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Wissen & Umwelt

"Klimaschutz braucht Preis für CO2"

Auf dem G7-Treffen in Elmau steht der Klimaschutz oben auf der Agenda. Klimaforscher Ottmar Edenhofer empfiehlt einen ambitionierten Preis für CO2. Dies wäre ein ökonomisch sinnvolles Werkzeug in der Klimapolitik.

Deutsche Welle: Herr Professor Edenhofer, wie kann der Ausstoß von CO2 verringert werden, vor allem dann, wenn die Preise für Öl, Gas und Kohle sinken?

Wir haben keine Knappheit an fossilen Energieträgern, weder an Kohle, Gas und Öl. Und weil der Ölpreis von der Knappheit abhängig ist, werden wir in den kommenden Dekaden im Mittel keine steigenden Ölpreise sehen. Grundsätzlich haben wir viel mehr fossile Energieträger im Boden als wir eigentlich nutzen dürften: Die Verbrennung all dieser fossilen Energien, die damit verbundene Freisetzung von CO2, überschreitet die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre. Das ist die wichtige Einsicht. Und das heißt mit anderen Worten: Wir haben zu viele fossile Energieträger. Sie sind nicht knapp, sondern sie sind zu viele!

Wie kann man die Nutzung dieser fossilen Energien reduzieren?

Aus meiner Sicht reduziert man die Nutzung durch den Preis. Es gibt nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für CO2, einen begrenzten Deponieraum. Und diese Knappheit wird mit einem Preis belegt. Der sinkende Ölpreis ist aus der Sicht eines Klimaforschers eine ausgesprochen gute Nachricht.

Warum?

Jetzt können wir endlich anfangen, ambitionierte CO2-Preise einzuführen. Jetzt ist der konjunkturell richtige Zeitpunkt. Insofern freue ich mich über den niedrigen Ölpreis. Noch sehr viel mehr würde ich mich darüber freuen, wenn wir jetzt eine Bewegung bekämen, die weltweit entweder zu CO2-Steuern führt oder zu einem ambitionierten Emissionshandelssystemen.

Infografik Wird das Zwei-Grad-Ziel verfehlt?

Zur Begrenzung des Klimawandels müssen die Emissionen stark sinken. Edenhofer empfiehlt eine Abgabe auf CO2.

Europa hat den Emissionshandel. Doch die Preise für CO2, für die Verschmutzungsrechte, sind sehr niedrig. Ist dieser Emissionshandel gescheitert?

Nein, der Emissionshandel kann reformiert werden. Wir haben im Augenblick große Überschussmengen auf dem Emissionsmarkt. Das drückt die CO2-Preise, das verunsichert die Investoren, weil sie nicht langfristig investieren können. Wir wollen in Europa einen ambitionierten Klimaschutz, langfristig die Emissionen reduzieren und dafür braucht man ein klares Preissignal. Wir haben deshalb vorgeschlagen, in den europäischen Emissionshandel einen Mindestpreis für CO2 einzuführen. Dieser soll steigen, damit die, die heute in CO2-freie oder -arme Technologien investieren wollen, Planungssicherheit haben.

In Europa soll das System des CO2-Handelssystems nun reformiert werden. Welchen Vorteil hätte als Alternative das Modell von CO2-Steuern?

Man kann die CO2-Bepreisung immer so ausgestalten, dass sie gleich wirkt. Das Instrument kann eine CO2-Steuer sein oder der Emissionshandel. Das hängt von den individuellen, nationalen, politischen Gegebenheiten ab.

Wie sehen Sie die Chancen für einen weltweiten CO2-Handel oder eine CO2-Steuer?

Die Einführung einer CO2-Bepreisung ist sehr schwierig. Das scheitert an vielen politischen Realitäten. Aber es ist interessant und bemerkenswert, dass 2016 in China ein nationaler Emissionshandel eingeführt wird und dass die chinesischen Emissionen nach 2030 nicht mehr steigen sollen. Und im Hinblick auf die Klimakonferenz in Paris haben auch die USA ein ganz passables Angebot gemacht. Also hoffnungslos ist es nicht. Ich denke, wir werden in den nächsten Monaten noch sehr viel mehr und noch ambitioniertere Vorschläge sehen.

Was erwarten Sie vom Treffen der Regierungschefs, dem G7-Gipfel am 7. und 8. Juni?

Ich erwarte, dass sich die G7 weiter zum Zwei-Grad-Ziel bekennt und nochmal bekräftigt, wie wichtig eine CO2-Bepreisung ist. Wichtig ist die Schaffung einer Plattform für einen CO2-Preis. Ob dies durch eine Steuer oder durch den Emissionshandel geschehen soll, kann dann offen bleiben.

Wichtig erscheint mir auch der dritte Aspekt: Für den Klimafonds müssen Zusagen gemacht und umgesetzt werden. Das sind Transferzahlungen für diejenigen, die besonders hohe Lasten beim Klimaschutz zu tragen haben und so auch ins Boot geholt werden können.

Was wäre für Sie der maximale Erfolg für die Klimakonferenz im Dezember in Paris?

Ich glaube, es ist falsch, hier von maximalen Erfolgen zu reden. Mir scheint es wichtig, dass die Klimarahmenkonvention einen Weg findet, wie die verschiedenen nationalen Politiken koordiniert werden können. Und wie diese verschiedenen nationalen Politiken auch immer ehrgeiziger und ambitionierter werden. Mir erscheint es wichtig, dass die Regierungen voneinander lernen können.

Man darf Paris nicht daran messen, dass es jetzt dort zu einem Big Bang kommt, sondern es wird ein langsamer Weg. Aber wenn sich die Regierungen in die richtige Richtung bewegen, und wenn das kraftvolle Schritte sind, dann ist vielleicht das Tempo nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass man jetzt endlich beginnt.

Das Interview führte Elke Opielka.

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates (IPCC), stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der technischen Universität Berlin und Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC).