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Asien

Klimaschutz in Afghanistan

Afghanistan ist dem Kyoto-Protokoll zum weltweiten Klimaschutz beigetreten. In dem kriegsgebeutelten Land ist der Klimawandel eine spürbare Bedrohung.

Verkehr in einem Nebel aus Staub und Abgasen in Kabul. Foto: DW/ Hossein Sirat.

Afghanistan Smog in Kabul

Er ist schon aus kilometerweiter Entfernung zu sehen: Dicht hängt Smog über der afghanischen Hauptstadt und nimmt den Menschen die Luft zum Atmen. Dicker, dunkler Staub setzt sich auf Gebäuden und Autos ab. Viele Menschen tragen ein Tuch oder eine Maske vor Nase und Mund. Grünanlagen gibt es kaum. Eine Kanalisation wird man hier nicht finden, stinkende Abwässer fließen durch offene Gräben neben der Straße. Etwa 3000 Menschen, so erklärt das nationale Umweltschutzbüro, sterben pro Jahr in Kabul an Atemwegskrankheiten, als Folge der Luftverschmutzung. Laut dem örtlichen Bürgermeisteramt liegt die durchschnittliche Feinstaubbelastung in Kabul bei 190 "Particulate Matter" (PM10, die Messgröße für Feinstaub) - und damit weit höher als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO gemessenenen Durchschnittswert in der chinesischen Hauptstadt Peking (121 PM10).

Schwarzer Rauch aus den Schornsteinen einer Ziegelei in Kabul (Foto: Ahmad Massoud)(dtf)

Luftverschmutzung: Schwarzer Rauch dringt aus den Schornsteinen einer Ziegelei in Kabul

Für eine grüne Zukunft

Afghanistans Beitritt zum Kyoto-Protokoll trat am 23. Juni in Kraft. "Damit ist das Land einen Schritt weiter im Kampf gegen den Klimawandel", glaubt Ghulam Hassan Amiry, Vorsitzender der Abteilung Klimawandel in der Nationalen Umweltschutz-Agentur (NEPA) Afghanistans. Inoffiziell habe Afghanistan das Kyoto-Protokoll bereits schon vorher beachtet. So waren auf internationalen Klimakonferenzen auch Vertreter aus Afghanistan anwesend. "Aber mit der offiziellen Unterzeichnung können wir von der finanziellen Unterstützung zum Klimaschutz profitieren."

Die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls sei ein guter Schritt in die richtige Richtung, meint auch Christoph Bals von der deutschen Umweltorganisation Germanwatch. "Die Hauptfaktoren, die Afghanistan dazu bewegt haben, das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben, sind sicherlich, die Umweltzerstörung durch den Klimawandel zu bekämpfen und dabei Unterstützung zu erhalten." Der Beitritt Afghanistans habe zwar auf den Klimawandel weltweit keine Auswirkungen, dennoch zeige dieser Schritt, dass die Regierungsführung in Afghanistan auf einem guten Weg sei. "Es zeigt aber auch, wie verletzlich Afghanistan durch die Folgen des Klimawandels ist, und dass man nun beginnt, darüber zu reflektieren."

Auswirkungen des Klimawandels

Seit 1998 sind etwa 6,7 Millionen Afghanen von Naturkatastrophen und extremen Wetterbedingungen wie Dürre, Erdbeben, Sandstürmen und kalten Wintern direkt betroffen - dies geht aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor. Die Gletscher des Himalaya - das natürliche Wasserreservoir des Landes - schmelzen ab, die extreme Trockenheit der Böden gefährdet die Landwirtschaft. Bis zu 80% der Bevölkerung sind laut UNEP von natürlichen Ressourcen abhängig, für 60% ist Landwirtschaft die Basis ihres Lebensunterhalts. Hinzu kommt: Fast vier Jahrzehnte Krieg haben massiv zur Umweltzerstörung beigetragen.

Ein alter Mann trägt schwere Last auf dem Rücken (Foto:dpa)

Klimawandel: Dürre bedroht die Landwirtschaft in Afghanistan

Erst seit einigen Jahren habe man begonnen, sich mit dem Umweltschutz zu beschäftigen, so Klimaexperte Amiri. Es gebe viel zu tun: "Wir haben keine Kanalisation in Afghanistan und kein Recyclingsystem. Die natürlichen Wasservorkommen im Land sind fast erschöpft. Afghanistan hat einfach nicht die Mittel, um diese Probleme zu beseitigen, dabei belasten sie in extremem Maße die Entwicklung des Landes."

Erster Schritt für nationalen Klimaschutz

Die Luftverschmutzung ist vor allem in Afghanistans Großstädten hoch, im Gesamtbild des Landes ist sie aufgrund fehlender Industrialisierung eher niedrig. Mit nur 0,2 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Person gehört Afghanistan zu den Ländern mit den geringsten Emissionen weltweit. Dennoch sei der Klimawandel auch in Afghanistan klar zu beobachten, sagt Ghulam Hassan Amiry. In den letzen zehn Jahren sei die Durchschnittstemperatur um 0,13 Grad gestiegen. Dieser Wert wird durch das Kyoto-Protokoll in Zukunft stärker kontrolliert.

Als Entwicklungsland muss Afghanistan keine bindenden Emissions-Ziele erreichen. Dennoch soll das Land Pläne entwickeln um den Treibhausausstoß zu senken. Dazu gehört zum Beispiel der Aufbau eines klimafreundlichen Energie- und Transportsystems. Parallel unterstützen die Vereinten Nationen die lokale Entwicklung von Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien.

Afghanen pflanzen Bäume (Foto: DW)

"Wir brauchen die Zusammenarbeit der Menschen beim Umweltschutz"

Kabul verweist auf erste Schritte zu mehr Umweltbewusstsein: Ein neu gegründetes Umweltinstitut der Universität Kabul soll Studenten Fachkenntnisse, unter anderem auch zum Klimaschutz, vermitteln. Außerdem sollen Umweltthemen verstärkt in den Lehrplan an Schulen einbezogen werden. "Wir brauchen die Zusammenarbeit der Menschen um die Umwelt zu schützen", stellt Ghulam Hassan Amiry klar. "Dazu müssen wir aber zuerst eine Kultur des Umweltschutzes in der afghanischen Gesellschaft schaffen."

Dicke Luft in der Nachbarschaft

Afghanistan ist auch stark bedroht durch hohe Emissionen der Nachbarländer Iran und Pakistan - beide ebenfalls Unterzeichner der Kyoto-Protokolls. Da die Grenzen zu beiden Ländern nicht ausreichend kontrolliert werden, gelangen immer wieder verbotene Treibstoffe und Gase nach Afghanistan, sagt Noorullah Kalim, Vorsitzender des Umweltausschusses im afghanischen Außenministerium. "Wir hatten viele Gespräche mit den Nachbarländern über den Umweltschutz und werden sie auch in Zukunft fortsetzen", erläutert Kalim. "Die Delegation, die von der Regierung mit diesem Fall beauftragt worden ist, konnte jedoch bisher zu keinem Ergebnis gelangen".

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