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Wissen & Umwelt

Klimaschutz braucht globale Bewegung

Der CO2-Ausstoß steigt und die Klimapolitik stockt. Umweltberater der Bundesregierung empfehlen im Sondergutachten zum UN-Gipfel mehr Zusammenarbeit mit der Klimabewegung. Sie sei hilfreich für die Klimapolitik.

In einem

Sondergutachten

zum UN-Klimagipfel in New York, empfiehlt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) auf die Bürgerbewegungen in der Welt zu setzen und sie auch bei den Klimaverhandlungen mehr einzubeziehen. Mit einer starken Bewegung für den Klimaschutz über die Ländergrenezen hinweg könnte die Gestaltungsmacht der Klimadiplomatie gesteigert werden.

Prof. Hans Joachim Schellnhuber

Schellnhuber: "Klimapolitik braucht Druck von unten"

"Die Zivilgesellschaft muss sich viel stärker zu Wort melden und sich dafür einsetzen, dass auch Kinder ein gutes Leben in einer gesunden Umwelt führen können", betont Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Vorsitzender des Beirates und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). "Also muss ich als Bürger Druck machen, dass meine nationalen Politiker auch international Politik betreiben", so Schellnhuber im

DW-Interview.

Zivilgesellschaft als Motor für Veränderungen

Aus Sicht der Gutachter ist eine starke Bürgerbewegung, die sich in Kommunen, Religionsgemeinschaften, Initiativen und sozialen Netzwerken organisiert, in mehrfacher Hinsicht wichtig und hilfreich: Zum einen können Klimaschutzinitiativen die politischen Entscheidungsträger zum kraftvollen Handeln antreiben. Zum anderen gewinnen Politiker, die diese Ziele unterstützen, dadurch Verbündete. Nach Ansicht des WBGU könnte in diesem Wechselspiel ein ehrgeiziges Klimaabkommen in Paris im nächsten Jahr auch gelingen.

Claus Leggewie

Kulturwissenschaftler Leggewie beobachtet wachsende Klimabewegung

Prof. Claus Leggewie, Kulturwissenschaftler und Mitautor des Gutachtens, sieht aber auch bei den Bürgern viele konkrete Handlungsmöglichkeiten, um den Klimaschutz voranzutreiben. "Das können Boykottmaßnahmen für bestimmte Produkte sein und das Ausscheiden aus der Beteiligung an Unternehmen, die viel CO2 emittieren." Leggewie beobachtet bereits einen Trend auf vielen Ebenen, der ihn hoffnungsvoll stimmt: "Es geht in die Richtung nachhaltig zu produzieren, nachhaltig zu konsumieren und sehr viele Menschen bemühen sich. Es ist eine Bewegung für einen anderen klimaverträglichen Lebensstil, der auch modisch wird", sagt Leggewie gegenüber der DW.

Anreize und Unterstützung für klimafreundlichen Konsum

Um die Verantwortung der Bürger bei der CO2-Reduktion zu stärken, greifen die Gutachter auch die Idee einer CO2-Kreditkarte auf. Jeder Bürger bekäme dann ein eigenes CO2-Guthaben. Beim Tanken oder beim Bezahlen der Stromrechnung würde der angefallene Kohlendioxid-Anteil vom Guthaben abgezogen.

Umweltministerin Hendricks nimmt das Gutachten der Wissenschaftler entgegen (Foto: WBGU)

Umweltministerin Hendricks nimmt das Gutachten der Wissenschaftler entgegen.

Ähnlich wie im Emissionshandel für Industrie und Energiewirtschaft könnte festgelegt werden, dass bei Überschreiten des Budgets zusätzliche CO2-Rechte gekauft werden müssen. Zudem sollte es Hinweise bei Produkten geben, wie hoch der bei der Herstellung verursachte Ausstoß gewesen ist. Insgesamt könnte der Bürger so stärker als bisher zur Emissionsminderung beitragen und würde Produkte meiden die viel CO2 verursachen. Es gäbe so Anreize für einen klimafreundlichen Konsum.

Verantwortung für zukünftige Generationen

Die Experten empfehlen in ihrem Gutachten die Entwicklung einer neuen Verantwortungskultur. "Es geht um den Wandel des Leitbildes. Wie soll die Welt in 20, 30 und 50 Jahren aussehen unter den Bedingungen des Klimawandels und wie können wir verantwortlich eine Welt unseren Kindern und Enkeln hinterlassen", so Leggewie.

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Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung fordert den Blick auf die zukünftigen Generationen stärker und systematisch in die Politik einzubeziehen. "Es ist ein sich hineinversetzen in die Optionen, die künftige Generationen noch haben", erklärt Leggewie. Er fordert, dass bei den Klimaverhandlungen, NGOs und Klimanetzwerke mehr Einfluss bekommen, "weil sie die besten Anwälte zukünftiger Generationen sind".

Klimaschutz als Chance

Um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten und eine Klimakatastrophe zu verhindern, müssten "bis spätestens 2070 die globalen CO2 Emissionen auf Null sinken", so Klimaexperte Schellnhuber. Leggewie äußert sich vorsichtig optimistisch, dass dies gelingen wird. "Einerseits bin ich Realist und sehe die Blockaden, die mächtigen Interessen, die sich dem entgegenstehen, gleichzeitig glaube ich, dass der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen ist."

Leggewie empfiehlt bei dem gesellschaftlichen Veränderungsprozess den Blickwinkel zu verändern und vor allem auch die Chancen zu sehen. "Wir müssen begreifen Klimaschutz ist der Einstieg in alternativen Energien, das Ausprobieren neuer Mobilitäts-, Produktions-, Ernährungsmuster. Das ist ein großes Jahrhundertprojekt. Dies wird sehr viele unternehmerische, kulturelle Energien freisetzt und uns viele der Belastungen abnehmen."

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