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Kultur

Klimaschutz kann funktionieren

Die Menschheit hat laut UN-Bericht nur noch 15 Jahre Zeit, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe zu verhindern. Dabei gibt es schon zahlreiche Beispiele für effektiven Klimaschutz – auch wenn manche unkonventionell sind.

Scholle schmilzt der Robbe unterm Hintern weg, Foto: dpa

Bald auf dem Trockenen?

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger erzieht seine Kinder konsequent: Haben sie einmal vergessen, das Licht auszuschalten, dreht er ihnen als Denkzettel für eine Weile die Glühbirne heraus. Ein Abgeordneter will gar allen Bürgern des US-Bundesstaates Energiesparlampen verordnen.

Kalifornischer Gouverneur Arnold Schwarzenegger, Foto: AP

Arnie kämpft für Klimaschutz: zu Hause und in der Politik


Doch nicht nur im Privaten seien die Kalifornier klimapolitisch vorbildlich, auch auf nationaler Ebene, lobt der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP Achim Steiner: "Im vergangenen Jahr wurde dort ein Gesetz erlassen, das bis 2020 die CO2-Emissionen um 30 Prozent reduzieren soll. Und das, obwohl Kalifornien - losgelöst von den USA - die sechstgrößte Wirtschaftsnation weltweit wäre."

"Apokalyptische Meldungen"

Kalifornien sei eines von vielen Beispielen für effektiven Klimaschutz, so Steiner, nachdem es im Weltklimabericht der Vereinten Nationen geheißen hatte, der Menschheit blieben nur noch 13 Jahre Zeit, um eine Klimakatastrophe im großen Ausmaß abzuwenden. UNEP-Chef Steiner hält solche "apokalyptischen Schlussfolgerungen" für falsch: "Wir sind bisher von einer Klimaerwärmung um zwei Grad in den nächsten 100 Jahren ausgegangen. Doch wir müssen mit bis zu fünf Grad in manchen Regionen rechnen, und diese Folgen können wir nicht mehr überschauen. Wenn wir die Emissionen nicht reduzieren, steigen die Kosten des Klimawandels unabsehbar hoch."

Qualmender Schornstein, Foto: AP

Die Emissionen müssen in den nächsten 15 Jahren reduziert werden


Auch Schweden, das den Klimaschutz-Index 2007 anführt, ist für Steiner ein Beispiel für funktionierenden Klimaschutz. Das Emissionslevel sei dort relativ niedrig, bestätigt Jan Burck von der Organisation Germanwatch, die in diesem Index die 56 Staaten mit dem größten CO2-Austoß verglichen hat. Schweden hat angekündigt, bis 2020 die Abhängigkeit von Erdölimporten aufzugeben bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atomenergie. Dabei setzt das Land vor allem auf erneuerbaren Energien, Strom wird dort zunehmend durch Wasserkraft erzeugt. "Doch letztendlich ist Schweden auch nur der Einäugige unter den Blinden", sagt Burck, die klimapolitischen Maßnahmen seien vorerst nur Absichtserklärungen, und es bleibe abzuwarten, ob sie realisiert würden.

China ist ehrgeizig

Auch China zeigt sich – zumindest verbal – sehr ehrgeizig: Das Land will das Wirtschaftswachstum vom Energiewachstum entkoppeln. "Die Wirtschaftsleistung soll sich vervierfachen, während sich der Energieverbrauch nur verdoppelt. Das hat noch keine Volkswirtschaft erreicht, das wäre revolutionär", erklärt Burck.

Chef des UN-Umwelt-Programms (UNEP) Achim Steiner, Foto: AP

Steiner: Kalifornien ist ein Vorbild für effektiven Klimaschutz


Die Zahlen der Internationalen Energie-Agentur sind allerdings gegenläufig: Bei einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent zwischen 2003 und 2004 erhöhte sich der Energieverbrauch um 25 Prozent und die Emissionen um 18 Prozent. "Ich glaube, dass China die USA hinsichtlich der Gesamtemission 2010 überholt haben wird", so Burck.

Ökonomische Interessen

Aber China immer als einen klimapolitischen Sündenfall hinzustellen, sei ungerecht: "Unsere Klimaproblematik ist nicht von China verursacht, sondern von den westlichen Industrieländern", schränkt UNEP-Chef Steiner ein und verweist auf das 180-Milliarden-Dollar-Programm, das Peking 2006 für die Entwicklung erneuerbarer Energien auf den Weg gebracht hat. Auch Burck unterstellt China ernsthafte Absichten: Das Land habe massive Umweltprobleme und einen kaum zu stillenden Energiedurst, daher müsse es allein aus ökonomischen Gründen Interesse an höherer Energieeffizienz haben: "Das lässt hoffen, dass China seinen Worten auch Taten folgen lässt."

"Es ist wichtig, dass in der Klimapolitik Deutschland vorangeht", fordert Steiner, "aber wir haben uns in Europa in den letzten Jahren zu sehr der Illusion hingegeben, wir hätten schon genug getan. Amerikaner und Asiaten holen beim Klimaschutz mächtig auf und machen uns auch wirtschaftlich Konkurrenz. Wir sehen China immer nur unter der braunen Smogglocke, aber es werden dort schon CO2-freie Städte geplant."

Was kommt nach Kyoto?

Die Kombo der Satellitenaufnahmen von September 1979 (oben) und September 2005 zeigt das Schmelzen der Eisfläche am Nordpol (Archivkombo), Foto: dpa

Das Arktiseis schmilzt in Rekordtempo


Trotz aller Kritik ist für Sden UNEP-Chef auch das Kyoto-Protokoll ein klimapolitisches Vorbild, da es immerhin 190 Nationen in eine gemeinsame Klimapolitik einbindet und auch die Wirtschaft mit ins Boot geholt hat. Doch die Vorgaben dieser Klimakonvention reichen ihm nicht aus: "2007 ist ein kritisches Jahr: Auf der Klimakonferenz in Indonesien Ende des Jahres wird darüber verhandelt, was nach Kyoto geschehen soll. Wir müssen in den nächsten 24 Monaten ein internationales Abkommen schaffen, das es allen Ländern ermöglicht, mitzumachen", fordert Steiner. Seine Hoffnung ruht vor allem auf dem wachsenden öffentlichen Druck: "Je mehr die Öffentlichkeit und damit auch die Märkte und die Konsumenten von denen, die unsere Wirtschaftspolitik lenken, verlangen, dass andere Schritte gemacht werden, werden sie auch geschehen."

Und Jan Burck von Germanwatch erwartet mit Spannung den EU-Frühlingsgipfel im März: "Wenn der jüngste Beschluss der EU-Umweltminister, die Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren dort als Gesamtpaket ohne Einschränkungen verabschiedet würde, das wäre großartig. Das wäre auch ein deutliches Signal an alle Entwicklungsländer, dass man ernsthaft zum Handeln bereit ist. Das wäre wirklich vorbildhaft."

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