warnen, dass die Chance, den Klimawandel einzudämmen, sehr bald verpasst werden könnte. Mit den Verhandlungsangeboten, die zurzeit auf dem Tisch lägen, wäre eine globale Erwärmung um mindestens 3,5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu erwarten.

Klimaallianz mit den Ärmsten

Vor allem die Europäische Union drängt auf ehrgeizige Klimaziele. Auf dem vergangenen UN-Gipfel in Durban gelang es der EU gemeinsam mit den Entwicklungsländern und den kleinen Inselstaaten ein verbindliches Klimaabkommen bis 2015 durchzusetzen. Es soll bis 2020 in Kraft treten.

Mit dieser Allianz hat die EU auch das bis heute einzig verbindliche Abkommen über Treibhausgasemissionen gerettet. Das Kyoto-Protokoll, in dem sich die Industrieländer zu nachprüfbaren Emissionsminderungen verpflichten, stand kurz vor dem Aus.

Fototermin: 24.1.2012 Fotos: Wolfgang Dick, Redakteur der Deutschland-Redaktion mit der jeweiligen Genehmigung der gezeigten Personen. Ich, Wolfgang Dick, übertrage sämtliche Rechte an den Fotos örtlich und zeitlich unbegrenzt an die Deutsche Welle. Rauchende Schlote - Chemiepark Dormagen

Vor allem die Verwendung fossiler Brennstofe heizt das Klima an

Nun wird in UN-Arbeitskonferenzen, wie beispielsweise in Bonn vom 14. bis zum 25. Mai über das Nachfolgeabkommen verhandelt, das sogenannte "Kyoto 2". Das soll dann auf dem nächsten Klimagipfel Ende November in Katar verabschiedet werden. Allerdings bröckelt die Unterstützung. Die USA haben das Kyoto-Protokoll nie in Kraft gesetzt, Kanada ist ausgestiegen und Russland und Japan gelten als Wackelkandidaten für das Nachfolgeabkommen.

EU trägt die Hauptlast für Kyoto

Die Europäische Union hat sich bereit erklärt "Kyoto-2" beizutreten. Sie ist jedoch lediglich für rund 11 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich. Bisher hält die EU an ihrem Angebot über eine 20 Prozent Emissionsminderung fest. Sinnvoller, so Klimaexperte Sven Harmeling von der deutschen NGO Germanwatch, wäre ein Angebot von 30 Prozent. "Wir wissen, dass die Blockade der 30 Prozent an ganz wenigen Staaten hängt, in erster Linie Polen", betont er. "Wir wissen auch, dass es ganz viele ökonomische Argumente gibt, warum diese 30 Prozent viel sinnvoller sind als nur die 20 Prozent. Damit würden auch Anreize für den Einsatz von erneuerbaren Energien gesetzt, so Harmeling.

Fast zum Null-Tarif

Dr. Peter Liese, MdEP, umweltpolitischer Sprecher der Christdemokratischen Fraktion im Europa Parlament, Bonn, Helle Jeppesen für DW

Peter Liese: "25 Prozent als Signal für Verhandlungen"

Im Europaparlament sieht man es ähnlich. Peter Liese, umweltpolitischer Sprecher der christdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, schlägt als Signal für die UN-Klimaverhandlungen eine Zwischenstufe von 25 Prozent vor. Das wäre für Deutschland praktisch zum Null-Tarif zu haben, da sich die Bundesregierung bereits auf ein nationales Ziel von 40 Prozent bis 2020 festgelegt habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in einem ehrgeizigeren EU-Klimaziel nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung. "Deutschland will hier durchaus Vorreiter sein", so die Bundeskanzlerin auf einer Wissenschaftstagung. Bis 2050 wolle die Bundesrepublik ihre Emissionen um 80 Prozent senken. Ende Juni steht auf dem EU-Gipfel auch eine Erhöhung der europäischen Klimaschutzziele auf der Tagesordnung. Erst nach einem gemeinsamen Beschluss können die EU-Vertreter ein neues Angebot in den UN-Klimaverhandlungen einbringen.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema