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Politik

Klimaschutz auf amerikanisch

Neben Afrika ist Klimaschutz das zweite große Thema auf dem G8-Gipfel. US-Präsident Bush plädiert für umweltfreundliche Technologien anstelle von Klima-Protokollen. Was steckt hinter dieser Argumentation?

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Alternativen zum Kohlendioxid gesucht

Er wolle bei US-Präsident George Bush für den Klimaschutz werben, kündigte der britische Premierminister Tony Blair an, der auf dem Treffen der sieben größten Industrienationen und Russlands in Schottland von Mittwoch bis Freitag Gastgeber sein wird. Unterdessen machte Bush in einem Interview klar, dass er verbindliche Zusagen zur Verringerung von Treibhausgasen nach wie vor ablehnt. "Das Kyoto-Protokoll hätte unsere Wirtschaft zerstört", sagte Bush unter Verweis auf das Abkommen von 1997, in dem sich die Industriestaaten verpflichten, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2012 gegenüber 1990 um fünf Prozent zu verringern. Statt über Vorgaben wolle er mit den anderen Staatschefs lieber über neue Technologien reden, sagte Bush. Seine Regierung investiere 20 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Wasserstoff-Fahrzeugen und emissionsfreien Kraftwerken.

Atomkraft als Umwelttechnologie

Diese Investitionen seien "kaum ernst zu nehmen", sagt Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Bei den 20 Milliarden wird vieles mitgerechnet, das bei uns als normale Energiepolitik gilt; etwa Investitionen in die Atomtechnologie." Die Vision der gegenwärtigen amerikanischen Regierung sei es, mit Atomkraft und Kohle Wasserstoff für entsprechende Energieträger zu erzeugen. "Es setzen sich nach wie vor die großen Lobbies durch", glaubt Ott.

Der Begriff "emissionsfreie Kraftwerke" sei irreführend, erklärt Gabriela von Goerne, Klimaexpertin der Umweltorganisation Greenpeace: "Bei diesen Kraftwerken wird das Kohlendioxid lediglich aufgefangen und in geologische Formationen gepresst." Diese Technologie sei derzeit noch so teuer und mit so vielen Risiken behaftet, dass sich nicht absehen lasse, ob sie je einsetzbar sei.

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Die Emissionen auf der Erde müssten bis 2050 halbiert werden, damit die Polkappen nicht abschmelzen

Lutz Wicke, Direktor des Instituts für Umweltmanagement an der Europäischen Wirtschaftshochschule geht davon aus, dass sich neue Technologien ohne entsprechende wirtschaftliche Anreize nicht durchsetzen könnten. Ein Anreizsystem biete der vom Kyoto-Protokoll vorgesehene Handel mit Emissionsrechten. Allerdings müsse das System erweitert werden und vor allem eine längere Geltungsdauer haben. "Kyoto ist nur bis 2012 gültig - bei Klimaschutzinvestionen muss aber klar sein, dass die sich 30 bis 50 Jahre lang lohnen."

Kyoto wirkt nicht

Sollte bei dem G8-Gipfel nur vereinbart werden, neue Technologien zu fördern, sei dies ein Rückschritt gegenüber dem Kyoto-Protokoll - und schon dessen Erfolge sind Wicke zufolge bislang eher zweifelhaft. So sinke der CO2-Ausstoß seit 1990 in den Industriestaaten keineswegs, sondern er werde bis 2010 sogar um 25 Prozent steigen. Dafür seien nur zum Teil die USA verantwortlich, die mit 1,5 Prozent der Weltbevölkerung ein Viertel der Emissionen verursachen. Auch die EU werde 2010 neun Prozent mehr Kohlendioxid produzieren, anstatt, wie vereinbart, acht Prozent weniger.

Die Klimaschutzvereinbarung auf dem G8-Gipfel sei so formuliert, dass sie auch von den USA unterzeichnet werden könne, berichtete am Montag die Financial Times unter Berufung auf einen ranghohen Diplomaten. In dem Entwurfstext werde festgestellt, dass fossile Energieträger eine Ursache des Klimawandels seien. Auch George Bush war in seinem Interview vor dem Gipfel von der Position abgerückt, dass dies nicht erwiesen sei und hatte eingeräumt, dass "menschliche Aktivität in einem gewissen Maße" für die globale Erwärmung verantwortlich sei.

Ein Umdenken mag Hermann Ott vom Wuppertal Institut darin allerdings nicht erkennen: "Das ist ein Lippendienst, den die USA schön länger bringen - um dann hinzuzufügen, dass aber noch mehr geforscht werden müsse."

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